Meine Woche Eine Runde nur mit Gegenwind

Alexander Zippel coacht als Spielertrainer den FC Hansa Schwanewede II in der 1. Fußball-Kreisklasse Osterholz und hat eine typische Pandemie-Woche erlebt.
23.03.2021, 10:18
Lesedauer: 6 Min
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Von Olaf Schnell

Mittwoch, 17. März: Der Tag beginnt wie jeder andere seit etwa einem Jahr: Ich begebe mich ins Homeoffice und fahre den PC hoch. Eigentlich würde meine Frau Steffy unseren zweieinhalbjährigen Sohn Louis zur Tagesmutter bringen. Doch diese hat sich für heute krank gemeldet, da sie Nebenwirkungen ihrer Corona-Impfung hat. Louis klopft an die Bürotür und holt mich zum Familienfrühstück ab. Wir besprechen den gemeinsamen Tagesablauf. Es fühlt sich an wie Wochenende. Als mein Handy klingelt, werde ich allerdings wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Es ist Mittwoch und nicht Wochenende. Nach Feierabend ruft der Garten. Da wir 2019 in unser selbstgebautes Eigenheim in Schwanewede gezogen sind, stehen hier noch einige Projekte an. Ich verteile den letzten Rest Rindenmulch und begebe mich danach ins Haus, um zu Abend zu essen. Nachdem ich meinen Sohn ins Bett gebracht habe, setze ich mich vor den Fernseher. Es laufen zwei Fußball-Champions-League-Spiele. Der Abend könnte kaum besser sein. Meine Frau sieht das etwas anders und guckt oben lieber das Bachelor-Finale. Ich schaue die Konferenz, um beide Spiele gleichzeitig zu verfolgen. Das Spiel von Bayern München gegen Lazio Rom ist aufgrund des 4:1-Hinspielsieges der Bayern nicht mehr so von Interesse. Im Tor steht überraschend nicht Manuel Neuer, sondern Alexander Nübel, der noch nicht so viele Partien für Bayern, geschweige denn Champions-League-Spiele auf dem Buckel hat. Aber so übel wird es der Nübel am Ende nicht machen. Bayern gewinnt auch 2:1. Das zweite Spiel bestreiten FC Chelsea und Atlético Madrid. Aufgrund Chelseas 1:0-Sieges im Hinspiel ist noch alles möglich. Die Vorbereitung vom 1:0 mit deutscher Beteiligung von Kai Harvertz und Timo Werner kann sich sehen lassen. Als Atlético in der 81. Minute eine Rote Karte bekommt, ist der Drops gelutscht. Chelsea macht den Sack mit dem 2:0 in der vierten Minute der Nachspielzeit zu. Es ist zwar schade, dass keines der beiden Spiele in die Verlängerung geht, aber es hat auch etwas Gutes - so kann ich früher ins Bett gehen.

Donnerstag, 18. März: Heute ist Vizefreitag. Normalerweise würde ich am Abend zum Fußballtraining gehen. Seit Oktober ist dies aber ja leider wegen der Corona-Pandemie nicht mehr möglich. Ich muss sagen, dass mir das Training und die Spiele sowie das Zusammenkommen mit der Mannschaft schon sehr fehlen. Wir haben wirklich eine super Truppe. Und es ist wirklich schade, die Jungs schon so lange nicht mehr gesehen zu haben. Für einen Grund zur Freude beim Wiedersehen wird das neue Aufwärm- und Trainingsoutfit sorgen, das Tobias Nater und Tim Schafranski organisiert haben. Bei diesen möchte ich mich dafür noch einmal herzlich bedanken. Heute ist ein typischer Lockdowntag: Es passiert nicht viel, Arbeit, Garten, Essen. Manchmal ist es wirklich deprimierend, dass man wirklich so gar nichts erleben kann. Mein Sohn würde so gerne einmal wieder in den Zoo gehen. Es ist höchste Eisenbahn, dass es mit dieser Pandemie endlich ein Ende hat.

Freitag, 19. März: Nachdem ich einen sehr stressigen Arbeitstag im Homeoffice hinter mir habe, wird der Tag besser, als ich meinen Sohn von der Tagesmutter abhole und er mir mit strahlenden Augen in die Arme läuft. So kann das Wochenende beginnen! Wochenende ist es noch nicht ganz, da ich im Anschluss zu meiner Schwester Marina nach Farge fahre, um dort die Elektroarbeiten in ihrem Haus zu beenden. In meiner ersten Ausbildung habe ich Elektroinstallateur gelernt. Meine Mutter Angela, die nebenan wohnt, passt so lange auf Louis auf. Nachdem ich die Raumfühler, den Switch im Serverschrank und die letzten Abdeckungen montiert habe, fahren wir wieder nach Hause. Dort treffe ich auf meine Frau, die heute einen Ikea-Ausflug mit ihrer besten Freundin Sabrina Daps gemacht hat - mit Termin natürlich. Die vielen Pakete und Tüten lassen mich nichts Gutes ahnen. Die Zeit am Wochenende ist somit verplant. Aber nicht jetzt - ich gehe erst einmal joggen. Das versuche ich in den letzten Monaten immer mal wieder in den Tagesablauf einzuplanen, da sich das fehlende Fußballtraining zwei Mal die Woche und das Spiel am Wochenende doch langsam bemerkbar macht. Auch der Kauf einer neuen Personenwaage hat das Gewicht leider nicht nach unten korrigiert. Die alte Waage hatte einen für mich noch zu akzeptierenden Wert angezeigt. Am Abend kommt Sabrina zu uns. Sie bringt leckeres Essen und Cocktails von einem Restaurant in Schwanewede mit. Die lokale Gastronomie muss in dieser schweren Zeit schließlich unterstützt werden.

