HSG Schwanewede/Neuenkirchen

„Nicht die feine englische Art“

Der „Schwäne“-Handball-Oberliga-Spieler Niels Huckschlag äußert sich über die sofortige Beendigung der Trainertätigkeit von Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve.
04.02.2020, 13:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Olaf Kowalzik
„Nicht die feine englische Art“

Niels Huckschlag (HSG Schwanewede/Neuenkirchen, mit Ball) freut sich jetzt schon sehr auf das Oberliga-Auswärtsspiel bei der SG VTB/Altjührden. "Wir müssen aber auch fokussiert bleiben", so Huckschlag.

OLAF KOWALZIK
Herr Huckschlag, Sie sind zusammen mit dem künftigen, spielenden Co-Trainer Torben Lemke Mannschaftsführer des Oberliga-Teams. Hat Sie die Entscheidung ihres Trainerduos überrascht?

Niels Huckschlag: Ja und nein. Dass die beiden zum Saisonende gehen wollten, das hatten sie uns gegenüber vorher kommuniziert. Da haben sie mit offenen Karten gespielt, sodass man ihnen darüber überhaupt nicht böse sein konnte.

Und die Entscheidung, dass beide nun mitten in der Saison gehen wollen?

Die hat uns überrascht. Es ist nicht die feine englische Art, so mittendrin zu gehen. Schließlich befinden wir uns nicht in der Bundesliga, in der man sofort das Team wechseln muss. Außerdem wurden ja schon zwischenzeitlich Gespräche für die neue Saison geführt.

Weshalb hat die Mannschaft dann ihrerseits um eine sofortige Beendigung der Trainertätigkeit von Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve gebeten?

Weil alles andere keinen Sinn gemacht hätte. Denn es wäre schwierig geworden, mit dieser Situation umzugehen. Wie sollen denn gerade die jungen Spieler die Traineransprache vor dem Anpfiff in Altjührden noch ernst nehmen, wenn die Trainer direkt danach zum Gegner wechseln?

Wie eindeutig war das Votum in der Mannschaft für einen sofortigen Wechsel auf der Trainerbank?

Wir waren alle zu 100 Prozent einer Meinung über einen sofortigen Schlussstrich. Das ist leider kein schöner Abschluss, den hätten sich alle Beteiligten anders gewünscht.

Wie kann es sein, dass Ihr Team von der Entscheidung einerseits überrascht war, sich aber andererseits schon vorher eine Meinung über den Zeitpunkt des Abschieds gebildet hatte?

Wir können ja auch alle eins und eins zusammenzählen. Wir waren über die Medien informiert, dass Altjührden per sofort einen Trainer gesucht hat. Und nachdem wir dann noch von einer Extra-Besprechung für den Trainingstag erfuhren, haben Torben (Lemke; Anmerkung der Redaktion) und ich uns vorsorglich jeweils mit je einer Hälfte der Mannschaft unterhalten.

Wie sehen Sie rückblickend die knapp zweieinhalbjährige Amtszeit von Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen?

Sie haben gute Arbeit geleistet und wir haben ihnen viel zu verdanken. Außerdem hatten sie auch zu uns gehalten, als wir in die Verbandsliga abgestiegen waren und haben uns wieder in die Oberliga zurückgeführt. Und wenn jeder wieder runter gekommen ist und etwas Gras über die Sache gewachsen ist, dann werden sich auch alle wieder weiter gut in die Augen schauen können.

Wie beurteilen Sie die Nachfolgelösung mit Henning Schomann auf der Bank?

Henning ist ein sehr guter Trainer. Ich hatte ihn schon früher einmal in der HSG-Jugend und war mit ihm sehr zufrieden.

Brennt die Mannschaft jetzt erst recht auf das nächste Punktspiel bei der SG VTB/Altjührden?

Wir müssen nun erst einmal die Unruhe wegstecken und eine Nacht darüber schlafen. Dann müssen wir uns schnell fangen und auf die Partie vorbereiten. Natürlich sind wir jetzt besonders heiß und besonders motiviert auf das Spiel, wir müssen aber auch fokussiert bleiben. Die beiden Punkte wollen wir wie in jedem Spiel mitnehmen.

Wie lauten denn ab jetzt Ihre Ziele für die Saison?

(lacht) Natürlich alle Spiele gewinnen! Aber im Ernst: Wenn wir als Aufsteiger den aktuellen fünften Platz halten könnten, dann wäre das schon sehr gut.

Das Gespräch führte Olaf Kowalzik.

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Zur Person

Niels Huckschlag (23 Jahre)

ist der Kapitän des Handball-Oberligisten HSG Schwanewede/Neuenkirchen. Der Rechtshänder spielt dort im Rückraum und warf in seinen bisherigen 15 Saisoneinsätzen 45 Tore. Bis auf einen Ausflug zum A-Jugend-Bundesligisten TSV Burgdorf (2015/16) gehörte er stets den „Schwänen“ an.

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Zur Sache

Sofortige Aufgabe der Trainertätigkeit

Der einen Überraschung folgte bei den Oberliga-Handballern der HSG Schwanewede/Neuenkirchen gleich die nächste. Zunächst hatten Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve ihren Spielern am vergangenen Montag nach dem Abendtraining mitgeteilt, dass sie das Team nur noch beim nächsten Auswärtsspiel am 8. Februar in Altjührden coachen wollten. Unmittelbar danach wollten sie als Trainer-Tandem zu genau diesem Ligakonkurrenten wechseln (wir berichteten). Daraufhin bat die Mannschaft die beiden um die sofortige Aufgabe der Trainertätigkeit bei ihnen. „Da die Mannschaft das so wollte, haben wir derem Wunsch natürlich entsprochen“, sagte „Andi“ Szwalkiewicz. Die Sitzung mit dem Team fand ohne den HSG-Vorstand statt, da der sich eine Ablösung erst zum Saisonende gewünscht hatte. Sofortiger Nachfolger auf der HSG-Bank ist der aktuelle Verbandsliga-B-Jugendtrainer Henning Schomann.

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