TV Schwanewede

„Es ging um die Zukunftssicherung“

Dennis Bokelmann erklärt, warum eine Tennisschule den Großteil des Trainings beim TV Schwanewede übernommen hat.
19.04.2021, 14:29
Lesedauer: 6 Min
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Von Karsten Hollmann
„Es ging um die Zukunftssicherung“

Der TV Schwanewede um den Tennis-Abteilungsleiter Dennis Bokelmann hat den Großteil seines Trainingsangebotes an eine Tennisschule abgegeben.

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Herr Bokelmann, wie sieht der Trainingsbetrieb in Zeiten des Corona-Lockdowns in Ihrem Verein aus?

Dennis Bokelmann: Es ist momentan alles sehr anstrengend zu organisieren, da nur Einzeltraining möglich ist. So spielt dann aus einer eigentlichen Vierer-Trainingsgruppe jeder nur jeweils alle zwei Wochen eine halbe Stunde. Aber selbst wenn dadurch jeder so oft gegen den Ball wie sonst auch schlägt, ist es natürlich auf Dauer nicht schön, immer alleine zu trainieren.

Weshalb hat der Verein nun eine professionelle Tennisschule für das Training engagiert?

Wir konnten den Trainingsbetrieb nicht mehr mit unseren Trainern bedienen. Deshalb musste sogar schon unser Jugendwart Christian Schulz einspringen. Darum haben wir nun einen Vertrag mit der Tennisschule des ehemaligen ATP-Ranglistenspielers Tim Richter geschlossen und nun zumindest für zwei Jahre Planungssicherheit.

Welche Vorteile resultieren daraus?

Zum einen muss unser Jugendwart nun keinen Trainingsplan mehr für 150 Leute erstellen. Da gab es teilweise schon sehr spezielle Wünsche von Eltern, die ihre Kinder nur zu ganz bestimmten Zeiten trainieren lassen wollten. Jetzt weiß ich auch, weshalb wir alle zwei Jahre einen neuen Jugendwart wählen mussten. Zum anderen wird auch unser Kassenwart entlastet, der nun besser planen kann. Weil die Stundenpreise der Trainer deutlich angestiegen waren, sind uns die Kosten weggelaufen. Dadurch hatten wir bei der Jugend schon ein Minus im fünfstelligen Bereich.

Müssen die Mitglieder denn nun höhere Beiträge verkraften?

Nur in geringem Maße. Das Kindertraining kostet jetzt einen Euro mehr im Monat. Dafür haben wir jetzt aber auch eine bessere Qualität und fairere Preise. Früher haben Spieler aus einer Zweier-Gruppe etwa denselben Preis wie diejenigen aus den Fünfer-Gruppen gezahlt. Außerdem haben manche Trainer in den Sommerferien sechs Wochen Trainingspause gemacht, andere aber nicht. Jetzt gibt es klare Regeln für alle.

Von welchen Angehörigen der Tennisschule werden die Mitglieder denn jetzt trainiert?

Von insgesamt drei Trainern, von denen sogar zwei den B-Trainerschein besitzen. Ahmad Hamijou hat schon im Alter von 16 Jahren in der Bundesliga gespielt und wollte Profi werden. Darek Tomaszewski ist in der 2. Bundesliga für Bremerhaven aufgelaufen und unter anderem Personal-Tennistrainer von Werders Aufsichtsratsvorsitzenden Marco Bode. Dazu kommt Max Müller, der mit seinen 25 Jahren sehr zur Verjüngung unseres Trainerteams beiträgt. Alle sind ein absoluter Glücksgriff für uns. Vorher hatten wir maximal nur Inhaber der C-Lizenz als Trainer.

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Wird von den Trainern auch jemand eine Schwaneweder Mannschaft verstärken?

Ja, Ahmad Hamijou wird als Nummer eins zu unserer Herren-30-Formation in der Verbandsliga stoßen. Zu solchen Spielern kann vor allem unser Nachwuchs aufblicken. Ahmad besitzt die Leistungsklasse zwei und wird bestimmt ein Punktegarant für uns sein. Ich selbst werde es künftig als Nummer zwei dann auch etwas leichter haben.

