Haus im Schluh in Worpswede

Französisches Flair der 60er-Jahre

Hans-Herman Rief kannte die Künstler und Friedrich Netzel stellte sie aus. So kamen Jean Cocteau, Henri Matisse, Bram van Velde oder Max Ernst nach Worpswede. Eine Ausstellung erinnert an die Zusammenarbeit.
20.07.2019, 11:43
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Von Donata Holz
Französisches Flair der 60er-Jahre

In einer Kabinettausstellung blickt das Haus im Schluh auf die erfolgreiche Zusammenarbeit von Hans-Herman Rief und Friedrich Netzel zurück.

Christian Kosak

Worpswede. Es war das Werk Paula Modersohn-Beckers, das den jungen Kunsthistoriker Hans-Herman Rief 1936 erstmals nach Worpswede führte. Dieser erste Besuch war folgenreich – für Rief und für Worpswede. Der Künstlerort wurde ab 1946 zu seiner zweiten Heimat und der Galerist Friedrich Netzel zu einem Freund. Durch seine Kontakte nach Paris war es Rief möglich, die französische Moderne in die Galerie Netzel zu bringen. An die inspirierende und fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Kunstfreunde erinnert jetzt eine Kabinettausstellung im Haus im Schluh.

Bei seinem ersten Aufenthalt in Worpswede kam Hans-Herman Rief, der aus Dittmarschen stammte, in das Haus im Schluh. Er hatte Literatur und Kunstgeschichte in München und Kiel studiert und begeisterte sich für das Werk Vogelers. Aus dem von Martha Vogeler gesammelten Bestand an Kunstwerken, Materialien, Schriftstücken und Büchern gründete er das Worpsweder Archiv. Es wurde zu der wichtigsten Sammlung über die Worpsweder Kunst und damit Anlaufstelle für Studenten und Autoren. Rief erstellte das Werkverzeichnis der Radierungen und Exlibris Heinrich Vogelers und hat selbst Ausstellungen kuratiert.

Durch einen Auftrag, den französischen Reiseführer Baedecker zu überarbeiten, lernte Hans-Hermann Rief Künstler wie Jean Cocteau, Henri Matisse, Bram van Velde und Max Ernst kennen. Er knüpfte intensive Verbindungen in Paris und hielt sich fortan stets einige Monate des Jahres in der französischen Metropole auf. Durch seine engen Kontakte konnte er die Künstler dafür gewinnen, in Worpswede auszustellen. So fand in den 1950er-Jahren in der Galerie Netzel die erste Ausstellung von Max Ernst nach dem Krieg in Worpswede statt.

Mit dem Bremer Grafikerbüro Haase und Knels sowie Werner Rhode, Fotograf und Hinterglasmaler, bildete Rief ein erfolgreiches Kuratorenteam. Viele der Ausstellungsplakate haben die Künstler selbst gestaltet. Gedruckt wurden sie in der Pariser Werkstatt der Brüder Mourlot. Plakate von Jean Cocteau, Henri Matisse, Juan Miró und Picasso wurden zu begehrten Sammelobjekten. Hans-Hermann Rief war ein leidenschaftlicher Sammler dieser Plakate, die auch Ausstellungen in Frankreich ankündigen. Ein Teil davon ging mit seinem Nachlass in die Sammlung des Hauses im Schluh über.

Diese Grafiken bestimmen die Ausstellung im Schluh und zeugen auch von dem internationalen Flair, das durch Rief in der Kunsthalle Netzel herrschte und damit Worpswede als einen Ort aktueller Kunst festigte. So kündet etwa ein surrealer Vogel mit einem Fisch im Arm von einer Ausstellung, die von Mai bis Juli 1967 Grafiken von Max Ernst zeigte. 1971 war das grafische Werk von Jean Messagier zu sehen. Auch Ausstellungen mit dem Werk des Niederländers Bram van Velde wurden gezeigt. Er, der als junger, noch erfolgloser Künstler nach Worpswede kam, feierte in den 1960er-Jahren internationale Erfolge mit Ausstellungen von Paris bis New York.

In seinen ehemaligen Wohnräumen im Schluh wird Hans-Herman Rief selbst wieder lebendig. Neben zahlreichen Plakaten und Dokumentationen über die verschiedenen Ausstellungen, sind Fotos sowie sein Bildnis von Lisa Meyer Krose zu sehen. Ganz präsent ist Rief, der 2009 100-jährig starb, in einem Film, in dem er selbst zu Wort kommt und über sein Leben und das Haus im Schluh spricht. So dokumentiert die Ausstellung nicht allein die fruchtbare Zusammenarbeit von Friedrich Netzel und Hans-Herman Rief, sondern lässt heute noch den Geist des Kunstkenners spüren.


Die Ausstellung „Hans-Herman Rief , Fritz Netzel und die Worpsweder Kunsthalle“ ist bis zum 3. November im Haus im Schluh , Im Schluh 35 bis 37 in Worpswede, zu sehen. Öffnungszeiten: Montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr.

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