Waldschule Schwanewede Neubau statt Sanierung

Soll der Aulatrakt der Waldschule Schwanewede saniert werden oder ist ein Neubau sinnvoller? Um diese Frage ging es jüngst im Schulausschuss der Gemeinde.
06.09.2018, 18:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Schwanewede. Sanierung mit oder ohne Veranstaltungszentrum? Um diese Frage dreht sich seit einem Jahr die Diskussion, wie es weitergehen soll mit dem Aulatrakt im ehemaligen Orientierungsstufen-Bereich der Waldschule. Dort gibt es wie berichtet Probleme mit dem Brandschutz. Die Aula darf als Veranstaltungsraum nicht mehr genutzt werden, Klassen- und Fachräume im ersten Stock sind derzeit gesperrt. Nun liegt ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Ein Neubau soll das Raumproblem der Schule lösen. Eine Aula als Veranstaltungszentrum ist darin allerdings nicht vorgesehen.

Bürgermeister Harald Stehnken hat die Idee am Mittwoch im Schulausschuss ins Gespräch gebracht. Eine Begehung des Aulatraktes im Juni hat dem Bürgermeister nach eigenen Worten die Augen geöffnet. "Das ganze Gebäude ist marode und nicht mehr zeitgemäß für einen modernen Unterricht. Da noch Geld für eine Sanierung reinzustecken, lohnt nicht", ist der Bürgermeister überzeugt. Der Neubau soll laut Stehnken vor allem das liefern, was die Waldschule dringend brauche: "Das sind zusätzliche Klassenräume und keine Veranstaltungshalle." Die Schule soll ihre Aula für größere Veranstaltungen durchaus bekommen. Nur nicht sofort und im Neubau, sondern später und an anderer Stelle.

Stehnken versteht seinen Vorschlag als Kompromisslösung zu dem, was bislang auf dem Tisch liegt. Da ist die von der Arbeitsgruppe "Waldschule Veranstaltungszentrum" Ende Mai einstimmig empfohlene Sanierungsvariante 7. Sie sieht einen Umbau im Bestand, Brandschutz-Modernisierung und eine Veranstaltungsaula für 405 Besucher vor. Die SPD-Fraktion hatte zwischenzeitlich eine weitere Lösung ins Spiel gebracht. Danach soll ein Veranstaltungszentrum mit bis zu 500 Plätzen auf dem Gelände der ehemaligen Offiziersheimgesellschaft (OHG) entstehen. Geprüft werden sollte, ob der Raumbedarf der Schule im Aulatrakt gedeckt werden kann, wenn der Bühnensaal entfällt, oder ein Neubau wirtschaftlicher ist.

Der Waldschule wäre ein Neubau, auch ohne Aula, am liebsten. Zwar hat die Schule als Mitglied in der Arbeitsgruppe seinerzeit die Variante 7 unterstützt. Nicht aus echter Überzeugung, wie Schulleiter Eugen Kolodziej im Ausschuss durchblicken ließ. "Nach einem Jahr langen Diskutierens" habe man vielmehr endlich eine Planungsgrundlage haben wollen. "Die Variante 7 ist aber nicht das, was wir brauchen", so Kolodziej.

Die Waldschule nutzt den ehemaligen Gebäudebereich der Orientierungsstufe, zu dem auch der Aulatrakt gehört, für die fünften und sechsten Klassen der Integrierten Eingangsstufe. Im laufenden Schuljahr sind es insgesamt 18 Klassen: zehn in Jahrgang fünf und acht im Jahrgang sechs. Im Gebäudeteil der Integrierten Eingangsstufe gibt es laut Kolodziej aber nur 16 Klassenräume, davon acht im Aulatrakt. Zwei Klassen müssen auf Dauer andernorts in der Waldschule untergebracht werden.

