Naturpark Teufelsmoor

Fernes Ziel sorgt früh für Ärger

Die Entwicklung eines Naturparks Teufelsmoor hat im Osterholzer Kreistag viele Befürworter. Umstritten ist, wann der Beteiligungsprozess beginnen soll. Grüne und Linke mahnen zur Eile, SPD und CDU zögern noch.
19.10.2020, 05:00
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Fernes Ziel sorgt früh für Ärger
Von Bernhard Komesker
Fernes Ziel sorgt früh für Ärger

Ziel vieler Ausflügler: das Teufelsmoor im Landkreis Osterholz.

Jürgen Grimm

Landkreis Osterholz. Der Naturpark Teufelsmoor bleibt vorläufig die Idee des gleichnamigen Fördervereins um den früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Arne Börnsen. Politik und Verwaltung erklärten im Kreistag jetzt erneut ihr Wohlwollen für das Projekt; aktiv vorantreiben wolle man es aber erst nach der Kommunalwahl 2021 – sehr zum Verdruss von Bündnis 90/Die Grünen. Die hatten, wie berichtet, zuvor schon im Umweltausschuss vergebens eine aktivere Rolle vom Landkreis gefordert und blitzten damit bei SPD und CDU anschließend jetzt auch im Kreistag ab.

Für die beiden großen Fraktionen erklärten Björn Herrmann (SPD) und Rainer Sekunde (CDU), die Zeit sei noch nicht reif, den Diskussionsprozess zu starten; es sei noch Überzeugungsarbeit nötig, etwa bei den Landwirten oder auch bei den Nachbarkommunen. Genau deswegen, erwiderte Grünen-Sprecherin Dörte Gedat, sei nun eine kompetente und neutrale Moderation durch die Kreisbehörde erforderlich. Gerade weil es Zeit brauchen werde, viele Betroffene zu beteiligen, sei mit der Vertagung einer Auftaktveranstaltung nichts gewonnen, so die Grüne.

Die Weiterentwicklung der Teufelsmoor-Wümmeregion zu einem Naturpark „gehört jetzt dringend auf die politische Agenda“, warb Dörte Gedat. Es brauche „ein Konzept, das lebt und entwickelt werden muss“, bevor der Kommunalwahlkampf die Gespräche überlagern werde. Es gebe noch viele falsche Vorstellungen, so die Grüne. Zwar sei ein Naturpark kein Naturschutzgebiet, es sei aber auch nicht damit getan, nur ein paar Bänke und Schilder aufzustellen. Die Grünen wollten ein Auskommen für Tourismus und Landwirtschaft, aber keinen Freizeitpark.

„Wir möchten uns an den Mindeststandards des Bundesamts für Naturschutz (BfN) orientieren“, sagte Gedat und nannte beispielhaft das Wassermanagement und den Moorschutz. Es gehe schließlich um Ökologie und um nachhaltiges Wirtschaften. Selbst wenn der Naturpark nicht alle Detailziele auf Anhieb erreiche, sollte der Kreis sich nicht mit weniger begnügen.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Björn Herrmann hingegen sind bereits dies schädliche Vorfestlegungen und Maximalforderungen. Die Sozialdemokraten ließen sich zudem nicht nachsagen, auf „eine Art Disneyland im Teufelsmoor“ erpicht zu sein; die Fraktion sei vielmehr längst mit dem Vorstand des Naturpark-Vereins im Gespräch. Auch sei die SPD aufgeschlossen für einen informellen Dialog unter den Fraktionen. „Der Naturpark braucht ein Miteinander und ein Vertrauen aller Akteure untereinander“, sagte Herrmann und spielte damit auf ein belastetes Klima infolge der umstrittenen Sammelverordnung an.

CDU-Fraktionschef Rainer Sekunde, zugleich einer der Stellvertreter von Arne Börnsen im Vorstand des Naturpark-Fördervereins, stieß ins selbe Horn. „Es gibt noch Rahmenbedingungen, die vor einem Signalbeschluss besprochen werden müssen – im Verein und auch unter den Fraktionen.“ Sekunde sagte, auch er wolle einen Dialog, in den sich jeder Interessierte einbringen könne und solle.

