35 Jahre Pastor in Wallhöfen „Ich habe mich immer für die Sinnfrage im Leben interessiert“

Wolfgang Starke war fast 35 Jahre Pastor in Wallhöfen. Jetzt bereitet er sich auf seinen Ruhestand und den Umzug in sein Elternhaus in Uelzen vor.
18.03.2021, 05:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen
Herr Starke, warum sind Sie Pastor geworden?

Wolfgang Starke: Ich habe mich immer für die Sinnfrage im Leben interessiert. Als Schüler der Oberstufe haben mich Philosophie, Religionswissenschaft und andere Religionen sehr beschäftigt. Ich bin dann in Uelzen im Bibelkreis mit einem Pastor in Verbindung gekommen. Der war eher biblizistisch orientiert. Da war ich nach einem Jahr schon wieder weg. Aber irgendwie hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Ich habe mich entschlossen, Theologie zu studieren, und habe es genossen, ohne Berufsperspektive zu studieren, was ich will. Dann habe ich meine Frau kennengelernt und unsere Tochter war unterwegs. Ich stand vor der Erkenntnis: Du musst auch etwas verdienen und das, was du gelernt hast, in Geld umsetzen. Ich habe mich bei der Landeskirche beworben und habe ein gutes Vikariat gehabt in Hameln. Das hat mir sehr geholfen, da ich eigentlich unkirchlich unterwegs war. Ich hatte nicht durch Jugendarbeit eine klassische Prägung. Auch mein Studium habe ich eigentlich fern der Kirche geführt. Nach dem Vikariat bin ich gleich hierher gekommen.

Das war ihre einzige Pastorenstelle?

Streng genommen ist das so. Die ersten zehn Jahre war ich Pastor der Kirchengemeinde Hambergen. Die Pfarrstelle gehörte zu Hambergen. Später ist die Kirchengemeinde Wallhöfen selbstständig geworden und es gab eine formelle Änderung. Aber eigentlich bin ich hier das 35. Jahr, ich habe am 1. September 1986 angefangen und mein ganzes Berufsleben hier verbracht.

Ist das Pastorenamt für Sie Beruf oder Berufung?

Das kann ich nicht so einfach sagen. Keine Berufung im Sinne, ich habe eine Stimme gehört. Meine theologische Deutung meines Lebens oder des Lebens überhaupt ist, dass wir durch die Existenz geführt werden. Wir erleben bestimmte Dinge, wir kommen in bestimmte Verhältnisse hinein. Manches hilft uns, manches scheint uns zu hemmen oder ist wirklich eine Schwierigkeit. Das sind Dinge, die mich prägen und zu Entscheidungen führen. Und so ist das für mich dann auch. Ich habe entschieden, Theologie zu studieren, ich habe meine Frau kennengelernt, dann waren materielle Fragen im Vordergrund. Und mit den guten Erfahrungen in den meisten Fällen fühle ich mich geführt. So würde ich das mal fromm formulieren. Mit der Berufung ist das so eine Sache. Im Laufe meiner fast 35 Jahre hier habe ich immer wieder, also nicht permanent, Erlebnisse gehabt, bei denen ich das Gefühl hatte, ich bin jetzt der richtige Mann am richtigen Ort gewesen. An solchen Stellen fühle ich mich dann berufen.

Sie würden den Weg wieder so einschlagen?

Ja, das kann ich so sagen. Ich kann jedem nur sagen, der ein innerliches Verhältnis zum christlichen Glauben hat, dass es ein guter Beruf ist. Ich habe mich innerlich mit Dingen beschäftigen können, bin auf einen Weg geführt worden, für den ich dankbar bin. Ich bin hier ganz gut aufgehoben gewesen, Gott sei Dank.

Wann ist Ihr Abschiedsgottesdienst?

Der ist am kommenden Sonntag um 15 Uhr - unter Corona-Bedingungen, leider. Ich musste mich für 57 Leute entscheiden, was nicht so schön war. Jutta Rühlemann wird den Gottesdienst leiten und die Entpflichtung vornehmen.

Und dann ist für Sie auch Schluss?

Nein, noch nicht. Ich bin noch eine Woche in Arbeit. Mein letzter Tag ist der 1. April. Als letzte Amtshandlung habe ich noch drei Konfirmationen. Der Wunsch war, dass ich den Kurs auch zu Ende bringe und dass wir 17 Kinder auf drei Konfirmationen verteilen.

Freuen Sie sich auf den Ruhestand?

Ja. Ich habe hier gerne gearbeitet. Wenn ich Leuten begegne, verabschiede ich mich auch schon. Dann merke ich so eine Wehmut. Aber es ist schon die Freude auf eine neue Lebensphase da. Ich habe nicht vor, das zu machen, was ich 30 Jahre gemacht habe. Ich werde mich schon an der einen oder anderen Stelle kirchlich engagieren. Zum Beispiel in Sachen Meditation. Also ich werfe nicht die Bibel weg oder meinen Glauben. Ich schätze mich so ein, dass ich auf den Ruhestand relativ gut vorbereitet bin. Ich mache Dinge weiter, die ich schon lange mache. Beispielsweise Aikido, Thai Chi und ich meditiere morgens und abends immer 30 Minuten. Das bleibt und vertieft sich eher. Das ist, glaube ich, ein Gerüst, das mich hält. Ich habe zwei Workshops im Steine klopfen gemacht, Bildhauen wäre jetzt übertrieben, aber ich möchte kreativ mit Steinen umgehen. Das würde ich gerne vertiefen.

Sie bleiben nicht hier?

Ich bin verschiedene Optionen durchgegangen und die beste Möglichkeit war, dass ich das Haus meiner Eltern übernehmen kann. Es liegt in schöner Landschaft in einem Dorf, das zu Uelzen gehört. Da darf ich hinziehen, so empfinde ich das, und ich werde mit meiner Lebensgefährtin sicher vier Monate mit Umbau und Sanierung beschäftigt sein, um es zu unserem Haus zu machen.

Info

Zur Person

Wolfgang Starke (63)

ist verheiratet und hat in Berlin und Göttingen studiert. Seit 1986 ist er Pastor in Hambergen und Wallhöfen.

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