Rollendes Atelier

Einsatz für die Kunst

Ein Transit voller Ideen im Einsatz für die Kunst – das ist das neue Projekt der Worpsweder Kunstschule „Paula – lebendiger Galerieraum“: Ein ehemaliges Feuerwehrauto wird zum rollenden Atelier.
16.07.2019, 18:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer
Einsatz für die Kunst

Das Team der Worpsweder Kunstschule "Paula – lebendiger Galerieraum" präsentiert ihre Kunstfeuerwehr.

Lars Fischer

Worpswede. Mit 320 000 Kilometern auf der Uhr ist für die meisten Fahrzeuge das Ende nahe, wenn sie denn überhaupt so weit gekommen sind. Für den feuerroten Ford Transit der Kunstschule „Paula – lebendiger Galerieraum“ beginnt mit dieser imposanten Gesamtleistung noch mal ein völlig neuer Lebensabschnitt. Nicht, dass das Fahrzeug nicht schon viel erlebt hätte seit seiner Fertigstellung 1982, immerhin war es die meiste Zeit in Diensten der Feuerwehr Bassum. Nun aber hat es auf seine alten Tage eine ganz neue Aufgabe bekommen: Es ist zur Kunstfeuerwehr umgebaut worden und steht im Mittelpunkt eines neuen Projekts der Worpsweder Kunstschule.

„Wo brennt‘s“ ist die Überschrift zu den Aktionen, mit denen die beiden Projektleiterinnen Tonia Knotd und Lisa Schütz mit ihrem Team in den kommenden zwei Jahren rund um Worpswede unterwegs sein wollen. Solange hat der Transit erst mal TÜV. Sara Schwienbacher, Leiterin der Paula, hofft, auch danach weiter im Einsatz sein zu können. Dank Spenden der Lions Clubs aus der Region und Förderungen von verschiedenen Initiativen und Behörden sind die ersten 24 Monate komplett finanziert, das Auto ist abbezahlt. Denn trotz hohem Alter und Laufleistung werden Feuerwehrautos hoch gehandelt und sind schwer zu bekommen. Dieses kam über eine Bekannte, dies es nach seiner Außerdienststellung gekauft hatte, zur Paula. Nun ist es bereit für neue Aufgaben: Die Feuerwehr kann ausrücken, ohne dass sie ihre Einsätze in Rechnung stellen muss.

Ein Transit voller Ideen

Weitere Kooperationspartner sind die Ottersberger Hochschule für Kunst im Sozialen und die Worpsweder Feuerwehr. Tatsächlich sollen die Projekte der Kunstfeuerwehr nicht zwangsläufig Themen der echten Brandbekämpfer aufgreifen, aber Verknüpfungen sind durchaus gewollt. So wird der Kleintransporter auch immer mal wieder bei Kinder- und Jugendfeuerwehren Station machen. Was er dann mitbringt, kann ganz unterschiedlich sein. Der Laderaum ist mit zahlreichen Boxen ausgestattet, in die Material für verschiedene Kunstaktionen passt. So kann wie bei der Präsentation des Fahrzeugs eine mobile Werkstatt zum T-Shirt-Druck anrücken, aber auch Maskenprojekte, Tonarbeiten, Kostüme und Straßentheater, Tanz- oder Musikperformances sind denkbar. Das Konzept geht davon aus, dass Formate und Inhalte auf die jeweiligen Standorte reagieren sollen. Die Frage „Wo brennt‘s“ wollen die Initiatoren im übertragenen Sinn stellen und beantwortet bekommen. Das Projekt wendet sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche, die die Impulse für die Arbeit vor Ort geben. Die Idee ist, mit dem fahrenden Atelier Kunst in ländliche Gebiete, die sonst wenig bis gar nichts damit zu tun haben, zu bringen. Diese soll nicht von außen aufgesetzt sein, sondern sich mit Problemen und Themen dieser Lebenswelten befassen. Um im Bild zu bleiben: Schwienbacher will ordentlich Alarm machen, Kunstbrände entzünden und sie gleichzeitig löschen. Sie ist überzeugt, mit dem Transit hat sie dafür den perfekten Hingucker.

Ob auch die Kunstfeuerwehr ein Blaulicht haben darf, muss allerdings noch geklärt werden. Noch thront es auf dem Dach des restaurierten Wagens, allerdings vorsichtshalber ohne Glühlampe. Sonderrechte für Einsatzfahrten gibt es in der Kunst sicherlich nicht. Dafür treibt die Verantwortlichen noch eine andere Frage um: Wo ist der Oldtimer sicher zu parken, wenn er nicht im Einsatz ist? Sie suchen einen Stellplatz in Worpswede. Die Einsatzorte sollen sich im Umkreis von rund 25 Kilometern dazu befinden. Ob man zukünftig die Feuerwehr auch für private Anlässe buchen kann, sei noch offen, so Sara Schwienbacher. Sie hofft nach der ersten Förderperiode das Projekt verstetigen zu können, eventuell eben auch mit solchen Geschäftsmodellen. Und natürlich muss dann der TÜV wieder mitspielen.

Info

Zur Sache

Programm „Wo brennt's ?“ Juli bis September 2019:

Sonnabend 20. Juli, 10 Uhr: Wochenmarkt Worpswede

Sonntag, 21. Juli, 16 Uhr: Schützenfest Hüttenbusch

Sonnabend, 27. Juli, 14 Uhr: Otterstedter See

Sonntag, 28. Juli, 14 Uhr: Hammestrand, Worpswede

Sonnabend, 3. August, 10 Uhr: Flohmarkt Grasberg

Sonnabend, 10. August, 10 Uhr: Sommerflohmarkt Jeersdorf

Sonnabend, 17. August, 16 Uhr: Hammenacht, Neu Helgoland, Worpswede

Donnerstag, 22. August, 16 Uhr: Kinderfeuerwehr Neu Sankt Jürgen

Sonnabend, 24. August, 14 Uhr: Sommerfest, Quelkhorn

Sonntag, 25. August, 15 Uhr: Jugendzentrum Scheune, Worpswede

Sonnabend, 7. September, 10 Uhr: Flohmarkt, Grasberg

Sonntag, 8. September, 11 Uhr: Bauernmarkt, Worpswede

Dienstag, 10. September, 16 Uhr: Kinderfeuerwehr Hüttenbusch

Freitag, 27. September, 15 Uhr: Ottersberger Herbstmarkt

Sonnabend, 28. September, 10 Uhr: Flohmarkt Rotenburger Werke

Sonntag, 29. September, 15 Uhr Klimansland, Rüspel

Weitere Informationen unter www.instagram.com/kunstfeuerwehr

Weitere Informationen

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