Meine Woche

Es kribbelt gewaltig in den Händen

Malte Hamsch (28) kehrte zum Handball-Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen zurück. Der Referent einer kaufmännischen Leitung riss sich im September aber erneut das Kreuzband.
13.10.2020, 10:58
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Es kribbelt gewaltig in den Händen

Malte Hansch kehrte nach zwei Jahren wieder zu den "Schwänen" zurück.

Samuel Czerniak

Mittwoch, 7. Oktober: Ich arbeite beim Projekt- und Ingenieursdienstleister Brunel. Als Projektdienstleister sind wir stark von der gesamtwirtschaftlichen Situation abhängig. Mit unserem Geschäft sorgen wir dafür, dass Unternehmen flexibel bleiben, Auftragsspitzen ausgleichen oder sich kurzfristig Know-How und Fachwissen einkaufen können. Wir sind aber auch mit die ersten, die bei einem Konjunktur-Einbruch die Auswirkungen zu spüren bekommen. In der laufenden Corona-Pandemie sind unsere Projektzahlen stark eingebrochen. Wir mussten daher an allen Ecken und Enden versuchen, durch rasches Handeln, den Laden zusammenzuhalten. Bundeshilfen wie die Kurzarbeit für die Zeitarbeit waren und sind eine große Hilfe, um die Auswirkungen der Pandemie einzufangen und zu überbrücken. Mittlerweile läuft das Geschäft aber wieder an. Meine Aufgaben sind eng an unseren Geschäftsführer gekoppelt. Ich wirke bei Projekten aus dem Tagesgeschäft mit, unterstütze Arbeitsgruppen bei der Umsetzung und Einführung von neuen Prozessen, arbeite bei der Erstellung des Jahresabschlusses mit oder bereite das Quartalsmeeting bei unserer holländischen Konzernmutter vor. Nach einem produktiven Arbeitstag bereite ich mir zu Hause noch einen leckeren Eintopf fürs Abendessen und die nächsten Tage auf der Arbeit zu.

Donnerstag, 8. Oktober: Nach der Arbeit geht es mit dem Rad nach Hause und dann zum Training nach Neuenkirchen. Wir sind fünf Spieler, die in Bremen wohnen. Damit nicht jeder jedes Mal fahren muss, haben wir uns zu einer Fahrgemeinschaft zusammengetan. Heute sind allerdings nur unser Kapitän Marco Wilhelms und Torhüter Theo Krüger beim Treffpunkt. Nachdem ich Ende Januar bereits am Kreuzband operiert wurde und die Reha sehr gut verlaufen war, habe ich mir Anfang September erneut das frisch operierte Kreuzband gerissen. Dass ich mich nicht alleine durch die Reha-Übungen kämpfen muss, ist zumindest ein kleiner Trost, für unsere Mannschaft aber eine bittere Pille. Neben mir besteht die Reha-Trainingsgruppe der Langzeitverletzten noch aus Cedric Scharnke, Tizian von Lien und Christian Schwarze. Mit unseren verschiedensten Gebrechen hat unsere Physiotherapeutin Jenna Müller allerhand zu tun. In Absprache mit Jenna versuche ich, die bestehende Muskulatur zu erhalten und nach Möglichkeit sogar noch weiter aufzubauen, um es im Anschluss an die OP etwas leichter zu haben. Während sich meine Mannschaftskameraden in der Halle zunächst mit einer Runde „Flag Football“ aufwärmen und anschließend dem Handball hinterherjagen, absolviere ich zusammen mit unserem angeschlagenen Rechtsaußen Tim Paltinat einen Kraftzirkel. Die Jungs trainieren konzentriert und bereiten sich auf unseren kommenden Punktspielgegner, die SG Achim/Baden, vor. Feinheiten aus dem ersten Spiel werden noch einmal angesprochen und immer wieder korrigiert, bis alles sitzt. Der Fokus liegt auf unseren Angriffskonzeptionen. Und so werden insbesondere die Abläufe unserer Auslösehandlungen und unsere Übergänge im Rückraum wieder und wieder durchlaufen. Unser Trainer Henning Schomann ist zufrieden mit der Einheit. Im Abschlusskreis spürt man auch schon eine erste, leichte Anspannung vor unserem zweiten Saisonspiel.

