Meine Woche

Die Deko-Kuh im Viereck sorgt für sehr große Unruhe

Nadine Kordts (39) ist Dressurreiterin beim RC General Rosenberg. Die zahnmedizinische Fachangestellte wohnt in Schwanewede und ist bereits seit 29 Jahren Mitglied bei den Rosenbergern.
18.08.2020, 15:48
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
Die Deko-Kuh im Viereck sorgt für sehr große Unruhe

Sonntagabends ist bei Nadine Kordts immer Tatort im Fernsehen angesagt. Das ist ein Ritual schon seit zehn Jahren.

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Mittwoch, 12. August: Bei Rosenberg habe ich angefangen mit dem Voltigieren und bin dann durch den Ausfall des Voltigier-Pferdes zum Reiten gekommen. Damals kaufte meine Oma mir mein Lieblings-Schulpony, die Rappstute Trixi, mit dem meine reiterliche Laufbahn begann. Unser schönster Erfolg in meiner Zeit als Jugendwartin war die Ehrung des Landessportbundes Bremen für herausragende Jugendarbeit. Nach diesem Erfolg konnte ich mein Amt mit gutem Gewissen an Frederike Eger weitergeben. Sie war zuvor schon Jugendsprecherin in unserem Team. Ich habe zwei Reitponys namens Matrix (20 Jahre) und Brouwershaven Black Caviar, genannt Bubi (7). Sie stehen gegenüber dem RC General Rosenberg bei Hermann und Henning Bahr. Es dreht sich bei mir alles ums Pferd. Voller Euphorie vor dem Wochenende beginnt mein Tag bereits um 5.30 Uhr. Wie jeden Morgen geht es erst einmal mit unseren Hunden Urmel und Nala raus. Wir genießen die morgendliche Ruhe im Wald. Dort kann man in dieser Zeit voller Abstandsregeln und Hygienevorschriften einfach mal die Seele baumeln lassen. Mit unseren Hunden besuchen wir auch regelmäßig die Hundeschule Perros del Mundo von Stefanie Plötner in Driftsethe. Ich bin gut gelaunt, da ein erfolgreiches Wochenende hinter uns liegt und ich noch Urlaub habe. Am vergangenen Sonnabend konnten mein Pferd Bubi und ich in Hüttenbusch die Zwei-Sterne-A-Dressur für uns entscheiden und uns zudem in der L-Dressur platzieren. Mein Glück wird komplettiert von einem Zeitungsartikel am 11. August in der NORDDEUTSCHEN, auf den mich meine Freundinnen Annika Meyer und Gina Nickel aufmerksam machen. So etwas macht mich stolz. Um 17 Uhr geht es endlich zu meinen Ponys, die mich schon erwarten. Während Matrix frei hat und sein Futter bekommt, darf Bubi sich noch etwas an der Longe bewegen. Am nächsten Tag steht das Dressur-Training an.

Donnerstag, 13. August: So langsam steigt die Vorfreude. Noch vor ein paar Wochen hätte ich nicht gedacht, dass es in diesem Jahr noch mal aufs Turnier geht und dann auch noch bei uns. Leider ist es nicht das schöne große Sommer-Turnier, das eigentlich immer am letzten August-Wochenende stattfindet. Aber das Dressurturnier ist ein Anfang. Wir haben ein Team gebildet, um das Turnier austragen zu können. Dazu gehören Annika Meyer, Carsten Schröder, Gina-Marie Nickel, Kira Eibs, Claudia Walter, Greta Meenzen, Tanja Schieche, Nadine Gerdes, Mona Meier, Alisa Menzel, Antonia Maaß, Charlotte Schröder und Lara Holst. Die Vorbereitung laufen. Den ganzen Tag wird schon geplant. Die Aufgaben sind auch fest verteilt. Dann muss auch noch trainiert werden, denn ohne Unterricht geht es nicht. Donnerstags habe ich immer Unterricht bei meiner Trainerin Verena Staffa, die für den RV Sankt Jürgen bei Turnieren startet. Bei ihr reite ich schon seit 2011 und ich habe ihr viel zu verdanken.

Freitag, 14. August: Hoch motiviert geht es um 11.30 Uhr zum Stall. Auf dem Programm stehen Turniervorbereitung, Turnierreiten und Viereckaufbau. Das wird ein langer Tag. Da ich heute auch für zwei Dressur-Prüfungen in Langwedel genannt habe, kann ich leider nicht mithelfen, das Viereck aufzubauen. Die Zeiten meiner Prüfungen wurden leider auf den Nachmittag gelegt. Also habe ich meine Sachen zum Aufbau abgegeben und mich auf dem Weg zum Turnier gemacht. Mit den Gedanken bin ich aber bei den Mädels. Gerne hätte ich mitgeholfen. Ich habe sonst immer das Viereck beim großen August-Turnier betreut. In diesem Jahr ist aber eben alles anders. Man kommt auch nicht so in die Saison wie sonst, wie ich finde. Auf dem Turnier beim Reitverein Hagen-Grinden sticht mir gleich die Deko-Kuh im Viereck ins Auge. Gina Nickel hatte mich davor schon gewarnt. Sie ist morgens dort bereits eine Prüfung geritten. Leider findet mein Pony diese Kuh auch sehr gruselig. Somit beenden wir den Auftritt als Trainingsritt. In der zweiten Prüfung läuft es etwas besser. Gina und Annika hatten mir vorher per WhatsApp Mut gemacht. Aber vielleicht bin ich mit den Gedanken auch schon bei unserem morgigen Dressurturnier. Mittlerweile ist es bereits 21 Uhr. Ich räume noch schnell meine Sachen in den Schrank, und wünsche meinen Ponys eine gute Nacht.