Die aktuellen Brandschutz-Mängel im Aulatrakt haben das Raumproblem noch verschärft. Vier Klassen aus dem gesperrten Obergeschoss werden vorübergehend andernorts unterrichtet. Fachräume in der Waldschule sind dafür nach den Worten des Schulleiters zu Klassenräumen umfunktioniert worden. "Insgesamt fehlen uns im Gebäudebereich der Eingangsstufe derzeit sechs Klassenräume", so Kolodziej. Zum Schuljahr 2019/20 könnte es noch schlimmer kommen. "Dann werden wir im sechsten Jahrgang auf zehn Klassen aufwachsen. Dazu kommen mindestens acht, vielleicht aber auch wieder zehn Klassen im fünften Jahrgang." Bei 20 Klassen würde das laut Kolodziej bedeuten: Statt derzeit zwei würden dann vier Klassenräume im Gebäudeteil der Integrierten Eingangsstufe dauerhaft fehlen.

Von einem Neubau verspricht sich der Schulleiter nicht nur mehr Klassenräume. Der alte Trakt entspricht nach seinen Worten nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Pädagogik. Förderunterricht für derzeit insgesamt 30 Inklusionskinder im fünften und sechsten Jahrgang, eigenverantwortliches Arbeiten von Schülern, Vorbereitung auf Vorträge – das alles erfordere größere Klassenräume, zusätzliche Differenzierungsräume und Sitznischen in Klassenraumnähe für individuelles Lernen. "Jetzt müssen die Schüler auf den Fluren stehen, wenn sie für einen Vortrag üben."

Im Aulatrakt gibt es nach seinen Worten derzeit drei Differenzierungsräume, alle im gesperrten Obergeschoss. Die Variante 7 sieht vier Räume vor. "Das würde nicht reichen", sagt Kolodziej. 20 Klassenräume, zehn Differenzierungsräume, dazu einen Raum für darstellendes Spiel – das wären nach den Worten des Schulleiters die "Minimalanforderungen" für eine räumliche Neugestaltung der Integrierten Eingangsstufe. Auf eine Aula für Einschulungs- und Abiturfeiern, Schulfeste und Theateraufführungen kann die Schule laut Kolodziej nicht verzichten. Wohl aber auf eine Aula im Neubau, wie es der Vorschlag von Harald Stehnken vorsieht. "Wenn wir wissen, dass wir in ein paar Jahren an anderer Stelle etwas richtig Gutes bekommen, sind wir bereit zu warten", meinte die stellvertretende Schulleiterin Almut Stindt im Ausschuss.

Hier gingen die Meinungen über einen Neubau auseinander. Bei der SPD und der Gruppe FDP/Die Linke kam die Idee des Bürgermeisters an. "Variante 7 würden den Bedarf der Waldschule für vier zusätzliche Klassenräume nicht decken", sagte Arnold Neugebohrn (Die Linke). "Wir gehen den vom Bürgermeister vorgeschlagenen Weg mit. Zusätzliche Klassen-, Differenzierungs-und Fachräume für die Waldschule sollten im Vordergrund stehen", meinte der SPD-Fraktionsvorsitzende Björn Herrmann.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ronald Grzeschik hingegen hielt an der Sanierungslösung mit Veranstaltungsraum fest. "Die Variante ist damals auf der Grundlage der Wünsche der Schule erstellt worden." Eine Schrottimmobilie sei das Gebäude auch nicht, der Trakt sei fortwährend an verschiedenen Stellen saniert worden. Für Norbert Lüdtke (Wählergemeinschaft) ist die Sanierungslösung "ein guter Anfang, mit dem der Schule und den Schülern schnell geholfen wird". Spätere Erweiterungen seien damit nicht ausgeschlossen. Weil sich der Ausschuss nicht einig wurde, sollen nun die Fraktionen beraten. Eine interfraktionelle Sitzung und eine Sondersitzung des Schulausschusses werden folgen. Am 25. Oktober soll der Rat das letzte Wort sprechen.

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