Was passiert denn mit Ihren bisherigen Trainern?

Inge Holzfuß und Stan Zbonikowski bleiben uns als Trainer erhalten. Oliver Baga-Tilaveridis hat uns hingegen verlassen, weil er nun auch noch einen fünften Trainingstag bei der SG Findorff gibt. Anton Stapic wollte zudem selbstständig bleiben und sich deshalb nicht der Tennisschule von Tim Richter anschließen. Wir konnten ihn nicht zum Bleiben überreden, müssen es aber so akzeptieren. Gerd Weidemann und Winfried Striewski machen dafür auf eigene Rechnung weiter. Die beiden sind bereits über 70 Jahre alt und sollen ihre Gruppen weiter betreuen – auch Nils Cappelmann gibt noch ein paar Stunden.

In welchem Umfang ist die Tennisschule in Ihrem Verein tätig?

Sie deckt 47 Stunden in der Woche ab. Der Vorteil an der Tennisschule ist auch, dass wir das Training auf alle fünf Werktage verteilen können. Vorher konnte bei uns kein Trainer mittwochs und donnerstags Training geben. Deshalb hatten wir an den anderen drei Werktagen teilweise vier Trainer gleichzeitig auf der Anlage. Unsere Tennisschule ist aber bereits komplett ausgebucht. Wir haben schließlich einen enormen Andrang mit mittlerweile 415 Mitgliedern. Vor zwei Jahren hatten wir noch 70 weniger.

Ist es eigentlich schwierig, einen neuen Trainer für seinen Verein zu gewinnen?

Ja, sehr. Wir befanden uns bereits seit längerer Zeit auf der Suche nach einem weiteren Trainer. Da drei unserer bisherigen vier Trainer schon älter als 60 Jahre sind, haben wir uns zudem immer die Frage gestellt, wie lange diese ihrer Tätigkeit noch nachgehen können. Letztendlich ging es um die Zukunftssicherung, die viele Vereine in den kommenden Jahren vor eine Riesenaufgabe stellt. Man braucht heutzutage hauptberufliche Trainer, da viele berufstätige Trainer erst nach 19 Uhr Zeit haben. So kann man aber keine 150 Leute trainieren.

Wie sehen denn ansonsten Ihre Planungen für die Sommersaison aus?

Wir haben 29 Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet. Der Tennisverband Niedersachsen-Bremen hat den Punktspielauftakt wegen der Corona-Pandemie schon mal in weiser Voraussicht von Anfang auf Ende Mai verschoben. Wegen ständig neuer Verordnungen kannst du ansonsten auch nur eine Woche im Voraus planen. Ich hoffe mal darauf, dass im Mai wieder Doppel möglich sein werden, zumal die Corona-Inzidenz im Landkreis Osterholz weiter unter 100 liegt.

Wie optimistisch sind Sie im Hinblick auf die Durchführung der Punktspiele?

Damit wir auch wieder Doppel spielen können, müssten sich zumindest wieder zehn Leute treffen können, wie wir es im vergangenen Jahr hatten. Es kommen ja auch mindestens immer vier Spieler des jeweiligen Gegners dazu. Ich hoffe darauf, dass ein vielleicht jetzt noch einmal kurzzeitig verschärfter Lockdown uns dann Lockerungen bringt. Dies ist draußen auch grundsätzlich realistischer als in der Halle. Im Freien dürfen ja jetzt bereits 20 Kinder unter 14 Jahren gemeinsam trainieren.

Was planen Sie sonst noch?

Wir würden gerne wieder in der letzten Woche in den Sommerferien unser Breitensport-Mixed-Turnier ausrichten, an dem für gewöhnlich 150 Leute teilnehmen. Wir haben aber auch Leistungsklassen-Turniere auf dem Zettel. Zudem möchten wir im September 40 Jahre Tennishalle in irgendeiner Form feiern.

Vermissen Sie Ihre musikalischen Auftritte mit „Kerle Fornia“ und „Wirfürwen“?

