Kirche hilft mit Seelsorge per Telefon Einsamkeit ist das größte Problem

Corona macht vor allem ältere Menschen einsam. Andreas Otten, Pastor in Schwanewede und Meyenburg, führt derzeit viele Seelsorge-Gespräche per Telefon.
20.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriela Keller

„Ich habe in meinem Leben noch nie so viel telefoniert wie in diesen Zeiten“, sagt Andreas Otten. In der Pandemie ist das Telefon für den Pastor der Kirchengemeinde St. Johannes in Schwanewede und der Kirchengemeinde St. Luciae in Meyenburg zu einem wichtigen Mittel der Seelsorge geworden. Es sind vor allem ältere Gemeindemitglieder, mit denen der Geistliche auf diesem Weg das Gespräch sucht.

Das Bedürfnis der Senioren zu reden ist groß, stellt Otten fest. Durch die Corona-Kontaktbeschränkungen fällt in den Kirchengemeinden derzeit vieles weg, auch in Schwanewede und Meyenburg. Seniorenkreise, Geburtstagsrunden für ältere Gemeindemitglieder, das Kirchencafé im Küsterhaus Schwanewede nach dem Gottesdienst – das Virus hat das kirchliche Leben in großen Teilen lahmgelegt. „Für viele Senioren sind das wichtige Treffpunkte, die sie vermissen“, weiß Otten, der sich in Schwanewede mit seiner Kollegin Martina Servatius die zwei Pfarrbezirke der Gemeinde teilt.

Hausbesuche der Pastoren sind laut Otten derzeit nur in Ausnahmefällen erlaubt. "Die Auflagen der Landeskirche schreiben vor, direkte Kontakte möglichst zu vermeiden und nicht in die Häuser zu gehen." Die Seelsorge erfolgt vor allem per Telefon." Im Schnitt zehn bis 20 Telefonate führt Andreas Otten nach eigenen Angaben pro Woche. Der Wegfall sozialer Kontakte macht vielen älteren Menschen zu schaffen, stellt er fest. "Einsamkeit ist das größte Problem, gefolgt von der Sorge über die eigene Gesundheit. Viele verlassen kaum noch das Haus, aus Furcht, sich anzustecken. Über diese Ängste möchten sie mit jemandem reden."

Es sind längere Telefonate, die der Pastor in diesen Tagen und Wochen führt. „Das sind keine Zwei-Minuten-Gespräche, das dauert schon mal eine Viertelstunde plus minus.“ Zeit, die sich Otten nimmt. „Der Kontakt selbst ist schon die erste Seelsorge“, sagt er. Für viele sei es tröstend zu wissen, dass „da jemand ist, der an sie denkt, ihnen zuhört und Mut macht“. In der Kirchengemeinde Meyenburg/Aschwarden-Bruch wird deshalb laut Otten auch der Besuchsdienst aufrechterhalten. Zu hohen Geburtstagen oder Ehejubiläen werden die Glückwünsche jetzt allerdings vor der Haustür übermittelt, mit Maske und Abstand.

Klaus Fitzner leitet den Seniorenkreis in der St. Johannes-Gemeinde. Die monatlichen Diskussionsrunden mit bis zu 30 Teilnehmern müssen derzeit ausfallen. „Viele empfinden es als große Einschränkung, dass solche Kontakte nach außen wegbrechen. Das Alleinsein ist für sie das Bedrückendste“, weiß der Pastor im Ruhestand, der mit etlichen Teilnehmern telefonisch Kontakt hält. „Viele erzählen mir, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt, dass sie kaum jemanden zum Reden haben. Manche macht das auch depressiv.“ Auf seinen Rat hin haben sich unter den Senioren inzwischen drei Gruppen gebildet, die sich gegenseitig täglich oder wöchentlich anrufen. „Das ist der Versuch einer Brücke, den Kontakt untereinander zu halten.“ Fitzner leitet auch das Hilfe-Netzwerk Schwanewede, das unter anderem ehrenamtliche Unterstützung für Senioren beim Einkaufen oder im Haushalt anbietet. „Wegen der Pandemie haben wir das vorübergehend eingestellt.“ Leicht sei ihm das nicht gefallen. „Aber wir haben eine Verantwortung gegenüber den Helfern und den Hilfesuchenden, die als ältere Menschen zur Risikogruppe gehören.“

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