Worpsweder Kunstschule

Paula wird 20

Paula wird 20! Die Worpsweder Kunstschule, die sich seit einer Kooperation mit der Hochschule der Künste in Ottersberg als lebendiger Galerieraum versteht, feiert Geburtstag - und wird prämiert.
26.07.2020, 13:38
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine von der Decken
Paula wird 20

Das Angebot, den Wald in der Hängematte zu erspüren, nutzten Luka, Valeria und Sebastian (von links) während des performativen Spaziergangs.

Sabine von der Decken

Worpswede. Ein Jubiläum war es noch nicht, aber ein Grund zum Jubeln war das 20-jährige Bestehen der Kunstschule Paula allemal. Zur Geburtstagsfeier kamen Wegbegleiter der ersten Jahre, als die Kunstschule noch nur Kunstschule war und Geburtstagsgäste, die seit Kooperation mit der Hochschule der Künste Ottersberg (HKS) mit Paula verbunden sind. Denn vor vier Jahren entwickelte sich aus der Kunstschule an der Worpsweder Bergstraße ein lebendiger Kulturraum, der Atelier, Galerie und Werkraum miteinander vereint.

Für Gabriele Schmid, akademische Hochschulleitung an der HKS und Vorstandsmitglied bei Paula, eröffnete die Kooperation ein interessantes Praxisfeld für Studierende und Absolventen der HKS. „Studierende können sich in künstlerischer Haltung üben“, erklärte Schmid den Ansatz des lebendigen Kulturraums. In Vertretung von Sara Schwienbacher, künstlerische Leitung der Paula, begrüßte Valerie Löwe zum Geburtstagsfest unter freiem Himmel. „Alles ist möglich“, umschrieb sie das offene, im Galerieraum gelebte Konzept. Als Vertreterin des Landesverbands der Kunstschulen Niedersachsen betonte dessen Geschäftsführerin Sabine Fett die Einzigartigkeit der Paula. Es gebe wenige Kunstschulen, die mit dieser Konsequenz Kunst denken. Es ginge in der Paula weniger um kulturelle Bildung als um die Möglichkeit, Kunsterfahrung zu sammeln, sagte sie.

Für ihre Idee eines online angeleiteten Kinderbuchs nahm Malena Gradulewski das Sommer-Kunstschulprädikat des Landesverbands der Kunstschulen Niedersachsen von Malte Wulf entgegen.

Für ihre Idee eines online angeleiteten Kinderbuchs nahm Malena Gradulewski das Sommer-Kunstschulprädikat des Landesverbands der Kunstschulen Niedersachsen von Malte Wulf entgegen.

Foto: Sabine von der Decken

Gefeiert wurden nicht nur zwei Jahrzehnte des Bestehens, sondern auch der Erhalt des diesjährigen Sommerschulprädikats, ausgelobt vom Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen. Ausgezeichnet wurde Paula für das während der Coronazeit entstandene Online-Projekt „Explorers – im Ausnahmezustand“. Nach einer Idee von Kunsttherapeutin und Theaterpädagogin Malena Gradulewski entstand das interaktive Bilderbuch „Gespräche mit dem Mond“. Zweimal pro Woche gab Gradulewski Kindern online künstlerische Handlungsanweisungen. In Farben und Formen berichteten die Erdenbewohner dem Mond über ihr Leben zu Coronazeiten.

Mit dem Kunstschulprädikat, so der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands Malte Wulf, wurde die Arbeit im Bereich kontaktloser, digitaler künstlerischer Angebote ausgezeichnet. Besonders berührt war Wulf von der Anteilnahme am Leben der Kinder zur Coronazeit. „Die Kunstschule sprüht vor Lust auf Kunst“, sagte er anerkennend während des Geburtstagsfests. Für Malena Gradulewski, die den Preis entgegennahm, war das von ihr gemachte Online-Angebot eine wichtige Erfahrung. Es sei sehr schön gewesen zu erfahren, dass Kontakt auf eine andere Art hergestellt werden könne und trotz Schwierigkeiten Neues entstehe. Aus der digitalen Version entstand das angeleitete Kinderbuch, das die künstlerische und kreative Perspektive von Corona aus Kindersicht zeigt. Mit Ferienbeginn endete das Online-Projekt, ist aber weiter auf der Website www.zeitgenössische-bildung.de einsehbar. Nach den Ferien, so Gradulewski, starte wieder die Praxiszeit.

In der Marcusheide knüpfen Besucher mit blauen Bändern einen Traumfänger.

In der Marcusheide knüpfen Besucher mit blauen Bändern einen Traumfänger.

Foto: Sabine von der Decken

Nach Einschätzung von Christine Huizinga, die als ehemaliges Vorstandsmitglied die Geschicke der Kunstschule zehn Jahre lang begleitete, ist der vor vier Jahren entstandene lebendige Galerieraum ein absolut gelungenes, offenes Projekt, in dem Menschen an Kunst teilhaben können. Das Konzept des offenen Galerieraums und die Studenten hätten frischen Wind in die Paula gebracht.

„Viele Leute rühren hier in einem Pott und das auch in Coronazeiten. Alle Achtung und vielen Dank“, sagte Worpswedes stellvertretender Bürgermeister Friedrich-Karl Schröder in seiner Gratulation.

Künstlerische Aktionen begleiteten die Geburtstagsfeiern in, um und vor der Paula. Auf der Apfelbaumwiese vor dem Alten Rathaus wurde in großem Stil ein Geburtstagsjubel angestimmt. Die schon während der Coronazeit begonnene Postkartenaktion wurde an diesem Tag mit einem Angebot der Kunstfeuerwehr fortgeführt. Gäste hatten hier die Möglichkeit, ihre ganz persönlichen Kunstpostkarten zu gestalten. Blauen an Ästen und Zweigen befestigten Bändern folgend ging es mit den Dozentinnen Dagmar-Petra Welek und Hanne Casper zu einem performativen Spaziergang auf den Naturspurweg der Paula. Der gehört zu einem der während der Coronazeit entwickelten Projekte. Vor gut sechs Wochen startete im Wald das Projekt „Naturspurweg“, viel hat sich an den Kunstwerken während dieser Zeit mit Hilfe von Besuchern getan. Auch an diesem Tag waren die Gäste eingeladen, an den von fünf Dozenten initiierten Kunstwerken aktiv Hand anzulegen und mitzuwirken.

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