Sonnabend, 20. März: Ich habe das Gefühl, dass der letzte Drink gestern Abend schlecht war. Mein Lieblingscocktail Zombie hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Da merkt man, dass ich schon 34 Jahre alt und nicht mehr 21 bin. Jetzt muss erst einmal eine Kopfschmerztablette her. Ich fahre dann zu meinem Kumpel Bastian Bsdurreck und baue bei ihm einige Steckdosen ein, damit nächste Woche die neue Küche geliefert und eingebaut werden kann. Das Nachmittags-/Abendprogramm steht wieder ganz im Zeichen von Fußball. Leider holt Werder Bremen an diesem Spieltag wieder keinen Sieg. Es war allerdings im Vorfeld klar, dass es gegen die in dieser Saison starken „Golfsburger“ nicht leicht wird. Es fallen an diesem Spieltag viele Tore. Für mich persönlich allerdings ein Tor zu viel für den 1. FC Köln. Das macht meinen Fußballtipp zunichte. Schalke 04 kriegt mal wieder die Hütte voll und verliert gegen die kriselnden Gladbacher 0:3. Der Schalker Abstieg rückt somit zu Recht immer näher.

Sonntag, 21. März: Louis reißt mich um 6.30 Uhr aus dem Schlaf. Doch ich habe Glück, weil meine Frau Stefanie mit Louis aufsteht. Ich kann also noch etwas liegen bleiben. Eigentlich wäre heute Spieltag beim FC Hansa Schwanewede. Nichtsdestotrotz möchte ich mich etwas sportlich betätigen und gehe am Vormittag eine Runde joggen. Nach den ersten Metern würde ich am liebsten sofort wieder umdrehen. Es stürmt wie verrückt. Aber ich ziehe es durch und laufe weiter. Nach jeder Kurve hoffe ich auf Rückenwind. Eigentlich habe ich es nicht für möglich gehalten. Aber es gibt sie doch: die Runde ausschließlich mit Gegenwind. Dennoch entschließe ich mich dazu, die Runde zu verlängern, und laufe einen Schlenker, da ich mich trotz der widrigen Wetterverhältnisse erstaunlich gut fühle. Am Nachmittag folgt die Einkommensteuererklärung. Ich habe erneut Glück, weil meine Frau diesen ungeliebten Part übernimmt, während ich mit Louis in den Garten gehe. Nachdem wir Louis ins Bett gebracht haben, schaue ich mir gemütlich mit meiner Frau auf dem Sofa den Tatort aus Köln an. Man, man, man, sind wir alt geworden.

Montag, 22. März: Ist euer Wochenende auch immer viel zu kurz? Gefühlt war doch gestern erst Freitag. Meine Frau muss mal wieder ins Büro fahren, nachdem sie Louis zur Tagesmutter gebracht hat. Somit bin ich am Vormittag mal ganz alleine zu Hause. Kommt auch nur noch selten vor. Am Nachmittag bekomme ich eine Lieferung Splitt, die ich auf der Fläche um unseren Pool herum verteilen möchte, um anschließend die Terrassenplatten darauf verlegen zu können. Diesen Sommer möchten wir den Pool endlich auch mal nutzen können. Aufgrund der Pandemie hatte sich die Lieferzeit im vergangenen Jahr von drei auf zwölf Wochen verzögert, da die Nachfrage plötzlich so stark angestiegen war. Die Lieferung erfolgte erst im September. Da war mit Schwimmen im Pool natürlich nicht mehr viel. Somit hoffen wir in diesem Jahr auf einen sonnigen und heißen Sommer. Von mir aus dürfte der Sommer auch direkt jetzt beginnen. Das nasskalte Wetter und die vielen Tage, in denen wir das Haus kaum verlassen haben, habe ich langsam satt. Abends Grillen und draußen zu sitzen ist einfach schöner. Vor dem Abendessen gehen wir noch eine Runde spazieren und auf den Spielplatz. Hier ist Louis immer besonders gern. Er ist generell ein Kind, das am liebsten draußen spielt und kaum ins Haus zu bekommen ist.

Dienstag, 23. März: Irgendwie hat niemand die Arbeit über Nacht beendet. Ich mache dort weiter, wo ich am Montag aufgehört habe. Zurzeit hat oder hatte ja fast jeder Kurzarbeit. Mit Corona wurde sowohl bei uns in der Firma als auch beim Arbeitgeber meiner Frau die Kurzarbeit eingeführt. Somit müssen wir den Gürtel seit einiger Zeit etwas enger schnallen. Bei einem neu gebauten Haus und einigen offenen Projekten im Garten ist es auch nicht immer so einfach. Naja, dafür spart man sich in diesem Jahr vermutlich das Geld für eine Urlaubsreise. Hinter unserem Grundstück wurde Ende vergangenen Jahres mit dem letzten Bauabschnitt des Neubaugebietes begonnen. Dabei wurde eigentlich nur die Baustraße inklusive der Versorgungsleitungen errichtet. Wann hier gebaut werden kann, ist zurzeit noch nicht klar, da ein Anwohner gegen diesen Bauabschnitt geklagt hat. Bleibt abzuwarten, wie sich die Situation hier weiter entwickelt. Hoffen wir mal, dass die Straße nicht umsonst gebaut wurde und sich dann im Nachhinein die Frage gestellt wird, wer diese wohl bezahlt. KH

Info

Zur Person

Alexander Zippel (34)

coacht als Spielertrainer den FC Hansa Schwanewede II in der 1. Fußball-Kreisklasse Osterholz. Der Technische Produktdesigner bei Thyssenkrupp Automation Engineering in Farge ist verheiratet mit Stefanie Zippel und hat einen Sohn, Louis (2).

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