Sonnabend, 15. August: Heute startet unser erstes Late-Entry-Dressur-Turnier auf dem Rosenberg. Ich bin sehr aufgeregt, denn zu Hause zu reiten, ist immer etwas Besonderes. Man möchte ja alles gut machen. Auf dem Turnierplatz ist unser Bodenteam bestehend aus Carsten Schröder und Patrick Maaß bereits fleißig am Werk. Ich freue mich sehr darüber, wie gut der Dressurplatz bewässert und gerade gezogen wurde. Henning Bahr war so lieb und hatte uns am Vortag noch Wasser darauf gefahren. So haben wir nun gute Bedingungen. Unser Bodenteam ist echt goldwert. Nadine Gerdes und ich sind auf diesem Turnier für die Hygiene zuständig. Da ich selber auch reite, hatten wir uns im Vorfeld gut abgesprochen, wer was macht. Nun ist es an der Zeit, mein Pony fertig zu machen. Bei meiner erste Prüfung handelt sich um eine Dressurprüfung der Klasse L. Trotz eines kleinen Fehlers meinerseits werden wir mit dem siebten Platz und einer Schleife belohnt. Ich bin wieder mal sehr stolz, denn mein Pony macht das alles super. Die zweite Prüfung ist unsere erste M-Dressur. Auch damit bin ich zufrieden. Jetzt heißt es noch Daumendrücken für meine Vereinskolleginnen. Ich fiebere immer voll mit. Manchmal bin ich sogar aufgeregter, als wenn ich selbst reite. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern sind ein Team nach dem Motto: Einer für alle und alle für einen. Nach der letzten Prüfung bauen wir alles ab. Das ganze Orga-Team ist noch hoch motiviert dabei. Es wird viel gelacht – so endet einer schöner Tag.

Sonntag, 16. August: Noch einmal dreht sich alles ums Turnier. Annika Meyer, Ilka Holsten und ich haben uns für 10 Uhr verabredet. Es muss noch das am Vorabend sauber gemachte Viereck weggestellt werden. Auch das passiert mit viel guter Laune. Danach ist Familie angesagt, denn die kommt bei der ganzen Reiterei oftmals zu kurz. Bei einem ausgiebigen Spaziergang mit den Hunden wird auch über Fußball gesprochen. Wir sind gespannt, wie die nächste Saison mit den neuen Spielern verläuft. Oft waren wir in den vergangenen Jahren im Weserstadion gewesen und haben unserem Lieblingsklub Werder Bremen die Daumen gedrückt. In diesem Jahr ist so viel anders. So schaut man sich die Spiele im Fernsehen an. Trotzdem ist es eine komische Atmosphäre so ganz ohne Zuschauer. Irgendwie befremdlich. Und dann hatte ich mich ja noch auf die Fußball-EM und auf die Olympischen Spiele gefreut. Sonntagabends ist immer Tatort im Fernsehen bei uns angesagt. Das ist ein Ritual schon seit zehn Jahren.

Montag, 17. August: Meine letzte Urlaubwoche beginnt. Trotzdem geht es für ein paar Stunden in die Praxis – es ist eine Schulung angesagt. Darauf habe ich mich schon gefreut, denn ich gehe gerne zur Arbeit. Ich arbeite in der kieferorthopädischen Praxis Dr. Karin Fasmers-Henke in Vegesack. Dort betreuen wir überwiegend Kinder und Jugendliche. Das macht mir riesig Spaß. Es gibt immer genug zu erzählen. Und auch dort ist das Thema Pferd immer ganz oben auf der Liste, denn viele unserer Patienten reiten. Aber auch für andere Themen habe ich stets ein offenes Ohr. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hat mir auch schon als Jugendwartin viel Freude bereitet. Wir sind auf der Arbeit ein tolles Team. Da fährt man selbst im Urlaub gerne mal in die Praxis. Abends geht es dann nochmal zum Rosenberg. Eine Nachbesprechung steht auf dem Plan. Denn nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Unser zweites Dressurturnier am 12. September steht schon in den Startlöchern.

Dienstag, 18. August: Um 10.30 Uhr habe ich mit meinem Pony Bubi einen Termin im Melli´s Reitershop. Dort findet ein Testtag für Trensen und Gebisse statt. Wir haben uns dort angemeldet, weil das Thema interessant ist und ich gerne mal wissen möchte, was es so Neues gibt. Außerdem wird von einem Fachmann das Maul meines Ponys vermessen und die richtige Gebissgröße analysiert. Nachmittags geht es dann mit Matrix und den Hunden in den Wald. Matrix wurde im Jahre 2017 aus dem Turniersport verabschiedet und genießt nun das Rentner-Dasein und die schönen Ausritte. Eigentlich ist der Dienstag aber reitfrei, denn auch der Haushalt will mal gemacht werden.

Daniela Lorenczat, die Volleyballerin der VG Meyenburg/Schwanewede, wird als Nächste über ihre Woche berichten.

Info

Zur Person

Nadine Kordts (39)

ist Dressurreiterin beim RC General Rosenberg. Die zahnmedizinische Fachangestellte wohnt mit ihrem Freund Florian Warnecke in Schwanewede. Kordts ist bereits seit 29 Jahren Mitglied bei den Rosenbergern und war von 2009 bis 2015 deren Jugendwartin.

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