Verein feiert 50-jähriges Bestehen „Haben Sie eine Angel?“

1968 wurde in Vollersode ein Anglerverein gegründet, dessen Revier die Hamme war. Heute verfügt er über einen Angelteich. Der Weg dahin war allerdings schwierig.
13.09.2018, 16:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Hambergen. Erwin Komann lässt seinen Blick über den ausgedehnten Angelteich in Vollersode-Wallhöfen schweifen. Der Wasserstand ist nach dem heißen Sommer ein wenig niedrig. Die Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, ab und zu lässt der Wind das Laub an den Bäumen rascheln. Der Teich ist zu einem Idyll geworden, an dem die Mitglieder des Sportanglervereins „He bit“ Ruhe tanken und sich erholen können. Wobei der der Zusatz „Sport“ möglicherweise ein wenig täuscht. „Wir sehen keinen Sinn darin, Fische wieder reinzuwerfen. Das haben wir noch nie gemacht“, sagt Komann. Im Vordergrund stand immer das Naturerlebnis, der Einklang mit der Natur.

Komann ist einer der Gründungsmitglieder des Vereins und seitdem auch Schriftwart. Er hat alle Höhen und Tiefen des Vereins mitbekommen. Kein Wunder, dass er nun auch die Chronik zum 50-jährigen Bestehen verfasst hat. Die Realisierung des Angelteiches nimmt darin eine große Rolle ein, wäre sie doch beinahe schief gegangen. „Wir haben aber noch ein Angelrevier an der Hamme“, erinnert der Vorsitzende Horst Thoden. Vier Kilometer ist es lang und geht von Viehspecken bis zur Gemarkungsgrenze Teufelsmoor.

Bis 1968 war hier das Angeln ohne feste Regelungen möglich. Mit zunehmender Freizeit in den 60er- und 70er-Jahren wuchs auch das Interesse am Angeln. Die Fischereirechte besitzt in dem Abschnitt die Gemeinde Vollersode. Der damalige Gemeindedirektor Erwin Thom wollte die Verhältnisse ordnen und sprach deswegen Vollersoder und Wallhöfener Bürger an, von denen er wusste, dass sie angeln. Ein Verein wäre die beste Lösung, fanden sie bei einem Treffen und gründeten gleich einen vorläufigen Vorstand, der eine Vereinsgründung in die Wege leiten sollte.

„Haben Sie eine Angel?“ stand ganz oben über der Einladung zur Gründungsversammlung, die überall ausgelegt wurde. Sie endete mit dem Aufruf: „Angelfreunde aller Teile Vollersodes, vereinigt euch!“ Am 17. Dezember 1968 war es soweit: 29 Angler gründeten den Verein. Erster Vorsitzender wurde Uwe Bokelmann. Sein Stellvertreter war Otto Leihsa.

„Die Mitgliederzahl wuchs schnell an“, erinnert sich Komann. 1985 war der Höhepunkt mit etwa 200 Mitgliedern erreicht. Heute zählt der Verein 130 Mitglieder. „Die meisten kommen aus Vollersode und Wallhöfen“, erklärt Thoden. Aber auch aus dem Gnarrenburger Raum gebe es Zulauf.

Die Hamme erwies sich für die Angelfreunde aber zusehends als schwieriges Gewässer. „Die Hamme wurde begradigt, um eine schnellere Entwässerung zu erreichen“, berichtet Erwin Komann. Die Politik habe dabei die Landwirtschaft im Hammegebiet im Blick gehabt. Auf die Ökologie sei wenig Rücksicht genommen worden. Der Angelverein habe gegen diese Veränderungen protestiert – ohne Erfolg. Immer wieder wurden bei Schleusenöffnung die eingesetzten Fische durch den Sog in Richtung Ritterhude mitgerissen. Viel Geld schwamm davon. Heute haben Behörden und Politik eine andere positive Sicht, wie Komann betont.

Der Verein machte sich auf die Suche nach einem Angelteich. Die ersten Versuche scheiterten aus unterschiedlichen Gründen. Im Herbst 1984 stand eine große feuchte Weide in Wallhöfen zum Verkauf, die für das Vorhaben geeignet erschien. Nach einigem Hin und Her konnte der Verein sie kaufen. Die Finanzierung der Teichanlage wurde gesichert. Allerdings ging man an die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten. Einigen Mitgliedern war das Risiko zu hoch, sie kündigten. Innerhalb von acht Tagen baggerte ein Unternehmen den Teich aus. Etwa 25 000 Kubikmeter Boden wurden dabei bewegt. Doch das erwartete Grundwasser, das die Anlage füllen sollte, blieb aus – ein Fehler der Planungsfirma. Komann: „Der Verein stand am Rand der Pleite.“ Schließlich bezahlte eine Versicherung den Schaden und Petrus öffnete die Himmelsschleusen. Regen füllte im Herbst 1988 die Grube. Heute hat der Teich einen reichen Fischbestand. Zudem ist ein abgeschlossenes Biotop entstanden. 2010 wurde die Anlage erweitert.

Bei aller Wertschätzung der Teichanlage erinnert Komann an den Ursprung des Vereins, der sich den Erhalt der Hamme als Revier auf die Fahnen geschrieben hat. Die Hamme biete den Vollersoder Petrijüngern noch immer die Möglichkeit für erholsame Angelstunden in fast ungestörter Natur, finden Komann und Thoden.

Mit einer Feier wurde das Jubiläum gewürdigt. Daran nahm auch Gerhard Wiese. Er ist neben Erwin Komann das zweite Gründungsmitglied, das noch immer dabei ist.

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