Volle Fahrzeuge

Schulbusverkehr wird verstärkt

Nach der Kritik an zu vollen Schulbussen in Corona-Zeiten will der Landkreis Osterholz nun punktuell zusätzliche Fahrten anbieten.
21.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bernhard Komesker und Antje Borstelmann
Schulbusverkehr wird verstärkt

Volle Schulbusse machen vielen Eltern zurzeit Sorgen.

Andreas Arnold/dpa

Landkreise Osterholz. Wegen überfüllter Schulbusse in Corona-Zeiten üben Eltern, Schüler und auch Lehrer seit Wochen Kritik. Zwar gilt in Bus und Bahn Maskenpflicht, weil die Abstandsregel nicht umsetzbar ist; doch viele Erziehungsberechtigte sehen erhöhte Infektionsrisiken – trotz amtlicher Beteuerungen, wonach keine höhere Ansteckungsgefahr bestehe. Jetzt drängte Jürgen Stegmann, Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Osterholzer Kreistages, auf den Einsatz von Verstärkerbussen, um die Lage zu entzerren. Er verstehe nicht, dass ein Bus in Schwanewede zwei Schulen ansteuere, von denen sich eine nach einem Infektionsfall im Szenario B befinde.

Gesundheitsdezernentin Heike Schumacher verwies auf die Rechtslage und Risikostudien, die auch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) angeführt werden. VDV-Geschäftsführer Oliver Wolff erklärte am Dienstag: „Die Maskenpflicht, das permanente Lüften durch Türöffnungen und Klimaanlagen, die relativ kurzen Aufenthaltszeiten in den Fahrzeugen und die Tatsache, dass die Fahrgäste wenig sprechen, tragen dazu bei, dass im ÖPNV ein sehr geringes Risiko besteht, sich zu infizieren.“ Heike Schumacher setzte hinzu, gerade wenn eine Schule neu im Szenario B sei, seien die Kontakte weitestmöglich abgeklärt und die Schülerzahlen halbiert. „Dann ist es sogar besonders sicher“, sagte Schumacher.

Unabhängig von etwaigen Bedenken haben das Land Niedersachsen und der Landkreis osterholz bereits reagiert. Die Landesregierung kündigte in der vergangenen Woche an, sie werde in diesem Winter zusätzlich 30 Millionen Euro für Extra-Busse und einen besseren Infektionsschutz an Bord zur Verfügung stellen. Sollten Fahrzeuge und Personal fehlen, müssten nach Ansicht des SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Lottke auch kreative Lösungen her: durch Nutzung freier Kapazitäten der Bustouristik-Branche oder durch einen landesweiten Fahrzeugpool.

Während in Bremen erste Überlegungen dazu aufgenommen wurden, hatte sich der Osterholzer Verkehrsdezernent Dominik Vinbruck schon früh skeptisch gezeigt, was den Einsatz von Reisebussen angeht. Auch einige Hansestädter hatten wegen fehlender Tickettechnik und Barrierefreiheit Zweifel angemeldet. Die BSAG fand schließlich doch einige Lösungen zur Taktverdichtung.

Auf Nachfrage bekräftigte die Osterholzer Verwaltung am Donnerstag, sie prüfe die Lage regelmäßig neu, aber der Öffentliche Personennahverkehr gehöre nicht zu den Infektionsherden und Corona-Hotspots. „Es ist weiterhin so, dass alle am Markt verfügbaren Kapazitäten – auch unter Einbeziehung von Reisebussen – nicht im Ansatz ausreichen, um bei der Schülerbeförderung einen Abstand von 1,5 Metern zu ermöglichen.“ Dennoch wolle der Landkreis die vorhandenen Möglichkeiten nutzen, auch wenn diese nur sehr punktuell und auf den besonders stark genutzten Linien wirken könnten.

Die Verwaltung habe den ZVBN damit beauftragt, bei den Busbetrieben – auch unter Nutzung verfügbarer Reisebusse – sogenannte Verstärkerleistungen morgens und mittags zu bestellen. Wie in den Nachbarlandkreisen handele es sich wegen der am Markt verfügbaren Kapazitäten lediglich um „Verstärkungen im einstelligen Prozentbereich“. Zuletzt hatte der Landkreis Osterholz auf der Linie 668 nach den Herbstferien eine zusätzliche Fahrt vor Schulbeginn in Lilienthal und Grasberg einrichten können. Weitere Fahrten sollen kurzfristig folgen; Genaueres lasse sich Anfang kommender Woche sagen.

Im Landkreis Cuxhaven werden seit Montag elf zusätzliche Busse auf stark frequentierten Linien eingesetzt. Rund 150 000 Euro lässt sich der Kreis Cuxhaven das bis zu den Weihnachtsferien kosten. Ziel sei es, die wegen der Pandemie „teilweise angespannte Situation“ in der Schülerbeförderung zu entzerren, heißt es. So habe man mit den Linienbetreibern des ÖPNV den Einsatz von Verstärkerbussen vereinbart, auch wenn es nicht einfach gewesen sei, zusätzliche Busse sowie Fahrer zu gewinnen. Im Januar solle die Lage erneut bewertet werden.

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