Ja, sehr. Wir hatten uns im Februar des vergangenen Jahres noch auf einer kleinen Tour befunden und wurden dann von 100 auf null heruntergebremst. Wir sind dann zwar noch einmal Ende September des Jahres 2020 beim Open Air in Worpswede aufgetreten. Doch es war schon etwas merkwürdig, unter Auflagen vor einem sitzenden Publikum zu spielen.

Wie behelfen Sie sich derzeit?

Ich arbeite gerade mit Daniel Hohorst an einem neuen Album für „Kerle Fornia“ im Studio. Zu zweit ist es in dieser Zeit einfacher. Am 16. April ist unsere neue Single erschienen. Grundsätzlich möchte man aber auch mit einem neuen Album auf Tour gehen. Doch das ist ja derzeit noch ein größeres Trauerspiel als im Sport. Es wird also noch eine ganze Weile dauern, bis wir wieder auftreten können.

Wie sind eigentlich Ihre Hallen-Vereinsmeisterschaften ausgegangen?

Ich habe im Finale Julian Schwabe mit 6:2, 4:6 und 10:5 besiegt. Es war mir aber ein bisschen unangenehm, das Turnier als Vorsitzender zu gewinnen. Wir haben uns zwar unter Ausschluss der Öffentlichkeit selbstständig zu den einzelnen Spielen verabredet, hatten aber an manchen Tagen dennoch bis zu 300 Zuschauer.

Wie geht das?

Man konnte die Spiele live im Internet verfolgen. Unser IT-Experte René Recker hat es uns eingerichtet. Zeitweise waren auch mal 75 Leute gleichzeitig an den Endgeräten. Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich gerade ältere Mitglieder den ganzen Tag über Spiele über ihren Fernseher anschauen würden. Viele hätten sich sogar gewünscht, dass wir anstelle des Match-Tiebreaks im Herren-Finale einen dritten Satz ausspielen. Zwei Kommentatoren haben die Spiele stets mit viel Humor, sehr zur Freude der vielen Zuschauer, begleitet. Wir haben also aus der Not eine Tugend gemacht.

Wie sind Sie ansonsten medial aufgestellt?

Wir sind mittlerweile der stärkste Tennisverein auf Social Media in Bremen und Niedersachsen. Deswegen durften wir auch im Namen des Tennisverbandes die neue Vereins-Challenge ausrufen, für die wir alleine 50.000 Aufrufe verzeichnet haben. Auch unser Tennis-Podcast LK Drölf erfreut sich einer großen Beliebtheit. Wenn man schon nicht in einer Gruppe zusammenkommen darf, kann man wenigstens so das Gemeinschaftsgefühl stärken.

Was macht Ihren Verein sonst noch aus?

Ich habe vorher Punktspiele für den TC Falkenberg absolviert. Aber obwohl wir da sogar in der Herren-30-Oberliga gespielt haben, hat es so gut wie niemanden interessiert. In Schwanewede habe ich dagegen mit 50 Leuten bis tief in die Nacht den Aufstieg in die Verbandsliga bei den Herren 30 gefeiert. Das ist es, was das Vereinsleben ausmacht. Wir haben auch eine solch schöne Anlage im Grünen mit viel Ruhe. Hier können wir auch mal ungestört die Musik ein wenig aufdrehen und gemütlich grillen.

Das Interview führte Karsten Hollmann.

Info

Zur Person

Dennis Bokelmann (37)

übernahm im März des vergangenen Jahres den Vorsitz in der Tennissparte des TV Schwanewede mit ihren 415 Mitgliedern. Der Vertriebsmanager eines Energie- und Telekommunikationsunternehmens war vorher als zweiter Sportwart tätig und gehört dem Vorstand der Abteilung bereits seit 15 Jahren an. Mit den Herren 30 schaffte er auf dem Feld und in der Halle den Aufstieg in die Verbandsliga. Dennis Bokelmann baute im Jahre 2017 ein Haus in Schwanewede, das sich nur zwei Straßen von der Tennisanlage entfernt befindet. Dort lebt er mit Lena Janßen und den Zwillingen Ida und Ella Bokelmann (4). Bokelmann ist Schlagzeuger des Musiker-Duos „Kerle Fornia“ sowie der Indie-Rock-Gruppe „Wirfürwen“, die auch schon beim Deichbrand-Festival aufgetreten ist.

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