Elektroverkauf Behrens "Ich schaffe das nicht allein"

Nach mehr als 60 Jahren schließt das Ladengeschäft Hans Behrens Elektroinstallation in Worpswede seine Türen. Der Handwerksbetrieb läuft weiter, allerding nur einige Monate im Jahr.
22.09.2022, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Sandra Bischoff

Worpswede. Die Ladenglocke klingelt heute zum letzten Mal im Geschäft von Hans Jörg Behrens. Nach mehr als 60 Jahren ist Schluss mit dem Verkauf von Elektrogeräten an der Osterweder Straße in Worpswede. Der Handwerksbetrieb "Hans Behrens Elektroinstallation" läuft allerdings eine begrenzte Zeit im Jahr weiter.

"Es macht einfach keinen Spaß mehr", sagt Inhaber Behrens. Und damit meint der 57-Jährige nicht die Arbeit an sich. Den Kontakt zu den Kunden habe er immer gemocht, sagt er. Aber die äußeren Bedingungen machten das Überleben für einen kleinen Betrieb zunehmend schwerer.

Betrieb von den Eltern übernommen

Am 5. Mai 1955 hatten Hans und Anne Meta Behrens den Betrieb für Elektro, Heizung und Sanitär gegründet. "Das Handwerk stand im Vordergrund, meine Mutter kümmerte sich um den Verkauf im Laden", berichtet der Sohn. Das Geschäft brummte. "In den 1950er-Jahren gab es einen großen Bedarf an Elektrogeräten." Aber auch Töpfe, Pfannen und Lampen konnten die Kunden in den ersten Jahren an der Osterweder Straße kaufen. Am 1. Juli 1992 übernahm Sohn Hans Jörg mit seiner damaligen Frau Nicole Behrens-Grabinski die Firma. Der Elektroinstallateur- und Heizungsmeister war zwischenzeitlich Chef von zehn Mitarbeitern. "Mit dem Handwerksbetrieb haben wir unser Geld verdient", sagt Behrens. Heute steht er ohne Mitarbeiter da. "Wir sind nicht mehr zeitgemäß", lautet seine Einschätzung.

Lieferzeiten bis zu einem halben Jahr

Der Betriebswirt des Handwerks zählt auf, wo die Probleme liegen. "Mit Corona ging es los, dieses ganze Rauf und Runter, wer wann wie öffnen darf." Mit der Pandemie kamen die nach wie vor langen Lieferzeiten. "Wir haben eine ganz schlechte Versorgung bei Elektroartikeln und müssen Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr einkalkulieren." Und auch die Kosten spielen eine Rolle. "Im Internet sind die Preise für Artikel zum Teil geringer als die, für die wir als Betrieb einkaufen können", kritisiert Behrens. "Das ist nicht fair, ist aber leider schon lange so." Hinzu komme der Verkaufsdruck, denn der Umsatz stehe für die Firmen, deren Produkte er im Regal seines Geschäfts stehen hat, im Vordergrund. "Wenn man als Einzelhändler nicht eine gewisse Summe erzielt, fliegt man raus. Da hat man als kleiner Betrieb keine Chance, und deswegen glaube ich auch, dass in Zukunft noch mehr Läden hier im Ort aufgeben werden. Und dafür habe ich vollstes Verständnis: Wir Kleinen verdienen einfach zu wenig Geld."

Und dann der Fachkräftemangel: Von den zwei Mitarbeitern, die Behrens beschäftigte,  habe einer gekündigt. Als dann noch die Kollegin, die sich um den Laden gekümmert hat, länger ausfiel, war für Behrens klar: "Ich höre auf. Ich schaffe das nicht allein, denn ich kann nicht vormittags den Laden schmeißen, mich nachmittags um den Handwerksbetrieb kümmern und abends die Buchhaltung machen." Personal zu finden, sei nahezu unmöglich. "Das will keiner mehr machen."

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Betriebspause im Winter

Für Elektroarbeiten und Reparaturen an Heizungs- und Sanitäranlagen fährt der Meister weiterhin zu seinen Kunden, allerdings nur im Frühling und Sommer. Von Oktober bis April arbeitet Behrens nicht. Seine Entscheidung sei lange gereift, erklärt der Handwerker. Und es gehe ihm gut damit. Auch die Kunden zeigten Verständnis. "Jetzt habe ich endlich Zeit und Energie für die Menschen um mich herum", sagt der 57-Jährige. Fast den gesamten Winter will er in Spanien verbringen, wo er schon öfter gewesen sei und viele Kontakte habe. Außerdem habe er Lust, Italienisch zu lernen und sich auch in anderen Bereichen weiter fortzubilden. "Das Leben besteht aus Veränderungen. Manche Dinge entwickeln sich mit der Zeit, und dann muss man loslassen können."

Zur Sache

Entlastung für Handwerksbetriebe

Neben dem Fachkräftemangel haben Betriebe zurzeit unter den hohen Energiepreisen zu leiden. Deshalb fordert die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen eine schnelle Entlastung. „Wir erwarten, dass hart betroffene, energieintensive Handwerksbetriebe eine schnelle, angemessene und unbürokratische Entlastung erhalten. Da sich nahezu alle Parteien einig sind, sollte die Entscheidung nicht länger auf die lange Bank geschoben werden. Es besteht wenig Verständnis dafür, dass kleine Betriebe nicht von vornherein neben den energieintensiven Großunternehmen im politischen Fokus gestanden haben. Dieser Fehler ist schnell zu korrigieren, und auf ein taktisches, politisches Geplänkel auf Landes- und auf Bundesebene zu verzichten“, sagt Hauptgeschäftsführerin Hildegard Sander.

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