„Unsere Vereine“: SV Blau-Weiß Bornreihe

Als die Matthäus-Unterschrift vom Tresen verschwand...

Viele legendäre Schlachten wurden auf dem Platz bei Postels geschlagen, viele große Gegner waren zu Gast. Eine echte Legende ist die Geschichte mit der Matthäus-Unterschrift aus dem Jahr 1982.
14.04.2021, 08:45
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Als die Matthäus-Unterschrift vom Tresen verschwand...
Von Tobias Dohr
Als die Matthäus-Unterschrift vom Tresen verschwand...

Große Kulissen, große Gegner: 2005 durfte sich Andre Lütjen gegen Johan Micoud und den SV Werder beweisen.

Sonja K. Sancken

Viele legendäre Schlachten wurden auf dem Platz bei Postels geschlagen. Entscheidende Punktspiele um Auf- oder Abstieg, aber auch packende Pokalduelle. Ebenso sagenumwoben sind jedoch auch die zahlreichen Freundschaftsspiele von Profiteams, die im Laufe der Jahrzehnte ihre Visitenkarte im Teufelsmoor abgegeben haben. So war beispielsweise der SV Werder Bremen gleich viermal in Bornreihe zu Gast (1969, 1970, 2004 und 2005). Unvergessen die Auftritte der Meistermannschaft mit Regisseur Johann Micoud und Knipser Ailton vor mehr als 4000 Zuschauern.

Doch auch der FC St. Pauli (2007 zum 75. Vereinsjubiläum), Rot-Weiß Essen (2004 zur Einweihung des neuen Vereinsheims) oder Dukla Prag (Anfang der 1970er-Jahre) spielten schon bei den Blau-Weißen vor. Mit Ismaelia Kairo gab es 1969 sogar mal einen Afrikameister im Teufelsmoor zu bestaunen. Eine ganz besondere Anekdote rankt sich zudem um das Gastspiel des VfB Oldenburg Anfang der 1990er-Jahre, der zu dieser Zeit ans Tor zur Bundesliga anklopfte. Der damalige VfB-Manager, ein gewisser Rudi Assauer, verbrachte einige feuchtfröhliche Stunden im Bornreiher Vereinsheim. Seitdem wird gemunkelt, dass die Einnahmen jenes Tages am Ende fifty-fifty aufgeteilt wurden - was schon damals keinesfalls der gängigen Praxis entsprach.

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Die wohl kurioseste Anekdote rund um die vielen großen Namen ereignete sich aber im Jahr 1982, als Borussia Mönchengladbach zu Gast war. Die Profis gewannen standesgemäß mit 8:1 und Trainer Jupp Heynckes wechselte Superstar Lothar Matthäus zur Halbzeit aus. Dieser stellte sich, durstig und hungrig wie er war, bei Ralf Brase und dessen Bruder Georg an die Wurstbude und bestellte Pommes und Wurst. Ralf Brase, selbst ein riesiger Gladbach-Fan, fragte nach einem Autogramm, und da Matthäus nichts fand, wo er raufschreiben konnte, schnappte er sich einen Edding und verzierte die Wursttheke kurzerhand mit einem riesigen Namenszug.

„Das war natürlich eine Wahnsinnsgeschichte. Wir haben diese Unterschrift jahrelang in Ehren gehalten“, berichtet Ralf Brase, der seit 40 Jahren bei fast jedem Heimspiel an der Wurstbude steht und zudem 2. Vorsitzender des Vereins ist. Sogar eine Plexiglasscheibe habe man bei den Spielen aufgestellt, um das Heiligtum zu schützen. Doch dann geschah eines Tages das Unfassbare. „Wir haben den Wagen zwischendurch auch mal verliehen. Das war zwar eher ungewöhnlich, aber es kam vor. Und nach einer dieser Ausleihen war die Unterschrift plötzlich weg“, erinnert sich Ralf Brase. Eine Reinigungskraft hatte die Theke besonders gründlich gewischt und offenbar keine Ahnung gehabt, was beziehungsweise wer dort etwas hingekritzelt hatte. Und so verschwand die Matthäus-Unterschrift wieder von der Theke. „Wir hätten vermutlich die Tresenplatte einfach abschrauben und im Vereinsheim an die Wand hängen sollen“, sagt Brase heute schmunzelnd.

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Bei jenem Gladbach-Gastspiel im Jahr 1982 entstand übrigens noch eine weitere legendäre Geschichte, die man sich bis heute gerne im Teufelsmoor erzählt. Als nämlich Nationalstürmer Frank Mill Zigarette rauchend in der Bornreiher Umkleidekabine Zuflucht suchte, damit Jupp Heynckes ihn nicht erwischt. Im Jahr 2022 feiert der SV Blau-Weiß sein 90-jähriges Vereinsjubiläum und Spartenvorstand Dennis Böschen kündigte bereits an: „Auch da werden wir uns sicher nicht lumpen lassen und ein Schmankerl bieten. Und bis dahin wird weiter gemacht und getan, gepflegt und geprägt, alles versucht, um unseren SV Bornreihe in die Zukunft zu begleiten, auf welcher Art auch immer.“

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