Naturschutz Grünland umgepflügt

20 Hektar Grünland sind in Beckedorf nahe der Schönebecker Aue umgepflügt worden. Was der zuständige Landkreis zu dem Verstoß gegen das Naturschutzrecht sagt.
18.05.2022, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

In der Schwaneweder Ortschaft Beckedorf ist im großen Stil Grünland umgepflügt worden. Betroffen ist eine Fläche von rund 20 Hektar. Nach Auffassung von Umweltschützern sowie dem Landkreis Osterholz ist dabei „in erheblichem Umfang“ gegen Wasser- und Naturschutzrecht verstoßen worden. Die Arbeiten am Rande der Schönebecker Aue sind am Wochenende stillgelegt worden.

Der Besitzer des bäuerlichen Anwesens in der Beckedorfer Ortslage Vollershagen hat die gut 20 Hektar große Grünfläche an einen Betrieb des  landwirtschaftlichen Lohnunternehmens Schwartz in Hagen verpachtet. Um finanziell wieder Licht im Tunnel zu sehen, wie es heißt. Das Unternehmen des Hageners firmiert unter dem  Arbeitstitel „Erbringung von landwirtschaftlichen Dienstleistungen für den Pflanzenbau“. Henning Schwartz weist darauf hin, dass sein Biobetrieb nicht grundsätzlich verpflichtet sei, sich Arbeiten wie den Grünlandumbruch behördlicherseits genehmigen zu lassen, wohl aber gewisse Auflagen einzuhalten.

Fläche unterliegt dem Biotopschutz

Für die Verwaltung des Landkreises in Osterholz-Scharmbeck stellt sich die Sachlage allerdings wesentlich dramatischer dar. Auf dem Hof in Beckedorf seien mehr als 20 Hektar Grünland an Standorten umgepflügt worden, wo dies ohne Erlaubnis der Wasser- und Naturschutzbehörde nicht zulässig sei, teilt Pressesprecher Sven Sonström auf Anfrage mit. Darüber hinaus seien Feldhecken auf einer Länge von mehreren hundert Metern und mindestens ein Wiesentümpel sowie der Gewässerrandstreifen an der Schönebecker Aue zerstört worden. Zu den nicht genehmigten Maßnahmen gehören laut Sonström auch ein neues Grabensystem mit Überfahrten und der Gewässerausbau entlang der Aue.

Das mehr als 200.000 Quadratmeter große ehemalige Wiesen- und Weideareal befindet sich vollständig im Schutzgebiet des Blumenthaler Wasserwerks sowie im Überschwemmungsgebiet der Schönebecker Aue und im Landschaftsschutzgebiet „Bremer Schweiz“. Mehrere Teilflächen unterliegen nach Mitteilung des Landkreises zudem dem Biotopschutz. Auch deshalb widerspricht die Kreisverwaltung der Einlassung des Hagener Unternehmers, dass er eine Genehmigung für den Grünlandumbruch nicht habe einholen müssen. Landkreis-Pressesprecher Sven Sonström: „Die Maßnahmen sind ohne die erforderliche Zulassung sowie ohne eine Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung vorgenommen worden.“

Weitere Prüfungen laufen

Als die Nachricht über den vermeintlichen Umweltskandal beim Landkreis eintraf, seien dem Verursacher weitere Arbeiten sofort untersagt worden, heißt es vonseiten des Landkreises Osterholz. Außerdem habe man die Gemeinde Schwanewede in Kenntnis gesetzt und die Polizei gebeten, am Wochenende zu kontrollieren, ob das Stopp für die Umwandlung des Grünlandes in Ackerfläche auch eingehalten werde.

Aktuell, so die Landkreis-Pressestelle weiter, werde nun geprüft, ob auch gegen Vorschriften wie Waldrecht, Agrarrecht sowie sonstige Auflagen des Wasserrechts vorstoßen worden sei. Zudem habe man unter anderem die Landwirtschaftskammer, das Land Bremen als benachbarte Natur- und Wasserschutzbehörde informiert und um eine Stellungnahme gebeten. Und schließlich arbeitet die Landkreis-Verwaltung nach eigenem Bekunden an einer behördlichen Anordnung zur Wiederherstellung des gesamten Bereichs. Soll heißen: Das umgepflügte Areal muss wieder als Grünland hergestellt werden und darf nicht etwa als Ackerland und damit Anbaufläche zum Beispiel für Mais dienen.

Verstoß gegen geltendes Wasserrecht

Die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim bremischen Senatsressort für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, Linda Neddermann, spricht von einem großmaßstäbigen Verstoß insbesondere gegen geltendes Wasser- und Naturschutzrecht.  Über Konsequenzen für den Verursacher entscheide der Landkreis Osterholz.

Gegen die  EU-Agrarreform 2013, die den Erhalt von Dauergrünlandflächen über Auflagen regelt, wird immer wieder mal zu Felde gezogen. Hauptgrund ist der Bedarf an Futtermitteln sowie die Förderung des Anbaus von Energiepflanzen. Umweltschützer fordern dagegen, dass sich die Landwirtschaft stärker für den Erhalt artenreichen Grünlandes einsetzt. Wiesen- und Weidelandschaften besäßen eine hohe Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Unternehmer Henning Schwartz aus Hagen hat nach eigenen Worten vorgehabt, einen Teil des umgepflügten Grünlandes  an der Schönebecker Aue in Blühwiesen zu verwandeln.

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