TSV Eiche Neu Sankt Jürgen

Berneking räumt seinen Stuhl nach der Saison

Seit dreieinhalb Jahren schreiben Fußball-Kreisligist TSV Eiche Neu Sankt Jürgen und dessen Trainer Enrico Berneking eine Erfolgsgeschichte - doch die wird am Saisonende zu Ende gehen.
02.02.2020, 20:53
Lesedauer: 3 Min
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Berneking räumt seinen Stuhl nach der Saison
Von Tobias Dohr
Berneking räumt seinen Stuhl nach der Saison

"Die sportliche Ausrichtung des Vereins passt aktuell nicht mit meiner zusammen": Enrico Berneking verlässt den TSV Eiche Neu Sankt Jürgen am Saisonende.

Hasselberg

Neu Sankt Jürgen. Seit dreieinhalb Jahren schreiben Fußball-Kreisligist TSV Eiche Neu Sankt Jürgen und dessen Trainer Enrico Berneking eine Erfolgsgeschichte. So darf man es wohl nennen, wenn ein Coach eine Mannschaft in der 1. Kreisklasse übernimmt und diese in den darauffolgenden Jahren in der Spitzengruppe der Kreisliga etabliert. Im Sommer wird diese Erfolgsgeschichte nun aber ein Ende finden. Denn Enrico Berneking wird die Blau-Schwarzen nach dann vier Jahren im Amt verlassen.

Berneking hatte die „Eichen“ im Sommer 2016 nach deren Abstieg in die 1. Kreisklasse übernommen und als Meister den sofortigen Wiederaufstieg geschafft. Noch beeindruckender als dieses Ergebnis war die Leistung in der Spielzeit 2017/2018. Berneking hievte den Aufsteiger aus dem Stand auf Rang drei, schaffte dieses Ergebnis obendrein nach einem personellen Umbruch mit vielen jungen Spielern im Kader. Auch in der Saison 2018/2019 gehörte der TSV Neu Sankt Jürgen zur Kreisliga-Spitze und landete am Ende auf Rang fünf, konnte zudem den Pokalsieg feiern. Und aktuell steht das Berneking-Team wieder auf Rang drei. Dennoch: Der Bezirksliga-Aufstieg wird wohl auch in diesem Jahr nicht gelingen. Und genau jener Aufstieg war seit jeher Bernekings erklärtes Ziel. Ein Ziel, dass der 41-Jährige mittlerweile aber außer Reichweite sieht – und zwar nicht nur für diese Saison.

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„Die sportliche Ausrichtung des Vereins passt aktuell nicht mit meiner zusammen. Ich gehe wirklich nicht im Bösen, aber kurz- und mittelfristig halte ich die Bezirksliga hier einfach nicht für realistisch“, begründet Berneking seinen Rücktritt nach vier durchaus erfolgreichen Jahren. Und genau diese Aussage lässt beim Verein ratlose Verantwortliche zurück. Denn, so erklärt es der 1. Vorsitzende Karsten Pfeiffer, die Vorzeichen hätten sich überhaupt nicht geändert: „Wir haben vor drei Jahren kein Geld für Spieler ausgegeben, und werden es auch jetzt nicht tun.“ Bernekings Rücktritt habe deshalb nicht nur die Mannschaft schockiert zurückgelassen, sondern auch den Vorstand.

„Wir hatten hier vier richtig gute Jahre, und sollten wir mal aufsteigen, werden wir das auch mit voller Überzeugung angehen“, ergänzt Pfeiffer. Aber man dürfe eben auch nicht vergessen, wer man sei. „Wir haben Hambergen nebenan, Bornreihe nebenan, Worpswede in der Nachbarschaft“, zählt Pfeiffer auf. Und die Jugendarbeit werde auch nicht einfacher – was übrigens für alle anderen Vereine auch gelte. Genau jener Nachwuchs fehlt dem Klub aber nicht nur in diesem, sondern auch im nächsten Sommer. Mindestens zwei Jahre wird es dauern, bis wieder Jugendspieler in die Herren wechseln können. „Der Kader ist jetzt schon nicht allzu groß und zuletzt ja sogar noch kleiner geworden“, sagt Enrico Berneking mit Blick auf die jüngsten Winterabgänge. Mit dem 30-jährigen Christian Roschen und Youngster Lasse Harder (19) haben zwei wichtige Akteure den Verein verlassen.

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Zu allem Überfluss schießen über den plötzlichen und durchaus überraschenden Abgang der beiden Leistungsträger wilde Gerüchte ins Kraut. So war die Trennung von beiden wohl keinesfalls gewollt, am Ende aber aufgrund interner Vorkommnisse unausweichlich. Während sich Roschen dem TSV Worphausen (1. Kreisklasse) anschließt, sucht Harder bei Klassenkonkurrent FC Worpswede eine neue Herausforderung. Und Berneking? Der bräuchte – um an seinen ehrgeizigen Zielen festhalten zu können – dringend Verstärkung. Spätestens im Sommer. „Wir werden beim TSV Neu Sankt Jürgen aber keine fünf, sechs Spieler einkaufen“, sagt Karsten Pfeiffer. Und damit stand die Entscheidung Bernekings fest. Der wird seinen Pass übrigens beim TSV lassen und plant, auch weiterhin für die Ü32 des Vereins aufzulaufen.

„Ich habe mich wirklich sehr schwergetan mit dieser Entscheidung, aber jetzt hat der Verein genug Zeit, sich neu aufzustellen.“ Er selbst sei offen für neue Engagements und würde gerne ab Sommer wieder irgendwo als Trainer arbeiten. Unterdessen muss Karsten Pfeiffer nun auf Trainersuche gehen. „Wir möchten natürlich auch weiterhin im oberen Drittel der Kreisliga dabei sein“, stellt der 1. Vorsitzende klar und ergänzt: „Wir haben eine wirklich starke zweite Herren und sogar eine dritte Mannschaft.“ Und eine Sportanlage, um die der Klub von so manchem Verein beneidet wird. Für Enrico Berneking reichten diese Argumente allein aber offenbar am Ende nicht mehr aus.

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