HSG Schwanewede/Neuenkirchen

Szwalkiewicz geht – Schomann kommt

Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve ließen gestern Abend die Katze aus dem Sack. Das Trainer-Gespann informierte seine Oberliga-Handballer darüber, dass es sie am kommenden Wochenende verlassen werde.
04.02.2020, 08:38
Lesedauer: 6 Min
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Von Olaf Kowalzik

Schwanewede. Andreas Szwalkiewicz und Dennis Graeve ließen gestern Abend die Katze aus dem Sack. Das Trainer-Gespann der HSG Schwanewede/Neuenkirchen informierte seine Oberliga-Handballer nach der üblichen Montagseinheit darüber, dass es sie am kommenden Wochenende verlassen werde. Einmal noch werden die beiden bei den „Schwänen“ auf der Bank sitzen, dann schließen sie sich dem Liga-Rivalen SG VTB/Altjührden an.

Ausgerechnet dem Klub, gegen den sie am 8. Februar auch ihren Ausstand auf der Schwaneweder Bank geben werden! Szwalkiewicz und Graeve treten beim Dritten die Nachfolge von Christian Schmalz an, der die Brocken bei den Friesen nach der 25:26-Niederlage gegen den Elsflether TB vor gut zwei Wochen hingeworfen hatte.

Die „Schwäne“ ziehen wiederum als Nachfolger Henning Schomann aus dem Ärmel, der zurzeit die männliche B-Jugend in der Verbandsliga coacht und nun ein Doppel-Engagement annimmt. Er soll von Torben Lemke unterstützt werden, der ihm als spielender Co-Trainer zur Seite steht.

Was den schnellen Wechsel von Szwalkiewicz und Graeve betrifft, schwappt die Welle der Begeisterung beim HSG-Obmann Georg Bringmann und seinen Vorstandskollegen nicht über. „Unser Plan war eine gemeinsame Verabschiedung der beiden zum Saisonende. Die sofortige Freigabe können wir ihnen nicht erteilen, sie ist von uns nicht erwünscht“, betont der „Schwäne“-Frontmann Bringmann. Er steht jedoch mit den Beinen derart fest im Leben, dass ihm bewusst ist, dass ihm auch ein Beharren auf diesen Standpunkt nicht wirklich weiterhilft.

„Selbst wenn wir ein Vertrag miteinander hätten, könnten wir sie nicht zwingen, bei uns weiterzumachen. Da haben wir nur die moralische Handhabe“, erklärt er.

Andreas Szwalkiewicz führt für seinen Wechsel zunächst erst einmal sportliche Gründe ins Feld. „Altjührden strebt in absehbarer Zeit die Rückkehr in die dritte Liga an. Dieser größere Druck reizt mich sehr. Das ist eine Entscheidung für Altjührden und nicht gegen die HSG “, unterstreicht er, der in der „Schwäne“-Jugend groß geworden ist. Die Friesen können für die dritte Liga, wie bis zur Abstiegssaison 2018/2019 gezeigt, einen entsprechenden konkurrenzfähigen Etat auf die Beine stellen.

„Davon können wir nur träumen“, gibt Georg Bringmann zu. Hinzu kommt, dass Altjührden aktuell noch im deutschen Amateurpokal mitmischt; mit der Chance zur Teilnahme am DHB-Pokal. Darüber verliert Andreas Szwalkiewicz jedoch kein Wort. Er sieht es als vorteilhaft an, dass er sich zusammen mit Dennis Graeve beim aktuellen Tabellendritten ausschließlich auf das Training und die Videoauswertungen konzentrieren kann, da ihm das Altjührder Umfeld einige Zusatzaufgaben abnehmen soll. Tätigkeiten wie Sponsoren-Gespräche oder auch organisatorische Fragen, bei denen der scheidende HSG-Coach in seinem Heimatverein offenbar maßgeblich involviert war.

„Gerade als frischer Familienvater bleibt mir da mehr Zeit, zumal ich auf dem Weg nach Schwanewede immer Spieler eingesammelt habe und stets die Fährzeiten beachten musste“, sagt der in Dalsper bei Elsfleth wohnende Coach. Bei gleicher Trainingsbelastung sieht er damit selbst bei den Fahrtzeiten die Vorteile für sich.

