Fußball-Landesliga Lüneburg Eindeutiges Votum: Der SV Bornreihe darf nicht absteigen!

Was würde ein Abstieg des SV Bornreihe bedeuten: Mit dieser Frage beschäftigte sich die Redaktion vergangenen Woche und nahm dies zum Anlass, eine Umfrage zu starten - mit klarem Ergebnis.
26.10.2019, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Dennis Schott und Tobias Dohr

Am vergangenen Sonnabend hat sich die Sportredaktion – rein theoretisch und spekulativ – mit der Frage beschäftigt, was ein Abstieg des SV Blau-Weiß Bornreihe aus der Fußball-Landesliga Lüneburg eigentlich bedeuten würde. Für die Spieler, für den Verein, für den Landkreis. Beide Perspektiven wurde dazu näher beleuchtet.

Besonders das Szenario eines eventuellen Abstiegs hat offenbar für mächtig viel Gesprächsstoff auf den hiesigen Fußballplätzen gesorgt. Aus diesem Grund haben wir noch einmal nachgefasst und bei diversen Personen mit mehr oder weniger ausgeprägter Bornreiher Verbindung gefragt, wie sie über die aktuelle Situation der Moorteufel in der Landesliga denken.

So fragten wir zum Beispiel bei den Bornreiher Ex-Spielern Julian Geils, Christoph Müller und Gunnar Schmidt, der nun Team-Manager beim FC Hagen/Uthlede ist, nach. Ebenso haben wir Ralf Müller, den Vorsitzenden des Osterholzer Spielausschusses und langjährigen Besucher in Bornreihe, Burghard Christgau, Sicherheitsbeauftragter und Fan der Blau-Weißen, sowie Ex-Trainer Saša Pinter, der bis zum vergangenen Sommer die sportliche Verantwortung getragen hat, um eine Einschätzung gebeten.

Der Tenor bei allen Befragten ist klar: Ein Abstieg des SV Blau-Weiß Bornreihe käme einer sportlichen Katastrophe gleich.

Sasa Pinter : Ganz ehrlich: Ich verschwende überhaupt keinen Gedanken daran, dass die Mannschaft noch absteigt. Der Verein hat so eine Strahlkraft, so viel Energie, daher bin ich mir sicher, dass man die Klasse hält. Ich habe da ganz großen Glauben an die handelnden Personen, die ich in den eineinhalb Jahren, wo ich da war, kennengelernt habe und sehr schätze. Bornreihe hat schon so viele Krisen mitgemacht, diese wird die Mannschaft auch überstehen. Ich drücke ihr die Daumen! Und bezüglich eines Standortnachteils: Auf diesen Zug springe ich nicht auf, weil es der Verein sonst nicht geschafft hätte, die ganzen Jahre Nummer eins im Landkreis zu sein. Was er hoffentlich auch noch lange bleiben wird.

Ralf Müller: Ich sehe einen eventuellen Abstieg der Bornreiher auch eher negativ. Sie sind nun mal das Aushängeschild hier, und einen Verein sollte der Landkreis schon in der Landesliga haben. Allerdings wird es sportlich immer schwieriger, das scheint ja irgendwie auch ein schleichender Prozess zu sein. Vor zwei Jahren kamen mit Saša Pinter viele Bremer, die sind dann auch alle wieder geschlossen weggegangen. Diese Lücken zu füllen wird immer schwerer. Aber warum sollten ehrgeizige Spieler den langen Weg ins Moor fahren, wenn sie in Hambergen, Pennigbüttel oder Ritterhude auch Bezirksliga spielen können? Und bei der jungen Generation geht es eben auch nicht mehr darum, ob das vielleicht ein Kultverein ist. So ein Argument ist völlig nebensächlich, deshalb wird es der Verein richtig schwer haben, wenn man erst einmal abgestiegen ist.

