Erweiterungsbau in Worpswede

Aus für Naturkindergarten

Erst wollte man keine Mobilbauten, nun kommen sie wohl doch: Weil Worpswede dringend neue Kita-Plätze braucht und alles andere zu lange dauern würde, empfahl der Sozialausschuss, was der Rat zuvor ablehnte.
19.02.2021, 17:10
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Von Johannes Kessels

Worpswede. Natur gibt es beim Worpsweder SOS-Kinderdorf eigentlich genug. Ein Naturkindergarten kann dort trotzdem nicht eingerichtet werden. Das erfuhr jetzt der Sozialausschuss zu seiner großen Enttäuschung. Kurz vor Weihnachten hatte der Gemeinderat beschlossen, dass der SOS-Kindergarten Dat Butjerhuus erweitert werden soll – entweder mit einem „Hobbit-Wagen“, einem hölzernen Wagen in der Form eines großen Baumstamms, oder mit einem Tiny House, ebenfalls aus Holz. Dieser Beschluss muss jetzt aufgehoben werden. Die Vorschriften der Landesschulbehörde lassen die Aufstellung eines Wagens oder Holzhauses nur unter Bedingungen zu, die auf die Schnelle nicht zu erfüllen seien, erklärte Fachbereichsleiter Michael Blechmann. Und es werden dringend neue Plätze benötigt; 28 Kinder stehen auf der Warteliste.

Joachim Schuch, der Leiter des SOS-Kinderdorfs, sagte, für einen Naturkindergarten gälten dieselben Vorschriften wie für alle Einrichtungen. Diese beträfen unter anderem die Küche, den Sanitärbereich und Aufenthaltsräume. Auf eine weitere Küche und Aufenthaltsräume könne das Butjerhuus nur verzichten, wenn der Erweiterungsbau direkt ans Hauptgebäude angesetzt werde, und das sei kurzfristig nur mit Mobilbauten möglich – gerade diese hatte der Gemeinderat in seiner Sitzung im Dezember aber ausdrücklich ausgeschlossen. Die Aufstellung eines Containers koste 20.000 Euro, die das Kinderdorf aus seinem Etat bezahlen könne, hinzu kämen 50.000 Euro Miete im Jahr. Aufgestellt werden solle der Container für zwei bis drei Jahre. Diese Zeit benötige man, um einen endgültigen Anbau zu planen.

„Ich bin tief enttäuscht“, sagte Gesa Wetegrove (SPD), und Ilse-Marie Seijger von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) fand es sehr schade, dass von einem Naturkindergarten in der Sitzungsvorlage gar nicht mehr die Rede war. Den könne man doch auch in einem Mobilbau einrichten, meinte sie. Das ist auch teilweise noch immer beabsichtigt, sagte Joachim Schuch: Man haben auf dem Gelände eine Weide mit Schafen und Eseln, auch stehe dort ein alter Zirkuswagen. Aber man könne eben nicht auf die Schnelle ein Holzhaus aufbauen, sondern nur einen Mobilbau. „Das wird nicht aussehen wie ein 40-Fuß-Container im Hamburger Hafen“, versprach Bürgermeister Stefan Schwenke.

Jetzt könne sie nicht entscheiden, meinte Gesa Wetegrove. Sie beantragte eine Sondersitzung des Ausschusses vor der Gemeinderatssitzung am 2. März, in der der Haushalt der Gemeinde beschlossen werden soll. Der Ausschussvorsitzende Gerd Witte (SPD) befürchtete, dass dann eine Erweiterung bis zum nächsten Kindergartenjahr nicht mehr zu schaffen ist, und Anette Faouzi (CDU) glaubt, dass eine Sondersitzung auch nicht aus der „etwas dümmlichen Situation“ heraushelfe. „Dass wir schnell 25 neue Plätze brauchen, ist nun einmal nicht zu ändern.“

Gesa Wetegrove stellte einen Zusammenhang zur Worpsweder Grundschule her. Dort muss der Mittelteil saniert oder neugebaut werden, auch dort müssten Container aufgestellt werden. Deshalb solle man überlegen, ob die Gemeinde Container oder geeignete andere Behausungen kaufen statt mieten solle, die zunächst für den SOS-Kindergarten und später für die Schule verwendet werden könnten. Das dürfte billiger werden als die Miete für mehrere Jahre. Das könne die Verwaltung prüfen, meinte Schwenke.

Jetzt stand der Ausschussvorsitzende Gerd Witte vor der Aufgabe, Beschlussempfehlungen zu formulieren. Das schaffte er schließlich sogar so, dass alle zustimmen konnten. Einstimmig empfahl der Ausschuss also, dass der alte Ratsbeschluss aufgehoben werden soll. Die Verwaltung soll prüfen, ob dauerhaftere Mobilbauten oder Ähnliches aufgestellt werden sollen und ob Miete oder Kauf günstiger ist. Wenn die Ergebnisse vorliegen, findet eine Sondersitzung noch vor der nächsten Ratssitzung statt. Bürgermeister Stefan Schwenke vermisste aber etwas – die grundsätzliche Zustimmung zur Schaffung von 25 neuen Plätzen. „Ich sitze hier wie Pontius Pilatus und wasche meine Hände in Unschuld“, erwiderte Gerd Witte zur allgemeinen Erheiterung. Dann werde die Verwaltung die drei Beschlüsse so auffassen, dass auch dies empfohlen worden sei, sagte Schwenke, und dagegen hatte niemand einen Einwand.

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