Doppelausstellung Flirrende Transparenz trifft schweres Blei

Zeichnungen von Petra Fiebig und Objekte von Uwe Schloen sind zurzeit in der Wallhöfener Galerie kd.kunst zu sehen. Die Ausstellung birgt reizvolle Kontraste aus Schwarz und Weiß, leicht und schwer.
21.09.2018, 16:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Claudia Gerber-Lindt

Hambergen. Angefangen hat Petra Fiebigs Vorliebe für Bleistiftzeichnungen mit kleinen Raumzeichnungen auf Würfeln, von einer Fenchelknolle, einer Zitrone oder auch einem Kohlrabi. Ihr Künstlerkollege Uwe Schloen hingegen verarbeitet in seinen Werken gern gebrauchte Materialien. Beide Künstler zeigen nun gemeinsam ihre jüngsten Werke, Plastiken und Installationen in der Galerie kd.kunst in Wallhöfen. Die Ausstellung trägt das Motto „Blei und Bleistift“ und versteht sich als Hinweis auf die Zeichentechnik von Petra Fiebig sowie auf das vorwiegend verwendete Material von Uwe Schloen, das gebrauchte Blei.

Bereits im Außenbereich der Galerie präsentieren sich dem Besucher die Kunstobjekte von Uwe Schloen. Unter dem Namen „Koffer und Rolli“ lassen sich zwei entsprechende Gepäckstücke aus zusammengenietetem Metall erkennen, welche auf dem Rasen abgestellt sind. „Wer einen Koffer mit sich trägt, ist unterwegs“, erläuterte Veronika Wiegartz vom Gerhard-Marcks-Haus in Bremen in ihrer Ansprache zur Vernissage. Ein abgestellter Koffer könne somit den Wunsch nach Bleiben darstellen, führte sie weiter aus.

Uwe Schloen verwendet für seine Werke vorwiegend gebrauchte Bleiware vom Schrott, welche Gebrauchsspuren aufweist und die für die Bearbeitung zuerst noch plan gemacht werden muss. Wichtig sind ihm dabei die noch bleibenden Verwerfungen und Wellungen sowie das weißliche Bleioxid, welches das Material belebt. „In seinem Atelier finden sich aber auch noch andere gebrauchte Gegenstände, wie alte Rollstühle, Gardinen oder Steine“, wusste Wiegartz zu berichten.

Die eher dunklen Ausstellungsstücke von Uwe Schloen stehen in auffallendem Kontrast zu den Zeichnungen und Installationen von Petra Fiebig. Wiegartz wies auf die Unterschiede der beiden Künstler hin. Weiß stehe überwiegend Schwarz gegenüber – „leicht“ trete in Gegensatz zu „schwer“. Darüber hinaus suche Schloen das Unvollkommene, sogar das Unansehnliche, wohingegen Fiebig nach Perfektion strebe. Aber es gebe auch Gemeinsamkeiten: „Dazu gehören beispielsweise das Behaust-Sein“, sagte Wiegartz. Sie verwies auf Schloens Objekt „Bushaltestelle“, welches ebenfalls im Außenbereich zu sehen ist. Es biete den Menschen ja, zumindest vorübergehend und eingeschränkt, auch eine Art Behausung.

Fiebigs Bleistiftzeichnungen und Installationen zeigen Innenräume und Interieurs. Dabei sind die Objekte wie beispielsweise ein Küchenschrank, welcher aus Karton gefertigt sind, Teile der Installation, in die sich der Betrachter hinein begibt. Daraus ergeben sich Fragen: Was ist auf der Zeichnung und was befindet sich im Raum? Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

Seit mehr als elf Jahren zeichnet Fiebig überwiegend mit Bleistift. Sie schraffiert in kleinen Strichen, „kreuz und quer“, wie sie selbst sagt. Es entsteht eine flirrende Transparenz, bei dichteren Schraffuren auch eine dunklere Schattierung. Wiegartz wies darauf hin, dass die Idee, Räume darzustellen, in denen Menschen abwesend sind, aus dem 19. Jahrhundert stamme. „Dabei wird eine natürliche Neugier befriedigt“ erklärte sie. Denn die leeren Räume gäben doch etwas über ihre Bewohner preis, da diese Spuren hinterließen.

Die Ausstellung ist für Besucher am Sonntag, 23. September, von 12 bis 14 Uhr geöffnet.

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