Reinhard Seekamp von der Linkspartei folgerte, damit spreche inhaltlich also gar nichts gegen die Grünen-Initiative. „Sie wollen nur deshalb nicht zustimmen, weil es ein Antrag der Grünen ist“, argwöhnte Seekamp. Dörte Gedat nickte: „Sie lehnen den jetzt Naturpark ab, obwohl sie ihn später wollen. Das ist doch seltsam.“

Dem widersprachen die Christdemokraten Axel Miesner und Friedrich Humborg mit Nachdruck. Während Humborg sich Belehrungsversuche der Grünen verbat, erklärte Miesner, Gedats Hinweis auf die BfN-Standards sei schädlich und schaffe neue Unsicherheiten. „Ein Naturpark ist kein Naturschutzgebiet und auch kein Konjunkturprogramm für weitere Naturschutzgebiete“, bekräftigte Miesner. Augenscheinlich seien die Grünen nervös, weil das Naturpark-Projekt schon vor Jahren ohne ihre Beteiligung initiiert worden sei, so der CDU-Abgeordnete.

Gedat wies das zurück und hielt den großen Fraktionen vor, sie seien diejenigen, die kostbare Zeit verschenkten. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Landrat Bernd Lütjen schaltete sich ein und versuchte eine Antwort. Er wies darauf hin, die Kreisbehörde sei zurzeit stark damit befasst, die FFH-Gebiete zu sichern und zu entwickeln. Parallel müsse auch das regionale Raumordnungsprogramm neu aufgelegt werden, sodass er anrege, die Naturpark-Diskussion in die Wahlperiode 2021 bis 2026 zu verlegen. Dann werde der Kreis das Projekt gern antreiben und moderieren, so der Landrat. „Wir begrüßen den Plan sehr und unterstützen ihn auch, aber wir können die notwendige Mitarbeit als Verwaltung jetzt nicht gewährleisten, ganz unabhängig von der Kommunalwahl.“

Nicht weiter vertieft wurde damit jetzt die im Grünen-Antrag ebenfalls angesprochene Gebietskulisse, die neben dem Altkreis Bremervörde auch die Wümme mit Bremen und Fischerhude umfassen sollte. Dies könnte bei einer Anerkennung durch das Land noch wichtig werden – wegen des Zusammenhangs hinsichtlich Landschaftsform und Naherholung, Siedlungs- und Kunstgeschichte. Und auch wegen der Größenvorgaben, die der Landkreis Osterholz dann leichter erfüllen kann: Naturparks müssen zu mindestens 40 Prozent ihrer Fläche aus vorhandenen Natur- und Landschaftsschutzgebieten bestehen.

Für den Förderverein „Naturpark Teufelsmoor“ hatte der Vorstand zur räumlichen Abgrenzung unlängst erklärt, Lesum und Knoops Park sowie Bremer Schweiz und Garlstedter Heide wolle man ebenso in die Überlegungen einbeziehen wie Bremervörde/Iselersheim und die Oste bei Selsingen. Auffallend: Der Oberlauf der Wümme hingegen blieb in dieser jüngsten Stellungnahme außen vor.

Arne Börnsen hatte in früheren Jahren zwar zunächst auch im Landkreis Verden für die Naturpark-Idee geworben, an anderer Stelle später aber durchblicken lassen, er halte eine Ausdehnung in den Landkreis Verden für chancenlos. Beobachter glauben, der Grund sei eine alte Männerfeindschaft: Der Verdener Landrat Peter Bohlmann (SPD) hatte Anfang der Neunzigerjahre als Juso-Chef mit dem damaligen Bonner Oppositionspolitiker Börnsen heftigst über Kreuz gelegen; seinerzeit hatte Börnsen im Bund gegen die eigene Parteibasis eine Verschärfung des Asylrechts vertreten und auch durchgesetzt.

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