Tennis

Als Zwölfjähriger gegen das Tennis-Internat entschieden

Jetzt strebt Kevin Forster mit den Tennis-Herren des TV Schwanewede den Aufstieg in die Bezirksliga an
20.04.2021, 12:27
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Als Zwölfjähriger gegen das Tennis-Internat entschieden

Kevin Forster

Christian Kosak

Schwanewede. In der Tennisabteilung des TV Schwanewede steht mit Kevin Forster ein Youngster im Fokus, der schon einmal zu den besten Spielern seines Geburtsjahrgangs 2003 in Deutschland und immer noch zu den besten Akteuren dieses Jahrgangs in Niedersachsen gehört. In der bevorstehenden Sommersaison peilt der 17-Jährige mit seinen Teamkollegen den Aufstieg aus der Bezirksliga an.

„Kevin ist unser Eigengewächs und quasi das neue Aushängeschild unserer ersten Herrenmannschaft“, sagt der TVS-Abteilungsleiter Dennis Bokelmann. Der bisherige Spitzenspieler Paul Gröning wird im Sommer Punktspiele für den Bremer TC von 1912 absolvieren. Bereits im Alter von vier Jahren schwang Kevin Forster erstmals den Tennisschläger. Die Trainer Inge Holzfuß und Gerd Weidemann vermittelten dem Talent die Grundlagen. Parallel genoss Forster wenig später auch in Neu Sankt Jürgen und Tarmstedt das Regionstraining bei Frank Bolfraß und Oliver Mutert. „Frank und Olli haben mich für Tennis so richtig begeistert und gefördert“, lobt Forster das Training von „Bollo“ Bolfraß und Mutert.

Im Alter von acht Jahren zählte Forster sogar zu den Top 20 der Rangliste des Deutschen Tennisbundes seines Jahrgangs. Im Jahre 2013 gewann er in einem sechsköpfigen Team die Niedersächsische Jüngstenmeisterschaft. In den Ferien verbesserte er seine Technik und Kondition in Tenniscamps in Deutschland und jeweils Ostern auf Mallorca oder in der Türkei. Eine Begegnung auf Mallorca in der Tennisakademie mit Rafael Nadal und seinem Onkel Toni, dem erfolgreichsten Spieler-Trainer-Duo, blieb ihm dabei immer in Erinnerung. Ein Highlight in Bremen war ein Trainerlehrgang beim Bundesjugendtrainer, bei dem er vor größerem Publikum Tennisübungen vorführen durfte. Wochenende für Wochenende nahm Forster in seiner Jugendzeit an nationalen Turnieren in ganz Deutschland teil. Die immerhin 70 Pokale bekommt er seinem Jugendzimmer kaum unter.

„Ich habe fünfmal in der Woche trainiert und am Wochenende Turniere bestritten„, erzählt Forster. “Wir waren an den Wochenenden fast nie zu Hause, sondern auf Tennisturnieren“, ergänzt Mutter Britta, die ihren Sohn auch stets zum Regionstraining und später zum Leistungskader-Training nach Bremen brachte. Britta Forster spielte gelegentlich im Urlaub Tennis, Vater Thomas probierte den Sport auch mal als 15-Jähriger aus. „Man kann somit nicht gerade behaupten, dass Kevin der Tennissport in die Wiege gelegt worden ist“, urteilt Thomas Forster. Kevin Forster testete einige Sportarten wie auch Fußball und Volleyball. „Aber kein Sport hat mir so gelegen wie Tennis. Hierfür habe ich einfach am meisten Talent und bekomme auch ziemlich viel Anerkennung. Deshalb bin ich auch immer beim Tennis geblieben“, sagt der Gymnasiast. Mit zwölf Jahren habe er sich dann entscheiden müssen, ob er an die Tennisbase nach Hannover wechselt. „Ich entschied mich gegen das Tennisinternat und richtete mich schwerpunktmäßig auf die Schule aus“, berichtet der Elftklässler des Gymnasiums an der Loger Straße in Osterholz-Scharmbeck. Der Schüler wechselte zwischendurch in den Leistungskader des Tennisverbandes Nordwest und somit auch in einen Bremer Verein, den Club zur Vahr.

