Worpsweder Ausstellung Gästebuch-Eintrag im Nazi-Jargon

Als „entartete Kunst“ hat ein Unbekannter die Ausstellung von Dagmar Calais in Worpswede beschimpft. Seinen Gästebucheintrag unterzeichnete er zudem mit „A. Hitler“. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung.
26.02.2020, 17:00
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Von Lars Fischer

Worpswede. Es geht um Sagen und Mythen, Legenden und Helden vergangener Zeiten, die Dagmar Calais aktuell bei einer Ausstellung des Neuen Worpsweder Kunstvereins (NWWK) im Hotel Village im modernen Kontext zeigt. Um die Heldenverehrung des Dritten Reichs geht es auf ihren Bildern definitiv nicht, und so fand ein noch unbekannter Besucher offenbar wenig Gefallen am Dargestellten. Er schrieb ins Gästebuch der Ausstellung: „Entartete Kunst, wohin mein Führerauge blickt! gez. A. Hitler. Berlin, 1945“.

Entdeckt wurde der Eintrag am vergangenen Sonntag, als Calais für ein Künstlergespräch vor Ort war. Entstanden sein muss er zwischen dem 31. Januar und 23. Februar, wann genau, ließ sich bisher nicht feststellen. Der NWWK hat Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet, die Polizei ermittelt derzeit, wie ihr Sprecher Jürgen Menzel auf Nachfrage mitteilt. Er bittet mögliche Zeugen, sich bei den Beamten in Worpswede unter der Telefonnummer 04792/ 12 35 zu melden.

„Wenn von ,Entarteter Kunst' im Zusammenhang mit der Malerei und insbesondere von den Projekten von Dagmar Calais gesprochen wird, ist das ein ungeheuerlicher Vorgang“, so Gudrun Grobholz, Sprecherin des NWWK. Sie verweist vor allem auf die gerade parallel laufende Ausstellung der Künstlerin in der Gedenkstätte des früheren Konzentrationslagers Theresienstadt. Dort beschäftigt sich Calais mit dem Thema der Deportation Bremer Juden nach Terezín.

Dagmar Calais selber hat eine persönliche Stellungnahme abgegeben. Dort schreibt sie: „Was mich betroffen macht, ist der unsägliche Geist, der sich mir durch diesen Gästebucheintrag vermittelt, und den ich nach den grauenhaften Verbrechen der Nationalsozialisten überwunden glaubte.“ Das Erstarken der rechten Kräfte, „die tagtäglichen Meldungen neuer Scheußlichkeiten, die Verrohung der Sprache und die immer tiefer liegende Schwelle zu Hassreden und Beleidigungen“ wiesen in eine Richtung, die weit weg sei von ihrer Sicht auf Mensch und Gesellschaft. Von den Nazis wurden jene „entarteten Künstler“ mit Malverbot belegt – das fordere auch der Kommentator im Gästebuch, so Calais. Es gelte, diesem NS-Jargon die Stirn zu bieten.

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