Nach Überfall in Schwanewede

34-Jähriger muss ins Gefängnis

Wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung ist ein 34-Jähriger am Mittwoch vom Landgericht Verden zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.
16.04.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann
34-Jähriger muss ins Gefängnis

Die Strafkammer verhängte nicht nur eine Haftstrafe, sondern ordnete auch gleichzeitig die Unterbringung des Mannes in einer Entzugsklinik an.

Arne Dedert/DPA

Verden/Schwanewede. Wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung ist ein 34-Jähriger am Mittwoch vom Landgericht Verden zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Er war ein Mitglied des Duos, das einem 77-jährigen Juwelier am 14. Februar vergangenen Jahres zu Hause in Schwanewede einen üblen Empfang bereitet hatte. Wer sein Komplize bei dem Überfall gewesen ist, wollte der einschlägig vorbestrafte Angeklagte im Prozess partout nicht preisgeben. Von der Beute, rund 3800 Euro Bargeld, habe er keinen Cent bekommen.

Dafür wird der Bremerhavener nun aber wenigstens bekommen, was er angeblich dringend braucht, „um im Leben irgendwie mal Fuß fassen“ zu können: Hilfe bei der Bewältigung seines Drogenproblems. Welches Ausmaß dieses hat, ließ sich zwar nicht gänzlich klären. Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts verhängte jedoch nicht nur eine Haftstrafe, sondern ordnete auch gleichzeitig die Unterbringung des Mannes in einer Entzugsklinik an.

Damit entsprach sie – „trotz Bedenken“ – dem vehementen Antrag des Verteidigers. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte die Voraussetzungen für den Maßregelvollzug als nicht gegeben angesehen.

In seiner weitgehend geständigen Einlassung am ersten Verhandlungstag war es dem Angeklagten wichtig gewesen, mehrfach auf seinen immensen Kokain- und auch Heroinkonsum hinzuweisen. Dafür habe er damals zunehmend Geld benötigt und sei daher auch, als die Schulden schon arg drückten, auf das Angebot „dieser Person“ eingegangen, „leicht Geld zu verdienen“. Um was es dabei genau gehen sollte, habe er erst während der Fahrt von der Seestadt nach Schwanewede erfahren. Das Gericht nahm dem Mann ab, dass er nicht wusste, dass er am Steuer eines gestohlenen Wagens saß und vorwiegend nach den Anweisungen des Unbekannten handelte.

Einige Verabredungen mit dem offenbar ortskundigen Drahtzieher des Überfalls dürfte der Angeklagte aber zumindest während der Anfahrt getroffen haben. Es sei vereinbart gewesen, dass er auf dem Nachbargrundstück, im Gebüsch versteckt, Schmiere stehe, so der 34-Jährige. Dass er bei der Tat aktiv mitwirken solle, sei nicht geplant gewesen. Es sollte anders kommen, und überhaupt hatte die ganze Angelegenheit nicht annähernd den erhofften Erfolg – dafür sorgte schon das Überfallopfer.

Am Abend des Valentinstages war der Juwelier gegen 20 Uhr vor seinem Wohnhaus in Schwanewede eingetroffen, hatte sein Auto in die Garage gefahren und wie immer das Flutlicht eingeschaltet. Wie es seine Gewohnheit war, hatte der 77-jährige Goldschmiedemeister dabei auch einen Alarmknopf in der Hand. Als er gerade die Eingangstür aufschließen wollte, so hatte er es in seiner Zeugenaussage geschildert, „standen die auf einmal hinter mir, haben mich ins Haus und mit dem Rücken an eine Wand gedrängt“. Man werde ihm nichts tun, habe der größere der beiden mit schwarzen Sturmhauben maskierten Männer gesagt. Der kleinere – der sich jetzt in Verden vor dem Gericht verantworten musste – habe ihn nach dem Standort des Tresors gefragt.

Den Hausherrn mit Kabelbindern zu fesseln, erwies sich als schwieriges Unterfangen. Dem Opfer gelang es zudem, mit dem in der Hand gehaltenen Transponder die Alarmanlage auszulösen. Dies brachte ihm umgehend einen Faustschlag ins Gesicht ein, führte aber auch dazu, dass die beiden Räuber flüchteten. Dabei hatte der Angeklagte die Tasche im Griff, die er dem Juwelier abgenommen hatte – mit 3800 Euro in bar, Schlüsseln für die Safes im Laden und einem Handy. Der 77-Jährige, der schon zwei bewaffnete Raubüberfalle in seinem Geschäft hinter sich hatte, beklagte unterm Strich einen Schaden von rund 12 000 Euro, aber keine nennenswerten körperlichen und psychischen Folgen des häuslichen Überfalls.

Die Täter waren nicht weit gekommen. Das Fluchtfahrzeug setzte der Angeklagte nach nur zwei Kilometern gegen einen Straßenbaum. Die Männer schlugen getrennte Wege ein. Der unbekannte Täter soll die Tasche mitgenommen haben; sie war später in der Nähe des Unfallorts gefunden worden – leer. Der 34-Jährige hat nach eigenen Angaben ein Fahrrad gestohlen, um etwas flotter zurück nach Bremerhaven zu gelangen. Zur Tatzeit stand er unter laufender Bewährung. Er war gerade zwei Monate zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden.

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