Beide Mannschaften im Vorteil

Im strittigen Punkt, dem vorzeitigen Ende, wähnt Andreas Szwalkiewicz beide Mannschaften im Vorteil. „Denn für Altjührden macht es keinen Sinn, noch bis zum Saisonende einen Übergangstrainer zu suchen. Und so können sich die neuen Trainer jeweils frühzeitig mit ihren Teams vorbereiten und besser in die Kaderplanung für die neue Saison einsteigen. Was auch das Probetraining mit potenziellen Neuzugängen wesentlich leichter macht“, zählt Andreas Szwalkiewicz die Vorzüge auf.

Hierbei legt Georg Bringmann sein Veto ein. „Damit wird Altjührdens Problem zu unserem gemacht“, erwidert er. „Und das mit dem Probetraining ließe sich auch so organisieren“, fährt er fort. Immerhin waren die Gespräche sowohl mit den Wechselwilligen als auch mit der SG VTB/Altjührden „respektvoll und in einem vernünftigem Ton verlaufen“, wie Georg Bringmann bestätigt.

Nichtsdestotrotz riss Szwalkiewicz‘ Wechselwunsch beim Aufsteiger eine Baustelle auf, die vorher niemand auch nur annähernd auf dem Plan hatte. „Wir sind mit ihm ja nicht nur sportlich absolut zufrieden“, betont der HSG-Obmann. „Ich hätte mir vorstellen können, auch noch in fünf Jahren mit „Andi“ Szwalkiewicz zusammenzuarbeiten“, fährt er fort. „Letztendlich ist es aus meiner Sicht menschlich sehr schade, da „Andi“ deutlich mehr als nur ein Trainer war “, sagt Georg Bringmann.

Außerdem war die HSG Schwanewede/Neuenkirchen über jeden Schritt des Trainerduos informiert. „“Andi“ hat sich dahingehend fair verhalten und uns alles mitgeteilt, seitdem er die Anfrage aus Altjührden erhielt“, betont Georg Bringmann. Lediglich bezüglich des Zeitpunkts des Wechsels gingen die Meinungen zuletzt auseinander, die quasi mit der Sofortkündigung der Übungsleiter endete.

Bringmann honoriert auch, wie schnell und gut „Andi“ Szwalkiewicz die neun Neuzugänge ins Team integriert hat. „Davor ziehe ich meinen Hut“, plaudert er weiter. Was er nicht sagt, ist, dass es ohne die von Szwalkiewicz‘ Akquirierten möglicherweise sehr schwer geworden wäre, in Schwanewede überhaupt eine oberligafähige Mannschaft auf die Beine zu stellen.

Den HSG-Verantwortlichen blieb während der Bedenkzeit von Szwalkiewicz/Graeve immerhin einiger Spielraum, um im Fall des Falles einen Plan B in der Tasche zu haben. Bringmann geht noch weiter und betitelt diesen angesichts der Qualifikation von Henning Schomann gar als „Plan A plus“. Denn der B-Lizenzinhaber Schomann führte die „Sahneschnitten“ 2010 in die Oberliga, in der er sie bis 2014 coachte. „Jetzt habe ich wieder Lust, mit Schwanewede/Neuenkirchen Oberliga-Handball zu spielen“, freut sich Henning Schomann auf diesen Job. Der drittligaerfahrene Routinier Torben Lemke auf dem Feld soll den B-Lizenzinhaber als Co-Trainer unterstützen.

Kein Qualitätsverlust

„Wir sind über diese Lösung mehr als glücklich und erleiden dadurch keinen Qualitätsverlust“, ist Georg Bringmann überzeugt. Für Henning Schomann ist die Arbeit in vollem Gange, denn er muss extrem viele Gespräche führen, „um die Spieler zu begeistern, zu überzeugen und mitzunehmen.“ Dabei hatte er eigentlich schon zugesagt, in der kommenden Saison stärker in der zweiten Mannschaft einzusteigen, die zurzeit im Abstiegskampf der Landesliga steckt.

