Amtsgericht verurteilt 55-Jährigen Beschimpfungen auf dem Parkplatz

Weil er einen anderen Autofahrer beleidigt hat, ist ein 55-Jähriger aus Neu St. Jürgen vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Hinzu kommt eine Führerscheinsperre wegen Trunkenheit am Steuer.
13.01.2020, 21:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Friedrich-Wilhelm Armbrust

Worpswede/Osterholz-Scharmbeck. Ein Ehepaar aus Neu St. Jürgen wollte Anfang September im vergangenen Jahr zu einem Verbrauchermarkt in Worpswede fahren. Im Bereich Fichtenweg/Am Kniependamm war allerdings die Tour erst einmal für kurze Zeit zu Ende. Mitten auf der Straße stand ein Kleinbus. „Ich habe gewartet und gehupt. Dann habe ich gesehen, wie jemand wutentbrannt in den linken Außenspiegel blickte“, sagte der 58-jährige Zeuge und Berufskraftfahrer über den Kleinbusfahrer vor ihm aus.

Nachdem der Kleinbusfahrer, ein 55-Jähriger, ebenfalls aus Neu St. Jürgen, dann doch anfuhr, sei es zu weiteren Provokationen gekommen, so der Zeuge. Er nannte gemächliches langsames Fahren vor ihm und ausgiebiges Gucken vor dem Einbiegen in die vorfahrtsberechtigte Straße. „Ich habe dann zum Überholen angesetzt. Da fuhr er wie Feuer in Richtung Worpswede.“

1,65 Promille im Blut

Auf dem Parkplatz des Verbrauchermarktes kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung. „Das wäre Nötigung gewesen. Er dürfe da wohl noch stehen und sich unterhalten. ,Ich hol gleich meinen Hund aus dem Auto'", hat er gesagt“, so der 58-Jährige. Und schließlich sei gebrüllt worden: „Du bist das größte A…, das ich kenne.“

Das Ehepaar benachrichtigte schließlich die Polizei. Die Beamten trafen den Kleinbusfahrer zu Hause an. Dabei stellten sie einen Atemalkoholgehalt von 1,63 Promille fest. Der anschließend auch gemessene Blutalkoholgehalt betrug 1,65 Promille. Deshalb hatte sich der 55-Jährige jetzt im Amtsgericht wegen Trunkenheit im Verkehr und Beleidigung zu verantworten.

Er hatte allerdings eine andere Version der Ereignisse parat. Er habe nicht gesehen, dass hinter ihm ein Auto gewesen sei, so der Kleinbusfahrer. „Der hat dann aggressiv gehupt.“ Die Beleidigung auf dem Parkplatz räumte er ein und entschuldigte sich noch im Gerichtssaal dafür. Auch dass er alkoholische Getränke wie Wein zu sich genommen habe, gab er zu. Die wollte er aber erst zu sich genommen haben, als er von seiner Tour von Worpswede nach Neu St. Jürgen zurückgekehrt sei. „Das war Frusttrinken. Ich hatte erfahren, dass meine Schwester erkrankt ist.“

Zum Haltevorgang Am Kniependamm sagte der 55-Jährige, dass er sich mit einer 28-jährigen Bekannten unterhalten habe. Die bestätigte als Zeugin das Gespräch. Allerdings sei sie für das Ehepaar, weil sie weit in einer Einfahrt stand, nicht erkennbar gewesen.

Strafrichterin Johanna Kopischke und Staatsanwalt hatten zu klären, ob der Angeklagte denn schon vor Fahrtbeginn oder erst nach Fahrtende Alkohol zu sich genommen hatte. Dafür dass er alkoholisiert ins Auto gestiegen war, sprach, dass die Ehefrau des 58-Jährigen als Zeugin angab, auf dem Parkplatz entsprechenden Geruch wahrgenommen zu haben „Der hatte eine beträchtliche Fahne.“ Mit Verteidiger Jochen Busch demonstrierte sie, dass der Abstand zwischen ihr und ihrem angeklagten Mitbürger zwischen 80 Zentimeter und einem Meter betragen habe.

Das Gericht hörte weiter eine Nachbarin des Angeklagten als Zeugin an. Die 32-Jährige hatte sich kurz vor der Abfahrt noch mit dem 55-Jährigen unterhalten. „Wir haben nur ein paar Worte gewechselt.“ Ihr Nachbar sei nicht betrunken gewesen, war sie sich sicher. „Wenn ich das sehe, das rieche, hätte ich nie jemand fahren lassen.“ Ebenfalls bestätigte zuvor die 28-jährige Zeugin, dass ihr Bekannter bei dem Gespräch „einen ganz normalen Eindruck“ gemacht habe.

Plädoyer fruchtet nicht

Bei dem Angeklagten lagen noch keine Eintragungen im Bundeszentralregister vor. Das sprach einmal für ihn. Der Staatsanwalt war aber sicher, dass eine Trunkenheitsfahrt vorgelegen habe. Er beantragte eine Gesamtstrafe für Trunkenheit im Straßenverkehr und Beleidigung von 50 Tagessätzen zu 50 Euro, 2500 Euro. Dazu sollte noch eine neunmonatige Führerscheinsperre kommen. Frühestens nach neun Monaten kann der Worpsweder seinen Führerschein zurückbekommen. Da die Fahrerlaubnis schon eingezogen wurde, gilt die Sperrfrist von September 2019.

Verteidiger Busch sagte in seinem Plädoyer, dass die Beleidigung eingeräumt worden sei. „Doch eine Trunkenheitsfahrt kann nicht nachgewiesen werden.“ Warum sollten die beiden Zeuginnen zugunsten des Angeklagten ausgesagt haben?, fragte er.

Strafrichterin Kopischke schloss sich dem Antrag des Staatsanwaltes an. Sie verhängte die entsprechende Geldstrafe und die neunmonatige Sperrfrist für den Führerschein. Gesetzlich vorgeschrieben ist hier nun auch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) wegen des Blutalkoholgehalts von 1,6 Promille. Zu unterscheiden von einer Sperrfrist ist das Fahrverbot. Es kann für maximal sechs Monate verhängt werden. Danach wird dem Betroffenen der Führerschein automatisch wieder ausgehändigt.

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