Freitag, 9. Oktober: Je nach Verkehr schaffe ich es mit dem Rad in unter zehn Minuten von zu Hause ins Büro in der Airport-City. Seit fünfeinhalb Jahren wohne ich in der Neustadt und erledige quasi alle Besorgungen mit dem Rad. Die Parkplatzsituation für Autos gleicht einer Lotterie. Der ÖPNV braucht mir mitunter zu lange, um von A nach B zu kommen. Mit dem Rad bin ich dagegen super flexibel und schnell unterwegs. Meine Wohnung liegt mitten im sogenannten Fahrradquartier. Die Radstraßen hier sind tatsächlich purer Luxus. Leider ist die Situation aber nicht im ganzen Stadtgebiet so rosig. Will man wirklich eine Mobilitätswende forcieren, muss das Radwege-Netz noch mehr und vor allem schneller ausgebaut werden.

Sonnabend, 10. Oktober: Auch wenn ich aktuell selbst nicht spielen kann, freue ich mich auf unser Punktspiel am Abend. Nachdem ich unser erstes Saisonspiel durch einen Kurztrip nach Friedrichstadt verpasst habe, ist das Spiel für mich das erste im altbekannten Dress. Durch das Hygienekonzept der Achimer darf nur der Spieltags-Kader in den Spielertrakt. Die fünf Gästekarten sind uns verletzten Spielern vorbehalten. Die Plätze sind in der ersten Reihe ganz am Ende der Tribüne. Als das Spiel angepfiffen und der Ball durch die Reihen gespielt wird, in der coronabedingt nur mit 130 Zuschauern besetzten Halle Stimmung aufkommt und die ersten Tore fallen, kribbelt es gewaltig in meinen Händen. Wir spielen besser als das Heimteam, können uns aber maximal auf drei bis vier Tore absetzen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass uns das Spiel entgleiten könnte, auch wenn Achim wiederholt auf einen Treffer herankommt oder gar ausgleichen kann. Immer wieder können wir uns aus der Bedrängnis lösen. Spätestens unser Neuzugang Jannis Nowitzki im Tor zieht den Gastgebern mit seinen Paraden nach seiner Einwechslung vollends den Zahn. Wir gewinnen am Ende verdient mit 28:26 und machen uns mit den Punkten drei und vier im Gepäck zurück auf die Heimreise.

Sonntag, 11. Oktober: Nach einem ausgedehnten Frühstück treffe ich mich mit meiner guten Freundin Insa Bohling im Bürgerpark. Wir spazieren ganz entspannt durch den Park und kehren in der Meierei zum Kuchenessen ein. Da ich mich nicht entscheiden kann, welchen Kuchen ich nehmen soll, bestelle ich zwei Stücke. Ich starte am Wochenende eigentlich immer zu einer Radtour oder einem Spaziergang durch die Stadt und probiere mich durch die Cafés. Sind es im Sommer eher Biergärten oder Eiscafés, so darf es bei den kühleren Temperaturen zum Kaffee jetzt auch gerne mal ein Stück Torte mit Sahne sein.

Montag, 12. Oktober: Zur OP-Vorbereitung gehört der Termin zur Vorbesprechung der Narkose beim Anästhesisten. Zwar hatte ich dieses Jahr auch schon eine solche Unterweisung. Aber vor jeder OP muss man erneut auf etwaige Risiken hingewiesen werden. Mit dem Rad komme ich am Feierabendverkehr vorbei schnell in die Vahr zur Praxis Dr. Auerswald & Partner. Auf dem Rückweg husche ich noch schnell beim Supermarkt rein und besorge die Zutaten für mein Abend- und das Mittagessen der nächsten Tage.

Dienstag, 13. Oktober: Es ist ein stressiger Tag. Die Deadlines für das Reporting an unsere Konzernmutter stehen an, die Review-Präsentation muss finalisiert werden. Außerdem müssen wir den anstehenden Umzug unseres Büros vorbereiten. Wir beginnen mit dem Ausmisten der Archive und Aktenschränke. Zusammen mit Antje Hüwel, die das Finanz- und Rechnungswesen bei uns leitet, haben wir einen Plan aufgestellt, welche Akten vernichtet, weiter archiviert oder mit ins neue Gebäude kommen. Nach Feierabend geht’s zum Training. Die Stimmung ist nach dem Sieg gut. Weil am Wochenende kein Spiel ansteht, darf zur Belohnung eine Runde gekickt werden. Ich begebe mich derweil wieder an die Hantelbank und absolviere mein Reha-Programm. KH

Tjark Seidenberg, der Co-Trainer des Fußball-Oberligisten FC Hagen/Uthlede, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Malte Hamsch (28) kehrte nach zwei Jahren bei der HSG Stuhr zurück zum Handball-Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen. Der Referent einer kaufmännischen Leitung riss sich im September erneut das Kreuzband. Er ist ledig, hat keine Kinder und wohnt in der Bremer Neustadt. KH

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