„Ich sehe mein Ja zum Oberliga-Team ein Stück weit als Verpflichtung an, damit das von „Andi“ und Dennis Aufgebaute weitergeht“, so der künftige Mann am Steuerruder des HSG-Vorzeigeteams. Parallel dazu wird Henning Schomann aktuell die männliche B-Jugend und in der kommenden Saison die zweite Männermannschaft aktiv begleiten, denn dort möchte er „konzeptionell viel bewegen, um in den nächsten Jahren Spieler für die Erste zu entwickeln“, erklärt er. Der Cheftrainer für das Reserve-Team soll jedoch Niko Wachowiak sein.

Trotz der zusätzlichen Belastung durch die Oberliga plant Schomann, bei der „Reserve“ mindestens einmal beim Training zu sein, möglichst sogar beide Male und bei den Spielen der beiden Teams jeweils auf der Bank zu sitzen. „Ich habe bei der Zweiten ja auch schon vorher zugesagt und Begeisterung für den Weg geschaffen.“ Damit ist Henning Schomann ebenfalls klar, „dass das für meine Familie und mich ein Mammut-Jahr wird!“

In die Bredouille des Abstiegskampfes dürfte er in der Oberliga trotzdem nicht so schnell kommen. Denn sein künftiges Team weist als Aufsteiger 18:12 Punkte auf, der Abstand zu den letzten beiden Direktabstiegsplätzen beträgt zehn (TSG Hatten-Sandkrug) beziehungsweise elf Punkte (Elsflether TB), zum möglichen Relegationsrang (SG Achim/Baden) sind es sieben Zähler. Ein Ruhekissen ist das elf Spieltage vor dem Saisonende jedoch noch nicht, da die bedrohten Teams jüngst kräftig punkteten.

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Zur Sache

Andrej Kunz kehrt zu seinem Heimatverein zurück

Das Gastspiel von Andrej Kunz dauert bei den Oberliga-Handballern der HSG Schwanewede/Neuenkirchen nur ein Jahr: Der Rückraumspieler des aktuellen Tabellenfünften kehrt nach dem Saisonende zu seinem Heimatverein TV Neerstedt zurück. „In Schwanewede hat mir alles gefallen, nur nicht die lange Fahrt dorthin“, erklärt der Mann, der beim jüngsten 33:22-Erfolg der „Schwäne“ gegen den TuS Rotenburg dreimal eingenetzt hatte. Damit bringt er das Hauptübel seines Engagements auch schon direkt auf den Punkt. Denn der Rechtshänder wohnt in Großenkneten, weshalb sich sein Trainingsaufwand laut eigener Rechnung inklusive der An- und Abreise auf vier Stunden je Übungstag beläuft.

„Bei dreimaligem Training die Woche ist das schon ein recht hoher Aufwand“, sagt er. Nun ist es nicht so, als dass er das nicht schon im Vorfeld seiner damaligen Zusage ausgelotet und daher gewusst hätte. „Da sich bei mir beruflich etwas getan hat und ich zurzeit mit meiner Freundin ein Haus baue, hilft mir der Zeitgewinn weiter“, fährt er fort. Sein neuer (alter) Klub, Verbandsligist TV Neerstedt, liegt dagegen quasi um die Ecke. „Dorthin muss ich dann nur zehn Minuten fahren“, sagt der Mann mit der Rückennummer 93, die seinem Geburtsjahr entspricht.

Andrej Kunz soll dem aktuellen Verbandsliga-Achten im Rückraum mehr Alternativen verschaffen, außerdem „kann er mein verlängerter Verein auf dem Spielfeld sein, da bin ich mir ganz sicher“, freut sich der Neerstedter Trainer Andreas Müller.

„Er passt mit seinem Profil genau in die Mannschaft“, ergänzt er. Andrej Kunz fühlt sich ansonsten bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen wohl. „Würde der Verein bei mir in der Nähe sein, wäre ich auf jeden Fall ein Jahr länger geblieben. Es ist ein sehr gut geführter Klub“, schließt er ab.

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