Tischtennis Durch Corona ausgebremst: Der steile Aufstieg von Tischtennis-Talent Laurin Struß ist vorerst gestoppt

„Schwer zu sagen, wo ich stehe“, sagt Ausnahmetalent Laurin Struß. Das Nachwuchstalent schlägt erstmals in der Regionalliga auf, kann seine Form nach dem Abbruch aber kaum einschätzen.
11.04.2021, 15:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank Mühlmann

Die sportliche Entwicklung von Laurin Struß kannte jahrelang nur eine Richtung. In Windeseile ging es für das Tischtennis-Ausnahmetalent stets steil nach oben. 2015 erkannte man bei den Mini-Meisterschaften erstmals sein Potential. Nach einem halben Jahr beim SV Hüttenbusch schloss sich Laurin Struß dem TSV Worpswede an und stieg dort zu einem der besten Nachwuchsakteure bundesweit in seiner Altersklasse auf. Der Gang aufs Sportinternat in Hannover folgte, auch bei der TuSG Ritterhude war er nach anderthalb Spielzeiten in Landes- beziehungsweise Verbandsliga nicht mehr zu halten. Nun hat die Corona-Pandemie den rasanten Aufwärtstrend des 15-Jährigen jäh gestoppt, der dennoch motiviert bleibt und seine Ziele nicht aus den Augen verliert.

Die Saison 2020/21 sollte für Laurin Struß der nächste Schritt werden. Beim Regionalligisten MTV Celle wollte der Angriffsspieler seinem Traum, Tischtennis-Profi zu werden, ein weiteres Stück näherkommen. Doch bereits nach sechs Partien kam die Spielzeit im Oktober 2020 zum Stillstand und wurde mittlerweile bekanntermaßen gänzlich abgebrochen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Laurin Struß erwartungsgemäß noch etwas Lehrgeld bezahlen müssen. Im unteren Paarkreuz war er aus einem Dutzend Einzel lediglich zweimal als Sieger hervorgegangen. Dabei hatte er zur Premiere beim 3:1 gegen Nico Schulz vom Oldenburger TB sofort für ein Ausrufezeichen gesorgt. „Leider lief es danach nicht mehr so gut für mich“, erklärt der Teenager, der sich an die bessere Platzierung und sichere Spielweise seiner Gegner im Vergleich zur Verbandsliga erstmal gewöhnen musste. Das neue Spielsystem bescherte Struß immerhin– zumindest kurzzeitig – reichlich Spielpraxis, wäre er ansonsten, an Position fünf auflaufend, zum zweiten Einzel oftmals gar nicht mehr aufgerufen worden.

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Seit einem halben Jahr muss sich der sportliche Emporkömmling allerdings ausschließlich mit Trainingseinheiten zufrieden geben, weiß aber auch, dass er als Angehöriger des Bundeskaders im Sportinternat dabei ein großes Privileg genießt. „Wir müssen jede Woche einmal einen Corona-Schnelltest absolvieren, ansonsten hat sich während der Trainingseinheiten nichts verändert“, gibt Laurin Struß preis. Außerhalb der Turnhalle sieht dies jedoch schon etwas anders aus. Die Zimmer seiner Freunde im Internat sind aus Sicherheitsgründen für Struß tabu. Auch das Essen nimmt er alleine zu sich, nachdem er es zu genau getimten Zeiten aus der Küche abholen muss. Der weitere Alltag wird neben dem Sport vom Online-Unterricht und Homeschooling bestimmt. „Ich habe jeden Tag bis zu drei Stunden Videokonferenzen, hinzu kommen diverse Aufgaben. Das ist schon nicht so cool“, berichtet Struß, der deutlich lieber in der Schule lernen würde.

Wie es um seine sportliche Form aktuell bestellt ist, kann Struß kaum einschätzen: „Ich denke schon, dass ich mich in einigen Bereichen zuletzt verbessert habe. In meine Rückhand bekomme ich mehr Spin, meine Vorhand hat durch zusätzlichen Hüfteinsatz an Tempo gewonnen. Aber ohne Wettkämpfe ist es schwer zu sagen, wo ich stehe. Ernsthafte Trainingsduelle sind damit einfach nicht zu vergleichen.“ So bleibt ihm nur die Möglichkeit, sich bestmöglich auf die neue Saison vorzubereiten. „Dann will ich weiter attackieren“, zeigt sich Struß einerseits angriffslustig, erwähnt andererseits aber auch, dass es ihm ab und an durchaus schwerfalle, in diesen Zeiten die Motivation immer hochzuhalten.

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Dass ihn die Pandemie in seiner sportlichen Entwicklung zurückwirft, vermutet der Regionalligaspieler definitiv nicht. Wenn die neue Saison im Herbst starten sollte, will Laurin Struß auf jeden Fall weiterhin in Celle aufschlagen und sich häufig bereits in der „Mitte“ messen. „Fünf Siege möchte ich dann in der Hinrunde gewinnen“, erklärt er seine konkreten Ziele. Eigentlich wäre dies auch ein Podestplatz beim deutschen Top 24-Turnier der A-Schüler gewesen, doch dies ist aus bekannten Gründen immer wieder verschoben worden. Abseits des Tischtes träumt Struß selbstverständlich auch wieder von mehr Normalität: „Ich würde gerne einfach mit ein paar Freunden mal wieder in die Stadt gehen können oder in einem Freibad schwimmen.“

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