RC General Rosenberg

Respekt vor S-Springen ist groß

„Ich hätte gerne meinen Titel in diesem Jahr verteidigt“, bedauert Springreiterin Patricia Tröger vom RC General Rosenberg den coronabedingten Ausfall der Bremer Landesmeisterschaften.
28.05.2020, 14:17
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Respekt vor S-Springen ist groß

Patricia Tröger könne sich auf ihre 14-jährige Schimmelstute Luzie in Sachen Zuverlässigkeit meist verlassen.

Christian Kosak

„Ich hätte gerne meinen Titel in diesem Jahr verteidigt“, bedauert Springreiterin Patricia Tröger vom RC General Rosenberg den coronabedingten Ausfall der Bremer Landesmeisterschaften. Die 30-Jährige hatte sich bekanntlich im vergangenen Jahr im Rahmen des heimischen Turniers in Schwanewede auf der kleinen Tour im Springen auf Luzie durchgesetzt und dabei ihre Vereinskollegen Christian Schröder auf Exquisit und Kathrin Göbel auf Casimir auf die weiteren Podestplätze verwiesen.

„Ich bin schon sehr stolz auf unseren Dreifach-Triumph“, betont Tröger. Sie habe aber nicht damit gerechnet, die beiden Klubkameraden in Schach zu halten. „Meine Stute ist schließlich nicht unbedingt die Schnellste. Wenn Christian Schröder und Kathrin Göbel ohne Fehler geblieben wären, dann hätten sie mich vermutlich überholt“, erklärt Patricia Tröger. Dafür könne sie sich auf ihre 14-jährige Schimmelstute in Sachen Zuverlässigkeit meist verlassen.

„Wenn ich keine größeren Fehler mache, macht sie auch keine. Luzie kämpft für mich“, versichert Tröger. Dennoch sei auch ihre Stute manchmal ein wenig zickig. Mit der dunkelbraunen und acht Jahre alten Holsteiner Stute Clarina besitzt Patricia Tröger auch noch ein weiteres Pferd. Beide Vierbeiner befinden sich im Stall von Hermann Bahr in Schwanewede, der direkt gegenüber der Anlage des RC General Rosenberg am Hamfährer Weg liegt. „Dadurch kann ich immer unsere tolle Vereinsanlage mit seinen vielen Plätzen nutzen“, frohlockt die als Personal-Controllerin in der Baubranche tätige Sportlerin.

Ihre Mutter Birgit Tröger brachte sie bereits vor 23 Jahren zum Reitsport. „Meine Mutter und ich haben uns dann ein Freizeitpferd geteilt, als ich neun Jahre alt war“, informiert Patricia Tröger. Birgit Tröger hat mit Avid auch noch immer ein eigenes Pferd, stellt dieses jedoch Rosenbergs Nachwuchs-Reiterin Vanessa Deutschmann zur Verfügung, die als erfolgreiche Sportlerin zum Beispiel auch dem 8,0-Club des Bremer Pferdesportverbandes angehört.

Als Patricia Tröger als Teenager dem RC General Rosenberg beitrat, wurde sie von Jan Stehn trainiert. Es folgten weitere Trainer mit großer Erfahrung und Kompetenz, nachdem sich die Schwanewederin ihr erstes eigenes Pferd gekauft hatte. Einige Jahre hielt sich Patricia Tröger dann im Stall von Katja Driemert auf, die im vergangenen Jahr viel zu früh verstarb. „Bei ihr habe ich das Springreiten erlernt. Wir standen auch bis zum Schluss in Kontakt“, berichtet Tröger.

Vor neun Jahren erwarb Patricia Tröger ihre Schimmelstute Luzie, die sie zusammen mit ihrem Klubkollegen Kristian Göbel in dessen Stall in Eggestedt ausbildete. Mittlerweile wird Tröger von der sehr erfahrenen Springreiterin Dörte Kuhn vom RFV Hambergen gecoacht. Diese kommt einmal wöchentlich in den Stall Bahr. „Mit Clarina fahre ich aber auch noch zusätzlich einmal in der Woche zu ihr in den Stall nach Pennigbüttel oder nach Hambergen“, teilt die Aktive mit.

Patricia Tröger hatte große Pläne für dieses Jahr im Turniersport. „Ich wollte mit Clarina zu den L-Springen wechseln und mit Luzie M-Springen bestreiten“, so Tröger. Mit Luzie hat diese aber im vergangenen Jahr sogar bereits die ersten M-Springen absolviert. Patricia Tröger traut ihrem Paradepferd aber auch durchaus Springen der schwersten Kategorie – also S-Springprüfungen, zu.

