Vereine Mehr Mitglieder als Einwohner

In Aschwarden, einem Ortsteil der Gemeinde Schwanewede, leben 419 Menschen. Der Heimatverein SV Aschwarden hat mehr zu bieten - nämlich 438 Mitglieder
03.02.2021, 15:47
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

Am 16. November 1963 ist es so weit. Nach intensiven Vorgesprächen gründen einige sportbegeisterte Bürger in der Gaststätte Buggeln den Sportverein Aschwarden und Umgebung. Von einer Fußball-Sparte ist noch nicht die Rede, wenngleich ungefähr zur selben Uhrzeit der FC Santos, Klub des weltbesten Fußballers Pele, gegen den AC Mailand im Maracana-Stadion von Rio zum Entscheidungsspiel um den Interkontinental-Cup antritt und schließlich mit 1:0 gewinnt.

Heute sind die Kicker mit 247 der insgesamt 438 Mitglieder das Aushängeschild des SVA, aus der Taufe gehoben bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung. Die Fußball-Sparte hatte in den Anfangsjahren allerdings mit erheblichen Startschwierigkeiten zu kämpfen, musste doch zunächst auf einer Kuh- und Schweineweide trainiert werden, während die Heimspiele in der 3. Kreisklasse in Meyenburg ausgetragen wurden.

1966 konnte dann der erste eigene Sportplatz auf der von drei Bauern gepachteten Fläche an der „Kleinen Wurth“ in Betrieb genommen werden. Auch viele ehemalige Gegner dürften sich noch gut an die bisweilen zeitaufwendigen Partien beim SV Aschwarden erinnern. Grund: Oft musste der Ball aus den Gräben der benachbarten Rinderweide gefischt werden.

„Er war zu einem Start mit Schwierigkeiten verurteilt“, heißt es in der Chronik des kleinen Vereins im hohen Norden der Gemeinde Schwanewede. Und weiter: „Seine Entwicklung glich bisweilen einem Hindernislauf.“ Verständlich, denn über Erfahrungen, wie ein Sportverein zu führen ist, verfügten die Gründungsmitglieder nicht. Schließlich waren 40 Jahre nach dem ersten und letztlich gescheiterten Versuch ins Land gezogen, im Dorf einen Sportverein zu gründen, um vor allem den Jugendlichen eine Basis für die organisierte sportliche Betätigung zu bieten. Denn schon im Jahre 1923, so heißt es in den Vereins-Annalen, hätten Untersuchungen des Kreiskommunalarztes ergeben, dass sehr viele Kinder in Aschwarden „an körperlicher Verkrümmung litten“.

Deshalb sei das Gemeindehaus der Schule für den Sportunterricht „zur Stählung des Körpers“ zur Verfügung gestellt worden. In dem ein Turnverein wenig später den Jugendlichen nach Ende ihrer Schullaufbahn zweimal wöchentlich Turnabende anbot. Diesen Verein gab es nicht mehr, als Anfang der 1960er Jahre in Aschwarden um eine Neugründung gerungen wurde.

Sie gelang schließlich 1963 unter der Bezeichnung SV Aschwarden und Umgebung. Bereits drei Jahre später konnte der erste Sportplatz eingeweiht werden. Als Umkleidekabine diente ein ausrangierter Omnibus. Und waschen mussten sich die Kicker nach dem Spiel mit kaltem Wasser, das sich in Blechwannen befand – auch in der kalten Jahreszeit im Freien. Ein Provisorium, das 1968 endete, als das Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht wurde. Es bot den Sportlern Umkleide- und Sanitärräume sowie einen Saal, in dem fortan Frauengymnastik und Kinderturnen stattfanden.

Die Mitgliederzahl erhöhte sich nun kontinuierlich. Dafür sorgten ein zweiter Sportplatz, die Erneuerung der Flutlichtanlage, der Bau einer 100-Meter-Bahn sowie nach rund zehnjähriger vereinsinterner Debatte eine eigene Sporthalle. Als der SV Aschwarden 1988 sein 25. Jubiläum feierte, konnte er bereits Fußball, Damen- und Senioren-Gymnastik, Kinder- und Jugendturnen, Eltern--und-Kind-Turnen, Volleyball, Badminton, Fitness und Tennis anbieten. Und schon damals überstieg die Mitgliederzahl deutlich die Zahl der „sportfähigen“ Einwohner Aschwardens. Aktuell übrigens sogar die Zahl aller Aschwardener Bürger. Sie liege bei 419, während der Verein 438 Mitglieder zähle, unterstreicht Medienwart Malte Stegmann. Vereinsvorsitzender Uwe Hotes und mit ihm der gesamte Vorstand haben sich denn auch zum Ziel gesetzt, die 500-Marke zu knacken. Leicht sei das angesichts der geografischen Lage nicht.

Immerhin drängen seit Anfang des neuen Jahrhunderts geburtenstarke Jahrgänge in den Verein. Davon profitierte vor allem die Fußballabteilung, beflügelt durch viele Kinder von langjährigen Vereinsmitgliedern und Aktivisten. Mittlerweile spielen etliche ehemalige Jugendspieler in der ersten Herrenmannschaft, die gegenwärtig mit ihrem Trainer Sven Sohn (35) den sechsten Platz in der Kreisliga Osterholz einnimmt. Der SVA zeichnete sich in den bisherigen sieben Spielen ebenso wie der Tabellendritte SV Lilienthal-Falkenberg mit 27 Treffern als besonders torhungrig aus. In der Saison 2018/19 konnte der SV Aschwarden überdies einen Kreisliga-Rekord aufstellen: Mit 61 Treffern empfahl sich Marc Holler (mittlerweile SV Ahlerstedt/Ottendorf) für ein Engagement beim Oberligisten Hagen/Uthlede.

Insgesamt blickt der SV Aschwarden optimistisch in die Zukunft. Als extrem wichtige Basis für die Mitgliederbindung und -werbung haben sich nach Ansicht des Vorstands um Uwe Hotes gemeinsame Veranstaltungen im Ort wie etwa die Kohlfahrt zusammen mit Feuerwehr und Dorfgemeinschaft, die Rot-Weiße Nacht, das vereinsinterne Fußball-Turnier zwischen Weihnachten und Neujahr, die Sportwoche oder der Klönschnack im Vereinsheim nach der sportlichen Aktivität erwiesen. Dieses Miteinander, das Corona-bedingt gegenwärtig brachliegt, werde beim SV Aschwarden großgeschrieben und mache den Verein aus, formuliert Malte Stegmann.

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