Indra Grasekamp im Interview „Mit Schwanewede verbinde ich Heimat“

Für das evangelisch-lutherische Missionswerk begibt sich Indra Grasekamp auf Reisen, um „Weltweite Spiritualität“ zu erfahren. Was sie lernt, will sie in die norddeutschen Gemeinden einbringen.
22.03.2019, 17:34
Lesedauer: 5 Min
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Von Iris Messerschmidt
Frau Grasekamp, als Tochter des Schwaneweder Ortsbürgermeisters Martin Grasekamp, gehe ich jetzt einmal davon aus, dass Ihnen Schwanewede bekannt ist. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Stadt im Landkreis Osterholz?

Indra Grasekamp: Mit Schwanewede verbinde ich Heimat. Als Tochter eines Offiziers bei der Bundeswehr, bin ich viel umgezogen. Schwanewede ist der Ort, an dem ich schließlich Freunde gefunden und Abitur gemacht habe. Es ist ein Ort, an den ich zurückkomme im Wissen: Hier kennt man mich.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Kirchengemeinde St. Johannes?

Wenn ich an die St.-Johannes-Kirchengemeinde denke, fallen mir viele tolle Erlebnisse ein. Der Jugendchor, in dem ich gesungen habe, die Krippenspiele der Evangelischen Jugend, die Sommerfreizeiten und Konfirmandenwochenenden, die ich als Teamerin mitbegleitet habe. Gerne denke ich aber auch daran, dass ich in dieser Kirche meine allererste Predigt gehalten habe. Die Gemeinde hat mich während des Studiums und Vikariates immer begleitet, Pastor Karl Greving stand mir zur Seite, und auch heute komme ich gerne in die Kirche zum Gottesdienst.

Besuchen Sie dann den Gottesdienst oder halten Sie ihn?

Ich besuche den Gottesdienst als Gemeindeglied, plane und halte aber auch Gottesdienste, beispielsweise Heiligabend 2018. Auch für das Osterfest bereite ich schon einen Gottesdienst in Schwanewede vor.

Am 31. März 2019 werden Sie in einem Gottesdienst um 10 Uhr in der Schwaneweder St.-Johannes-Kirche durch Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer in Ihr Amt als Referentin des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen eingeführt. Hat die Landeskirche Ihnen die Einführung in Schwanewede vorgeschlagen, oder haben Sie darum gebeten?

Das war meine Idee, die in enger Absprache mit den zuständigen Gremien und meinem Abteilungsleiter so umgesetzt wurde. Die St.-Johannes-Kirchengemeinde in Schwanewede erschien mir als offizielle Einführung in mein neues Amt in mehrfacher Hinsicht passend. Zum einen kenne ich mich da aus, zum anderen hat auch die Kirchengemeinde langjährige Beziehungen zu meinem Arbeitgeber, zum Evangelisch-lutherischen Missionswerk nach Hermannsburg.

Wie schon erwähnt, arbeiten Sie beim evangelisch-lutherischen Missionswerk in Niedersachsen als Referentin für „Weltweite Spiritualität“. Was habe ich mir denn unter diesem Referat vorzustellen?

Als Referentin für „Weltweite Spiritualität“ bin ich für alle Fragen zuständig, die sich mit gelebtem Glauben beschäftigen. Grundsätzlich geht es darum, hier in Deutschland davon zu berichten, wie Christen in anderen Ländern ihren Glauben leben. Dafür unternehme ich Dienstreisen in die Partnerkirchen des Evangelisch-lutherischen Missionswerks (Äthiopien, Botswana, Brasilien, Indien, Malawi, Peru, Russische Föderation, Südafrika, Zentralafrikanische Republik), um selber Erfahrungen zu sammeln. Ich besuche Gottesdienste in den Ländern, rede mit den Menschen und versuche zu erfahren, wie diese Menschen ihren Glauben an Gott verstehen und leben. Wie genau das Referat später inhaltlich gefüllt sein wird, wird sich im Prozess zeigen, die Stelle hat es in diesem Zuschnitt nämlich noch gar nicht gegeben.

Wie sehen diese Erfahrungen aus?

Eine Erfahrung ist sicherlich, dass ich als Christin in den Gemeinden und in den Gottesdiensten, die ich besuche, immer willkommen bin. Der Glaube verbindet.

Wie geht es dann weiter?

