Aktion Künstlerbrot in Worpswede

Protest im Geiste Heini Linkshänders

Jürgen Strasser und Björn Herrmann lassen die „Aktion Künstlerbrot“ aufleben, um auf die existenzbedrohenden Folgen der Corona-Krise für Künstler hinzuweisen. Die Aktion hat eine lange Vorgeschichte.
01.06.2020, 14:27
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer
Protest im Geiste Heini Linkshänders

Heini Linkshänder erfand die "Aktion Künstlerbrot". Bereits 1979 setzte er sie besipielsweise in Salzburg als Straßen-Performance in Szene.

Archiv Starsser

Worpswede. Die Debatte über den Wert der Kultur für die Gesellschaft ist nicht neu. Kunst- und Kulturschaffende beklagen in Corona-Zeiten, dass sie vielfach durch alle Raster staatlicher Hilfen fallen. Jürgen Strasser und Björn Herrmann haben daher die „Aktion Künstlerbrot“ gestartet. Das Projekt greift eine Aktion von Strassers Vater, dem Worpsweder Künstler Heini Linkshänder (1938 bis 2012), auf. Unter dem Slogan „Künstler arbeiten für die Gesellschaft wie andere auch“ inszenierte er bereits vor über 40 Jahren Straßen-Performances. Linkshänder bezog sich in seinen Arbeiten auf Joseph Beuys und dessen erweiterten Kunstbegriff und provozierte mit seinen gesellschaftskritischen Kunstaktionen und Installationen vielfach die Öffentlichkeit. Seine Performance zeigte er 1979 als Straßenaktion in München, Salzburg und Augsburg, 1980 war er damit in Wien, Bremen und in Basel vertreten.

Die heutigen Initiatoren betonen die Aktualität dieser Aktion angesichts der für viele Künstler existenzbedrohenden Corona-Krise. Ihr Kapital sei die eigene Kreativität, die eigenen Einnahmen reichen vielfach gerade zum Leben. Die zuständigen Politiker hätten bisher nicht erkannt, „wie sehr die bisherigen Hilfspakete an den Lebensrealitäten der zumeist solo-selbstständigen Betroffenen vorbeigehen.“ Um darauf aufmerksam zu machen, haben Strasser und Herrmann in der Folge des „Worpsweder Appells“ die „Aktion Künstlerbrot“ ins Leben gerufen, um mit einer Postkartenaktion die zuständigen Verantwortlichen in den jeweiligen Bundesländern aufzufordern, passgenaue Hilfen aufzulegen, statt Künstler und Kreative in Hartz IV fallen zu lassen.

Die Aktion startet in Niedersachsen und soll nach und nach auf andere Bundesländer ausgeweitet werden. Institutionen, Organisationen und Privatpersonen, die die Initiative unterstützen wollen, können bei Jürgen Strasser unter 0177/ 561 33 65 oder mail@juergenstrasser.de die Postkarten zum Selbstkostenpreis abrufen oder die Druckdaten anfragen. Ab dieser Woche soll dies auch als Download über die Webseite www.aktion-kuenstlerbrot.de möglich sein. In Worpswede liegen Karten in den Museen, im Alten Rathaus und der Tourist Information aus. Die Postkarte zeigt auf der Vorderseite die Originalarbeit Heini Linkshänders, auf der Rückseite ist ein Appell, adressiert an den jeweils zuständigen Minister, aufgedruckt. Die Karten sollen dann in möglichst großer Zahl an die Landesministerien geschickt werden.

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