Im Jahre 2019 kehrte er zu seinem Heimatverein TV Schwanewede zurück. Inzwischen steht er dreimal in der Woche auf dem Tennisplatz. Forster bestritt viele Punktspiele und Turniere und rückte innerhalb nur eines Jahres wieder bis zur Leistungsklasse (LK) 15 hoch. Sein nächstes Ziel ist es, eine einstellige LK zu besitzen. „Den Traum von einer Profikarriere habe ich aber bereits mit zwölf Jahren aufgegeben“, untermauert Forster. Jetzt wolle er erst einmal mit dem Herrenteam in der Bezirksliga angreifen. „Wir haben eine gute Mannschaft beisammen. Wenn alle dranbleiben, besitzen wir auch gute Chancen für den Aufstieg“, glaubt Kevin Forster. Gerne hätte er auch weiterhin Paul Gröning im Team gehabt. „Paul wollte aber gerne mit unserem Ex-Coach Anton Stapic weiter trainieren und hat bei Bremen 1912 die Möglichkeit dazu“, zeigt Dennis Bokelmann Verständnis für Grönings Entscheidung.

Im Training hat sich Kevin Forster schon häufiger mit Paul Gröning, aber auch mit dem TVS-Kapitän und der Nummer eins, Nils Cappelmann, duelliert. Ein komplettes Match war aber noch nicht dabei. „Ich weiß auch nicht, ob ich die beiden besiegen würde. Aber eine Chance rechne ich mir auf jeden Fall aus“, so Forster. Am besten kennt der Youngster seinen Teamkollegen Lukas Wagner. Mit ihm „habe ich auch schon in meiner Kindheit und Jugend immer sehr gerne trainiert und viele gemeinsame Turniere gespielt", sagt der angehende Abiturient. 2020 wechselte Forster von der Waldschule in Schwanewede in die Oberstufe zum Gymnasium in Osterholz-Scharmbeck. „Das ist eine tolle Schule, auf der ich neben zwei naturwissenschaftlichen Fächern auch Sport als Leistungskurs wählen konnte“, schwärmt Forster. Tennis wird dort aber nicht angeboten. „Dafür aber Tischtennis und Badminton. Ich tendiere derzeit zu Badminton“, verrät der 17-Jährige. Nach dem Abitur möchte er gerne einen dualen Studiengang in der Informatik absolvieren. Dabei reizt ihn das anspruchsvolle Studium in Kombination mit dem starken Praxisbezug in einem Unternehmen.

Als Ausgleich betreibt Kevin Forster Fitness- und Kraftsport. Er ist aber auch häufig mit seinem Mountainbike und Skateboards unterwegs. „Ich fahre gerne mit Freunden nach Bremen, um in der Überseestadt zu skaten“, erzählt der Aktive. Beim Tennis zählen die Vorhand und der Aufschlag zu seinen großen Stärken. „Meine Vorhand ist schon aggressiver als die Rückhand“, so Forster. Der Aufschlag treibt die Gegner aber nicht etwa wegen einer besonders hohen Geschwindigkeit oft zur Verzweiflung. „Ich bringe einen extremen Drall in den Ball, sodass dieser nach dem Aufprall häufig krass wegspringt oder sich komisch in den Boden bohrt“, sagt Kevin Forster. An der Aufschlagshärte könne er angesichts einer Körpergröße von „nur“ 181 Zentimetern aber nur bedingt etwas ändern. „Dazu fehlen mir halt ein paar Zentimeter“, gibt der Sportler zu bedenken. Mit der Rückhand produziert er weniger Gewinnschläge. Er versuchte es zwischendurch mit einer einhändigen Rückhand, kehrte aber schon bald zur beidhändigen Variante zurück.

Seine vier Jahre ältere Schwester Kimberly ist wie Papa Thomas Mitglied im Golfclub Bremer Schweiz. „Wenn ich mir überlege, auf welch hohem Niveau meine Tochter Golf spielt, kann ich gar nicht verstehen, weshalb mein Sohn Kevin so viele Pokale mehr stolz nach Hause gebracht hat. Irgendwie scheint der Tennissport in dieser Hinsicht spendabler zu sein“, scherzt Thomas Forster. Auch sein Sohn Kevin probierte es eine gewisse Zeit mit dem Golfen. „Ich habe mein Handicap auch in nur sehr kurzer Zeit ganz schön heruntergespielt, aber das Tennis ließ mich einfach nicht los“, erklärt Forster. Dieser freut sich schon auf das Training mit dem neuen Coach und ehemaligen Erstligaspieler Ahmad Hamijou „Der wird mich bestimmt wieder weiterbringen, wie alle meine Trainer in den vergangenen 13 Jahren“, ist Forster fest überzeugt.

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