Coronavirus in Schwanewede „Wir sind vorbereitet“

Zwei Bürger der Gemeinde sind nach einem Italien-Urlaub positiv getestet worden. Jetzt ist weiterer Fall gemeldet worden. Die Gemeinde sieht keinen Grund zur Panik. „Wir sind vorbereitet“, heißt es.
12.03.2020, 10:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

In der Gemeinde Schwanewede gibt es die ersten bestätigten Corona-Infizierten. Nach Angaben des Landkreises Osterholz handelt es sich bei zweien um Einwohner der Gemeinde, die sich vor Kurzem in einem Risikogebiet aufhielten. Laut Kreissprecherin Jana Lindemann waren sie von einem Urlaub in Italien zurückgekehrt.

„Schon auf der Rückfahrt haben sie Symptome bemerkt und sich bei ihrer Ankunft direkt in häusliche Quarantäne gegeben. Von dort haben sie ihren Hausarzt telefonisch kontaktiert.“ Die beiden Patienten haben sich laut Lindemann damit vorbildlich verhalten, weitere Kontaktpersonen müssten im vorliegenden Fall nicht ermittelt werden. Inzwischen gibt es einen dritten Fall in Schwanewede.

„Wer den Verdacht hat, am Coronavirus erkrankt zu sein, sollte sich telefonisch an seinen Hausarzt wenden. Unbedingt vermieden werden sollte ein direktes Erscheinen beim Hausarzt ohne vorherige Anmeldung“, so die Kreissprecherin. Erkrankte, die medizinische Versorgung benötigten, würden in ein Krankenhaus gebracht und dort isoliert behandelt.

„Personen in häuslicher Quarantäne brauchen in der Regel keine medizinische Versorgung. In erster Linie ist hier der Hausarzt Ansprechpartner. Das Gesundheitsamt begleitet bedarfsorientiert die Quarantäne durch regelmäßige telefonische Kontaktaufnahme, erkundigt sich nach Gesundheitszustand und Symptomen.“ Die Quarantäne dauere in der Regel 14 Tage. „Personen, die nachweislich an dem Coronavirus erkrankt sind, müssen zwei Tage symptomfrei sein und zwei negative Tests vorweisen. Erst dann hebt das Gesundheitsamt die Quarantäne auf.“

Bei begründeten Verdachtsfällen und bei einem positiven Coronavirus-Test erfrage das Gesundheitsamt mögliche Kontaktpersonen, die ebenfalls in häusliche Quarantäne gebracht würden. „Zeigen sich während dieser Zeit Symptome, wird ein entsprechender Test durchgeführt. Personen, die keine Symptome entwickeln, können in der Regel nach Ablauf der 14-tägigen Quarantäne wieder das Haus verlassen.“ Wichtig sei in beiden Fällen, die Regeln zur häuslichen Hygiene einzuhalten.

Die Gemeinde Schwanewede verfolgt nach den Worten des stellvertretenden Bürgermeisters Jens Bunk aufmerksam die Entwicklung. „Wir schauen uns täglich die Lageberichte der staatlichen Stellen an und beobachten die Situation in unseren Einrichtungen, vor allen in den Kindergärten und Schulen. Wir stehen in engem Austausch mit den Leitungen.“

Ein Team von fünf Mitarbeitern im Rathaus hält laut Bunk den Kontakt zu den Einrichtungen. Neben Bunk als Leiter des Fachbereichs Personal und Bildung gehören dazu Dieter von Bistram, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, und drei weitere Verwaltungsmitarbeiter aus den Bereichen Kindertagesstätten, Schulen und Personal.

Sollte in einem Kindergarten oder einer Schule ein Verdachtsfall oder eine Infektion auftreten, werde das Team „reagieren, wie es die Situation erfordert“, sagt Jens Bunk. Über die Maßnahmen werde im Einzelfall entschieden. „Für den schlimmsten Fall, die Schließung einer Einrichtung, ist die Gemeinde vorbereitet. Wir wissen, was zu tun ist, und werden die Situation im Griff haben“, erklärt Bunk. Was die Gemeinde konkret unternehmen würde, sagte er auf Nachfrage nicht.

An ihre rund 260 Mitarbeiter habe die Gemeinde Informationen des Kreis-Gesundheitsamtes und des Landes Niedersachsen zum Coronavirus verteilt. Die Kommune selbst habe ein Infoblatt für ihre Beschäftigten herausgegeben. „Alle Mitarbeiter wissen, wie sie sich im Verdachtsfall oder bei einer tatsächlichen Infektion verhalten müssen“, sagt der stellvertretende Bürgermeister.

„Weder im Rathaus noch in den Einrichtungen gibt es Panik. Alle Beteiligten gehen sehr verantwortungsbewusst und gelassen mit der Situation um, ohne sie zu bagatellisieren.“ Das gelte auch für die Eltern. „Alle reagieren sehr vernünftig. Wir erhalten im Rathaus keine Anfragewelle von besorgten Eltern.“ Das Gesundheitsamt des Landkreises Osterholz hat ein Bürgertelefon für Fragen zum Coronavirus eingerichtet. Es ist montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr unter der Telefonnummer 047 91 / 930 29 01 erreichbar.

Für Infizierte in häuslicher Quarantäne stellen sich im Alltag ganz praktische Fragen, etwa die nach der Versorgung mit Lebensmitteln. Die Gemeinde könne dabei nicht helfen, sagt Jens Bunk. „Betroffene müssen das selbst organisieren.“ Ähnlich äußert sich die Sprecherin des Landkreises: „Personen in Quarantäne sind angehalten, sich selbst zu versorgen. In der Regel stehen Verwandte, Freunde oder Bekannte zur Verfügung, sodass dies nicht als Problem gesehen wird“, erklärt dazu Jana Lindemann.

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