„Da hätte ich aber einen zu großen Respekt vor. Die Hindernisse, die über ein M-Springen mit einem Stern hinausgehen, sind mir einfach zu hoch“, räumt die 30-Jährige ein. Deshalb wird Tröger vermutlich auch niemals bei den Bremer Landesmeisterschaften zur großen Tour wechseln, die zum Beispiel ein Kristian Göbel regelmäßig bestreitet.

Durch den Wegfall der ganzen Turniere hat Patricia Tröger nun wie ihre Kollegen aus dem Reitsport plötzlich ganz viel Zeit. „Normalerweise bin ich vom Turnier in Otterndorf im Mai bis Mitte September praktisch an jedem Wochenende unterwegs“, gibt Tröger zu bedenken.

Die freie Zeit nutzt die Sportlerin nun dazu, auszureiten oder mit Freunden zu reiten. „Viel Weggehen kann ich ja in Corona-Zeiten ansonsten nicht. Deshalb treffe ich mich ansonsten nur noch daheim mit ein, zwei Freunden zum Kochen, Grillen oder Filmeschauen“, sagt Tröger. Diese hatte sich schon sehr auf diese Reitsportsaison gefreut. „Meine beiden Pferde sind schließlich gerade so richtig fit“, stellt Patricia Tröger fest. Und vor allem für die 14-jährige Luzie wird es vermutlich nicht mehr allzu viele erfolgreiche Jahre bei Turnieren geben. „Manche Pferde gehen aber auch mit 20 Jahren noch problemlos“, lässt die Controllerin wissen. An Luzie hängt Tröger so sehr, dass sie beabsichtigt, die Stute von einem Hengst decken zu lassen. „Es passt einfach so gut mit uns, dass ich ein Fohlen von Luzie haben möchte“, verrät Patricia Tröger.

Für die Schwanewederin war bereits in ihrer Kindheit schnell klar, dass nur der Springsport für sie in Frage kommt. „Dressur ist mir ein bisschen zu langweilig“, sagt Tröger. Sie liebt die Action beim Springen, auch wenn diese damit verbunden ist, dass Patricia Tröger häufiger mal vom Pferd stürzt. „Ich bin gerade von Clarina öfter mal heruntergefallen. Aber das gehört zu diesem Sport einfach dazu. Zum Glück habe ich mir dabei auch noch nie etwas gebrochen“, so Tröger. Einen Dressurtrainer hat Patricia Tröger aber dennoch mit Rönke Springer-Börger aus Wittstedt.

„Dressur ist auch für uns Springreiter wichtig. Ich nehme in erster Linie im Winter deshalb Dressur-Unterricht“, teilt die 30-Jährige mit. Diese reitet auch während der Corona-Pandemie fast täglich. „Wir erfüllen dabei sowohl im Stall als auch im Verein die coronabedingten Vorgaben“, versichert Patricia Tröger. So solle sich niemand länger als zwei Stunden pro Pferd im Stall aufhalten, um die Anzahl der Personen, die sich gleichzeitig dort befinden, klein zu halten.

„Bei mir ist das aber ohnehin kein großes Problem, da ich immer erst spät abends nach der Arbeit zu meinen Pferden fahre, wenn nicht mehr viele Leute dort sind“, sagt Tröger. Die Anlage des RC General Rosenberg sei auch so weitläufig, dass sich die Reiter hier automatisch aus dem Wege gehen könnten. „Für meinen Verein ist es besonders bitter, dass die ganzen Veranstaltungen und Turniere auf der Anlage nicht stattfinden können. Unsere traumhafte Anlage befindet sich in einem hervorragenden Zustand, weil sich die Leute hier immer so viel Mühe geben“, lobt Tröger die fleißigen Klubkollegen.

Patricia Tröger hat die Hoffnung auf kleinere Late-Entry-Turniere im Sommer und im Herbst, vielleicht auch in Schwanewede, aber noch nicht aufgegeben. „Ich kann mir vorstellen, dass solche Turniere unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen auch von den Behörden genehmigt werden könnten“, gibt Tröger zu bedenken. Von der Austragung von Online-Turnieren, bei denen sich die Reiter daheim bei der Absolvierung eines vergleichbaren Parcours aufnehmen, hält die junge Reiterin indes nicht viel: „Das hat aus meiner Sicht nicht viel mit einem Turnier zu tun.“

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