Hier in Deutschland mache ich diese Erfahrungen fruchtbar. Das heißt konkret: Ich komme beispielsweise in die unterschiedlichsten Kirchengemeinden, um dort mit einem Bezug zur weltweiten Kirche zu predigen. Im Anschluss gibt es meistens noch einen Vortrag dazu, wie Christen in anderen Teilen der Welt leben und glauben. Auf Anfrage komme ich gerne in Gruppen und Kreise, um auch dort von einem Thema der weltweiten Spiritualität zu berichten. Ich bin, in Absprache mit Kollegen und Kolleginnen im Ausland, maßgeblich bei der Gestaltung und Erstellung der vom Evanglisch-lutherischen Missionswerk herausgegebenen Materialien zum Thema Gottesdienst (Gottesdienstentwurf und Predigt) beteiligt. Ihr helfe mit, Workshops, Studientage und andere Angebote vorzubereiten, bei denen ich auf die auf meinen Dienstreisen in die Partnerkirchen im Ausland gewonnenen Erfahrungen zurückgreifen kann. Das Thema „gelebter Glaube“ kommt im Evangelisch-lutherischen Missionswerk in den unterschiedlichsten Zusammenhängen vor, sodass ich bei vielen Veranstaltungen und Projekten involviert bin.

Im Rahmen dieses Referates haben Sie ja auch viel Kontakt zu Kirchengemeinden, bekommen also viel von den Stimmungen mit. Gibt es besondere Einflüsse, denen die Kirche derzeit unterliegt?

Meines Erachtens ist unsere Kirche derzeit sehr mit Selbstverwaltung beschäftigt. Der Blick richtet sich stark nach innen; Reformprozesse und Umstrukturierungen diktieren vielerorts das Tagesgeschäft. Während meiner Tätigkeit als Referentin habe ich die Möglichkeit, auch andere Kirchen auf der Welt kennenzulernen. Oft bekomme ich den Eindruck, dass dort die Frohe Botschaft von Jesus Christus anders im Zentrum steht und die Menschen im tiefen Vertrauen auf Gott handeln. Dass dies auch in unserer Kirche wieder sichtbar wird, würde ich mir wünschen.

Was reizt Sie an der Aufgabe als Pastorin?

An den pastoralen Aufgaben hat mich immer die Vielfalt besonders interessiert. Vom Anfang des Lebens, bei der Taufe bis hin zum Ende, bei der Beerdigung sind wir Pastoren bei den Menschen. Wir begleiten Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen und das finde ich sehr bereichernd. Ein Schwerpunkt war schon immer die ökumenische Arbeit und die Gestaltung von Gottesdiensten. Als Referentin für „Weltweite Spiritualität“, kann ich nun genau diesen beiden Interessen nachgehen. Ich sehe und erlebe, wie Christen in anderen Ländern ihren Glauben leben und kann in der Gottesdienstgestaltung neu denken und vieles ausprobieren.

Warum wurde das Referat „Weltweite Spiritualität“ neu geschaffen. Hat das auch etwas mit Mitgliederschwund in der Kirche zu tun?

Kirchliche Partnergemeinden in aller Welt gibt es schon ziemlich lange, deshalb glaube ich nicht, dass das neue Referat etwas mit weniger werdenden Mitgliedern in der Kirche zu tun hat. Das neue Referat wurde vermutlich eher aus dem Grund geschaffen, um etwas von der spirituellen Vielfalt, die die weltweite Kirche bietet, auch hier in Deutschland wahrzunehmen und zu erleben.

Welchen besonderen Schwerpunkt wollen Sie in ihrem Referat legen?

Grundsätzlich hat mich schon immer ein Bild des Apostels Paulus bewegt. Im Ersten Korintherbrief sagt er: „Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist“. Mit unseren ganz verschiedenen Begabungen und Talenten sind wir Christen auf der ganzen Welt verteilt. Wir sehen unterschiedlich aus, sprechen verschiedene Sprachen und stammen aus etlichen Kulturen. Und doch sind wir alle vereint im Geist Gottes. Für die Erfüllung meiner Aufgaben ist dieser Gedanke grundlegend und deshalb arbeite ich daran, dass die weltweite Verbundenheit der Christen in all meinem Tun immer wieder sichtbar wird. Ich möchte, dass wir alle wieder lernen, dass wir eine große Gemeinschaft sind, die viel verbindet, dass wir voneinander lernen können, und dass es keine Ausgrenzungen geben sollte.

Das Interview führte Iris Messerschmidt.

Info

Zur Person

Pastorin Indra Grasekamp (35),

wurde in Bremen geboren. In der Waldschule Schwanewede machte sie Abitur, studierte an der Kirchlichen Hochschule Bethel (Bielefeld), Universität Bern (Schweiz) und Georg-August-Universität Göttingen. Sie legte das erste und zweite Theologische Examen bei der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover ab. Ihre Vikariatszeit absolvierte sie in den Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Pewsum und Woquard, ein Sondervikariat in der Trinitatisgemeinde Edmonton (Kanada). Die erste Pfarrstelle hatte sie in der Paulusgemeinde Aurich-Kirchdorf. Seit 2018 ist sie Referentin „Weltweite Spiritualität“ beim Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen (Hermannsburg).

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