Zukunft des Gemeindehauses

Zu groß, zu alt, zu teuer

Die Kirchengemeinde St. Johannes in Schwanewede muss enger zusammenrücken. Nach Ansicht des Vorstands ist das Gemeindehaus überdimensioniert. Im Gepräch: ein Teilabriss und ein Neubau an anderer Stelle.
31.03.2019, 15:32
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller
Zu groß, zu alt, zu teuer

Das Gemeindehaus auf dem sogenannten Heiligen Hügel an der Ostlandstraße ist nach einem Berechnungsschlüssel der Landeskirche Hannover zu groß. Zwei Alternativen hat der Kirchenvorstand den Gemeindemitgliedern jetzt vorgestellt.

Sonja K. Sancken

Die Stuhlreihen im Christophorus-Gemeindehaus der St.-Johannes-Gemeinde sind bis auf den letzten Platz besetzt. An diesem Abend geht es um die Zukunft des Gemeindehauses. Seit gut 59 Jahren steht das Gebäude auf dem sogenannten Heiligen Hügel gegenüber der Heideschule an der Ostlandstraße. Doch die Tage des Hauses könnten gezählt sein. Die Kirchengemeinde muss räumlich enger zusammenrücken. Der Kirchenvorstand hat sich mit Architekt Kai Oevermann vom Kirchenamt in Verden Gedanken gemacht. An diesem Abend erläutern sie den Gemeindemitgliedern, warum ein Neubau eines kleineren Gemeindehauses an anderer Stelle aus ihrer Sicht sinnvoller ist als ein Teilabriss und Umbau des Altgebäudes.

Hintergrund: Seit 2016 gibt es einen Gebäudebedarfsplan für die 16 Gemeinden im Kirchenkreis Osterholz. Pfarrwohnungen und Kirchenhäuser wurden dafür auf den Prüfstand gestellt. Ziel: Räumlichkeiten besser auszulasten, dem heutigen Bedarf anzupassen und Kosten zu senken. Kai Oevermann, beim Kirchenamt für das Gebäudemanagement zuständig, stellt das Problem dar: Das Gemeindehaus in Schwanewede ist zu groß, zu alt und in der Unterhaltung zu teuer. Eine Verordnung der Landeskirche aus dem Jahr 1997 gibt einen Schlüssel für die Größe von Gemeindehäusern vor. Der bemisst sich nach der Zahl der Gemeindemitglieder. Danach ist das 1960 eingeweihte Christophorus-Gemeindehaus laut Oevermann viel zu groß. In Zeiten, als sinkende Mitgliederzahlen in den Kirchengemeinden noch kein Thema waren, wurde oft großzügig gebaut. Auch in Schwanewede. 786 Quadratmeter Fläche stehen im Gemeindehaus zur Verfügung. Nach heutigen Maßstäben zu viel. Oevermann rechnet es vor: Nach dem Schlüssel der Landeskirche muss es für die 4734 Mitglieder der St.-Johannes-Gemeinde ein kleineres Gemeindehaus mit rund 390 Quadratmetern sein.

Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl. Variante eins sieht einen Teilabriss und Umbau des vorhandenen Hauses mit seinen zwei rechtwinklig angeordneten Gebäudetrakten vor. Das Hauptgebäude mit dem Saal bleibt stehen, alles andere kommt weg. Ein Ersatzbau ist für den bisherigen Foyerbereich vorgesehen. Ein Teil der geschätzten Kosten von 600 000 Euro könnte laut Oevermann durch den Verkauf des Grundstücks des ehemaligen Militärpfarrhauses an der Ecke Ostlandstraße/Danziger Straße finanziert werden. Auf eben diesem Grundstück könnte aber auch ein neues, kleineres Gemeindehaus Platz finden, so sieht es Variante zwei vor. Kosten: rund eine Million Euro. Der Heilige Hügel samt Gemeindehaus würden in dem Fall verkauft.

Für Oevermann und den Kirchenvorstand liegen die Vorteile eines Neubaus auf der Hand. Andreas Werner vom Kirchenvorstand listet auf: Alle Nutz- und Nebenflächen liegen barrierefrei auf einer Ebene, das Gebäude würde behinderten- und altersgerecht ausgestattet, entspräche neuesten Brandschutz- und energetischen Anforderungen. Demgegenüber stünden die Nachteile beim Umbau des Altbaus: Nutz- und Nebenflächen im Erdgeschoss und im Keller, hoher Sanierungsaufwand mit ungewissem Ausgang. „Wir haben hier ein Gebäude aus einer Zeit, in der mit kritischen Baumaterialien gearbeitet wurde“, so Oevermann.

Kirchenvorstand und Gebäudemanager werfen noch weitere Gründe für einen Neubau an der Ecke Ostlandstraße/Danziger Straße in die Waagschale. Das rund 6000 Quadratmeter große Grundstück auf dem Heiligen Hügel sei in der Unterhaltung teurer als die 1450 Quadratmeter auf dem Areal des ehemaligen Militärpfarrhauses. Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche können sich beim Neubau die Kosten zu je einem Drittel teilen, einen Umbau des alten Gemeindehauses müssten Gemeinde und Kirchenkreis allein schultern. Von den rund 600 000 Euro müsste der Kirchenkreis 80 Prozent übernehmen.

Superintendentin Jutta Rühlemann sieht ein Problem. „Wir schieben im Kirchenkreis einen Sanierungsstau von mehreren Millionen Euro vor uns her. Für die Unterhaltung aller Gemeinde- und Pfarrhäuser in unseren 16 Kirchengemeinden stehen aber nur 100 000 Euro im Jahr zur Verfügung.“ Und die Kasse wird nicht voller. Im Gegenteil. „Wir leben von Kirchensteuermitteln, und die gehen durch den demografischen Wandel deutlich zurück.“ Für den Neubau des Schwaneweder Gemeindehauses müsste der Kirchenkreis zwar auch noch 330 000 Euro bezahlen. „Die kämen aber aus einem anderen Budget.“

Dass sich die Kirchengemeinde räumlich einschränken muss, dagegen regt sich im Saal kein Widerspruch. Doch zu dem vorgeschlagenen Neubau sind die Meinungen geteilt. Für die einen ist es „die bessere und vernünftigere Lösung“. Andere wollen den Gemeindetreffpunkt auf dem Heiligen Hügel, wenn auch in anderer Form, behalten. Ihre Bedenken: Im Neubau an der Danziger Straße könnte es schwierig werden, alle Angebote unterzubringen, Kinder hätten auf dem Grundstück zu wenig Freifläche. Viele wollen auf den großen Saal im Altbau nicht verzichten. „Es wird in einem kleineren Neubau zu organisatorischen Veränderungen kommen müssen. Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass eine Gruppe einen Raum alleine bespielt“, nimmt Oevermann Stellung. Neben Mehrfachnutzung von Räumen sind für Superintendentin Jutta Rühlemann auch andere Möglichkeiten denkbar. Nicht alles müsse sich im Gemeindehaus abspielen. „Warum nicht für Seniorenarbeit einen Tagesraum in einem Altenheim anmieten oder für eine Chorprobe die Kirche nutzen?“

Aus den Reihen des Publikums wird der Ruf nach mehr Bedenkzeit und nach mehr Informationen laut. Ein Sanierungsmodell für den Altbau, das der Bauausschuss der Kirchengemeinde entwickelt hat, soll vorgestellt werden, inklusive einer Berechnung der Kosten. Außerdem soll der Kirchenvorstand mit der Kommune über Möglichkeiten einer Kooperation verhandeln.

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