71-jähriger Torwarttrainer

Gestatten: Max Ihli, Strafraumspezialist

Max Ihli ist ein Mann der klaren Worte. Und nicht nur das. Sich auf sein Altenteil zurückziehen, kommt für ihn nicht infrage. Der 71-Jährige ist noch immer als Torwarttrainer aktiv.
15.11.2020, 16:39
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Von Reiner Tienken
Gestatten: Max Ihli, Strafraumspezialist

Die Torwarthandschuhe gehören inzwischen wie selbstverständlich dazu. Dabei erlebte Max Ihli noch Zeiten, in denen sie verpönt waren.

CARMEN JASPERSEN

Neu St. Jürgen. Max Ihli ist ein Mann der klaren Worte. Und nicht nur das. Sich auf sein Altenteil zurückziehen, kommt für ihn nicht infrage. Mit seinen 71 Jahren zeichnet der Rentner beim TSV Eiche Neu St. Jürgen noch als Torwarttrainer im Jugend- und Herrenbereich verantwortlich. Der Strafraumspezialist schöpft bei seiner Leidenschaft für den Posten zwischen den Pfosten aus einem großen Erfahrungsschatz.

Die Laufbahn als Ballfänger begann für das Eiche-Vereinsmitglied einst in der Knabenmannschaft beim TV Lilienthal. „Die hatten da einen im Tor. Das gefiel mir gar nicht. Ich will dir jetzt mal zeigen, was man als Torwart machen muss“, sagte Max Ihli sinngemäß vor seinem Rollenwechsel vom Feldspieler zum Torhüter. Die Begeisterung für die Rolle des Schlussmannes ist bis ins hohe Alter erhalten geblieben. Der Freizeitkicker kann sich ein Urteil über Torwächter erlauben, war er doch über Jahre hinweg ein Meister seines Faches. Hinter Max Ihli liegen die Vereinsstationen TV Lilienthal, VfR Seebergen/Rautendorf, TV Falkenberg, TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf, SV Hemelingen, FC Worpswede und SV Hüttenbusch, ehe er beim TSV Eiche Neu St. Jürgen anheuerte.

Viel Wert legt der Eiche-Torwarttrainer darauf, dass der Torhüter als ruhender Pol der Mannschaft auftritt. „Ich habe versucht, wenn Hektik auf dem Platz war, als Torwart nicht noch mehr Hektik reinzubringen“, verrät Max Ihli seine Maxime. Das Torwartspiel ist bereits vor Jahren anspruchsvoller geworden, sagt er weiter. Vom Torhüter werde erwartet, dass er nicht nur Ballfänger ist, sondern auch über eine gute Fußball-Technik mit dem Fuß verfügt. „Du darfst den Torwart nicht in eine Rolle drängen, die er nicht beherrscht. Du musst die Stärken des Torwarts hervorheben und ihn nicht mit Sachen konfrontieren, wo er keinen Mut für hat“, skizziert er das Anforderungsprofil.

Früher haben Max Ihli Torhüter wie Horst Schnoor (Hamburger SV), Dr. Peter Kunter (Eintracht Frankfurt), Günter Bernard (SV Werder Bremen) und Oliver Kahn (FC Bayern München) beeindruckt. Heute gerät der Wahl-Neu St. Jürgener bei Manuel Neuer (FC Bayern München) ins Schwärmen. „Manuel Neuer ist für mich wirklich der weltbeste Torwart“, urteilt Max Ihli. Der Torwarttrainer impft seinen Schützlingen immer wieder ein, „keinen Ball verloren geben und den Ball fixieren“. Über so manchen Reporterspruch im Fernsehen ärgert sich der Mann des Jahrgangs 1949. Gerade, wenn sich ein Torhüter einen Gegentreffer nach einem Effetball einhandelt. „Den kannst du gar nicht halten. Das finde ich so anmaßend, wenn Reporter sagen, den muss er halten“, betont Max Ihli.

Max Ihli hat Zeiten zwischen den Pfosten erlebt, in denen die Torhüter noch ohne Handschuhe ihrem Fußball-Hobby nachgingen. Bei der Weltmeisterschaft 1966 in England war der Russe Lew Jaschin, so Max Ihli, der einzige Torhüter, der mit Handschuhen spielte. Damals kam dann ein Spruch auf, ob der Angst vor dem Ball hätte. Inzwischen gehören die Handschuhe längst zum Torwart wie der Ball zum Spiel. Der Rentner hat jahrzehntelang Zeiten erlebt, in denen es noch gar kein Torwarttraining gab. Die Torhüter übten gemeinsam mit den Feldspielern. Kritisch betrachtet der Eiche-Torwartausbilder so manche Übungseinheit der heutigen Generation. „Heute wird trainiert, dass sie rennen wie die Blöden“, drückt es der zweifache Familienvater drastisch aus. Die Grundelemente der Ballfertigkeit kommen dem Torwartfuchs in den Übungseinheiten etwas zu kurz weg.

Vor 50 Jahren feierte Max Ihli einen seiner größten Erfolge: Bezirkspokalsieger mit der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf (2:0-Finalsieg gegen TV Sottrum). Die Leidenschaft im Tor zog für das Mitglied im Eiche-Ehrenrat etliche Verletzungen nach sich: Gehirnerschütterung (dreimal), Arm-, Finger-, Schien- und Wadenbeinbruch sowie Meniskusschaden. Der Torwarttrainer hält es für angemessen, den Torhüter während des Spiels nicht zu tadeln oder zu loben. „Ihn einfach spielen lassen“, ist für Max Ihli die Maßgabe. Bei den Elfmetern rät der routinierte Ballfänger seinen Schützlingen dazu, sich nicht zu früh in eine Ecke zu bewegen. „Bleib stehen“, gibt er seinen Torleuten mit auf den Weg. Dies vor dem Hintergrund, dass im Gegensatz zu früher die Elfmeterschützen öfter die Mitte des Tores für ihren Abschluss wählen.

Mit Argusaugen blickt der Mann, der mit seinen 71 Lenzen noch für die SG Lilienthal-Falkenberg in der Ü65-Liga aktiv ist, auf die Torwächter der jungen Generation in der Region. Mit Jöran Apel (SV Lilienthal-Falkenberg) und Noah Hube (TSV Eiche Neu St. Jürgen, beide Jahrgang 2006) sieht Max Ihli starke Spieler auf der Schlüsselposition zwischen den Pfosten heranreifen. „Die beiden Torhüter bringen alle gute Voraussetzungen für eine Laufbahn auf höherer Ebene mit. Jöran ist athletisch und groß. Noah muss sich bei allem Talent aber noch besser konzentrieren“, sagt der Torwart-Oldie über die beiden Nachwuchshoffnungen des Landkreises Osterholz.

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in eine Rolle drängen,

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