Gunnar Schmidt: Es ist absolut unvorstellbar, dass der SV Bornreihe in die Bezirksliga absteigt. Die Blau-Weißen gehören in die Landesliga, wie der SV Werder zur Bundesliga. Sie befinden sich aktuell sicherlich in einer schwierigen Phase, aber ich würde den Abstand zu uns gar nicht mal als so groß betrachten, auch wenn das für viele derzeit so wirkt. Der Kader ist doch eigentlich gut genug, um irgendwas zwischen Platz vier und sieben zu erreichen. Ich kenne ja keine Details, aber wenn man mit der Mannschaft dreimal die Woche mit 17 oder 18 Mann trainiert, dann sollte diese Truppe doch definitiv in der Lage sein, in der Landesliga Spiele zu gewinnen. Vielleicht muss aber auch irgendwas Strukturelles im Verein geändert werden.

Christoph Müller: Für mich darf Bornreihe nicht abstiegen, und das werden sie auch nicht. Das war immer der größte Klub im Landkreis, mit der größten Tradition. Ich habe immer noch Kontakt zu einigen Spielern und drücke jedes Wochenende die Daumen. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass die jungen Spieler, die bald nachrücken, automatisch alle bleiben, nur weil der Verein Bezirksliga spielt. Und ein Wiederaufstieg ist nie leicht. Das sieht man ja am TSV Etelsen, die haben es letzte Saison auch nicht sofort wieder geschafft. Und ein großer Verein wie der VSK Osterholz-Scharmbeck kommt auch seit Jahren nicht mehr hoch. Und eigentlich müsste der aktuelle Kader gut genug für einen Platz unter den ersten sechs Teams sein. Aber Fußball ist eben zu 80 Prozent Kopfsache.

Burghard Christgau: Ich bin seit 48 Jahren regelmäßig in Bornreihe dabei, in 56 Jahren hat der Verein nur zwei Jahre in der Bezirksliga gespielt, ansonsten immer mindestens in der Landesliga. Und genau das muss auch der Anspruch sein. Mindestens. Ich kann die Einwände und Szenarien in Sachen Abstieg durchaus im Ansatz nachvollziehen. Die Lebensbedingungen sind heute einfach anders, die Schnelllebigkeit bei den Spielern bringt eben auch große Veränderungen im Vereinsleben mit sich. Früher gab es zudem eine größere Konkurrenzsituation mit den anderen Vereinen, das ist heute auch nicht mehr so ausgeprägt. Ein bisschen kommt der Fußball im Landkreis Osterholz ja momentan generell nicht von der Stelle. Aber Bornreihe in der Bezirksliga? Nein, dann ist man eine Liga über der Kreisliga – das kann einfach nicht der Anspruch sein. Und es gab schon Jahre, da waren wir vom Kader und von der Sponsorensituation deutlich schlechter aufgestellt als jetzt. Platz fünf hatte ich dem Team eigentlich auf jeden Fall zugetraut.

Julian Geils: Für einen Verein wie Bornreihe kann es niemals gut sein abzusteigen. Ich kann den Ansatz zwar verstehen, zu sagen, ein Abstieg hätte eventuell auch positive oder reinigende Folgen, aber ich sehe es anders. Es ist eh schwer heutzutage, Spieler zu finden, durch den schwierigen Standort im Teufelsmoor wäre es noch schwerer, wenn man nicht mal mehr den Reiz bieten könnte, im höchstspielenden Verein dabei zu sein. Die ehrgeizigen Spieler wollen nun mal möglichst hoch spielen. Das ist das entscheidende Argument und nicht, ob da 80 oder 200 Zuschauer am Feld stehen. Deshalb wäre ein Abstieg wirklich gefährlich für Bornreihe, weil die Konkurrenzsituation dann noch viel größer ist. Und es ist ja mit Blick auf Hagen/Uthlede jetzt schon schwer. Und sollte nach einem Abstieg der sofortige Wiederaufstieg nicht klappen, dann wird es richtig hart. Ja, man könnte den Nachwuchs in der Bezirksliga vielleicht etwas besser heranführen, aber letztlich passt man sich auch immer der Liga an, in der man spielt. Und das Gerüst ist ja eigentlich auch absolut vorhanden, vielleicht ist das momentan auch ein Mentalitätsproblem.

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