Künstlerhäuser Worpswede

Filmemacherin beleuchtet Werk Bernhard Hoetgers

Die israelische Filmemacherin und Künstlerin Karen Russo hat sich mit stark ideologisch geprägten Arbeiten Bernhard Hoetgers auseinandergesetzt. Jetzt ist eine Dokumentation dazu erschienen.
12.12.2019, 13:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer
Filmemacherin beleuchtet Werk Bernhard Hoetgers

Karen Russos Buch "Haus Atlantis".

Lars Fischer

Das Werk Bernhard Hoetgers hat die israelische Filmemacherin und Künstlerin Karen Russo fasziniert und über Jahre beschäftigt. 2015 und 2016 war sie in Worpswede in den Künstlerhäusern zu Gast und hat an zwei Filmprojekten sowie einer Ausstellung in der Großen Kunstschau gearbeitet. Jetzt haben die Künstlerhäuser die Arbeiten Karen Russos in einer großformatigen Buchveröffentlichung dokumentiert.

Unter dem Titel „Haus Atlantis“ ist der 128 Seiten starke Band im Din-A4-Format erschienen. Er beschäftigt sich mit dem gleichnamigen Filmprojekt Russos und dem im selben Jahr entstandenen Werk „Tet Stadt“, außerdem enthält er drei begleitende Texte von Sarah James, Tom Morton und Katharina Groth in deutscher und englischer Fassung sowie zahlreiche Standbilder aus den Filmen, Abbildungen von Hoetgers weiteren Werken und historische Fotografien.

Karen Russo, 1974 in Tel Aviv geboren und in London zu Hause, hat sich vor allem in „Haus Atlantis“, Hoetgers zentralem Bauwerk in der Bremer Böttjerstraße, mit der Verbindung von Architektur und Ideologie beschäftigt. Zur expressionistischen Backsteinbauweise aus den 1920er-Jahren gesellten sich Motive nordischer und ägyptischer Mythologie. Sowohl Hoetger wie auch sein Mäzen und Auftraggeber Ludwig Roselius folgten den wirren Theorien des nationalsozialistischen Wissenschaftlers Herman Wirth. Russo verbindet dazu historische und aktuelle Filmaufnahmen mit Science-Fiction-Elementen.

Auch ihre zweite Arbeit beschäftigt sich mit einem Bauprojekt Hoetgers. 1914 plante er in einem stark ägyptisch geprägten Stil eine Siedlung für den Keksfabrikanten Bahlsen, die sogenannte „Tet-Stadt“, die allerdings nie realisiert wurde. Auch das Modell existiert nicht mehr, aber es gab Fotos und Pläne davon, die Russo für eine Rekonstruktion verwenden konnte. Auch hier hat sie Szenen aus einem anderen Film, der 1939 gedrehten Dokumentation „Germanen gegen Pharaonen“, eingewoben.

Das Buch beleuchtet beide Projekte und zeigt, wie die Israelin die stark von Ideologie und mystischer Verklärung geprägten Arbeiten interpretiert und ihnen eine eigene, künstlerische wie politische Haltung gegenüber stellt. „Historisierende Piraterie“ nannte Tim Voss, der Karen Russo als damaliger Leiter der Künstlerhäuser nach Worpswede eingeladen hatte, ihre Arbeitsweise. Sie macht die Faszination für die bis heute fremd wirkende Ästhetik Hoetgers deutlich, räumt aber gleichzeitig mit dem Überbau aus völkischen Ideen radikal auf.

Russo geht es nicht darum, Legenden und Mythen als Nährboden des Faschismus darzustellen, sondern der Faszination jenseits der propagandistischen Dimension nachzuspüren. „Das mag manchmal provokativ wirken, aber in diesen Bildern liegt eine
enorme Kraft und Schönheit, eine heidnische Macht, wenn man so will“, sagt sie. Ihre Projekte zielen auf die Komplexität und die Widersprüche in der Überschneidung von Mythos, Irrationalität, Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Karen Russo: „Haus Atlantis“, herausgegeben von den Künstlerhäusern Worpswede, ist zum Preis von 24 Euro im Buchhandel unter der ISBN-Nummer 978-3-9821046-0-7 oder per E-Mail an office@kh-worpswede.de erhältlich. Die Auflage ist auf 500 Stück limitiert.

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