Worpswede verliert ein Ausstellungszentrum Galerie Art99 schließt ihre Türen

Die Galerie Art99 im Kunstcentrum Alte Molkerei in Worpswede wird geschlossen. Sie wurde vor 20 Jahren von Künstlern gegründet, die dort in Eigeninitiative Ausstellungen organisierten.
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Von Donata Holz

Worpswede. Im August 1999 schloss sich eine Gruppe von Künstlern zusammen, um eine eigene Galerie, die Art99 zu gründen. Im Kunstcentrum Alte Molkerei fanden sie die geeigneten Räume und betrieben dort in Eigeninitiative eine lebendige Ausstellungstätigkeit. Doch jetzt, nach 20 Jahren, werden sich die Türen der Galerie schließen. Unter dem Titel „Der letzte Vorhang“ eröffnen die Künstler im November zum letzten Mal eine gemeinsame Ausstellung.

Die Möglichkeit, gemeinsam zu arbeiten und sich gegenseitig zu inspirieren, war ein wichtiger Impuls, der damals zu dem Zusammenschluss führte. Die Künstler, die alle Mitglieder des BBK (Berufsverband Bildender Künstler) sind, nutzten die Chance, sich durch den wechselseitigen Austausch weiter zu entwickeln und dabei regelmäßig ausstellen zu können. Gleichzeitig nahmen sie Kontakte zu anderen Künstlergruppen aus Orten wie Ingolstadt, Aachen, Dortmund und Gols bei Wien auf. Sie luden die Kollegen zu Dialogausstellungen nach Worpswede ein und präsentierten auch ihre Arbeiten in den Partnerorten. Auf diese Weise entwickelte sich eine erfolgreiche Ausstellungstätigkeit.

Das wäre alles ohne den Einsatz und die Eigenfinanzierung der Künstler nicht möglich gewesen. Fast alles, so, die zweite Vorsitzende des BBK, Ingrid Steckelberg, habe man aus eigenen Mitteln finanziert. Dazu kamen die Arbeitsleistungen wie die Organisation und die Dienste in der Galerie. Bislang haben die Mitglieder dieses Belastungen gemeinsam getragen. Doch alters- und krankheitsbedingt ist das für einige nicht mehr möglich.

Auf der Internetseite der Galerie macht Karin Bison-Unger deutlich, dass ebenso der Wandel des Publikums zu der Entscheidung geführt hat. Sie nimmt wahr, dass Worpswede ein Publikum mit anderen Prioritäten erlebt. “Zeitgenössische Kunst wird zwar gern angeschaut, aber nur wenig als Original erworben.“ So könne ohne Sponsoring diese Art der Kunstpräsentation nicht mehr überleben. Die Räume wurden zum Ende des Jahres gekündigt, wie es weiter geht, ist noch nicht geklärt. Gespräche, unter anderem mit der Gemeinde, sollen geführt werden, doch klare Konzepte liegen noch nicht vor.

„Die Zahl 20, Titel unserer vorletzten Ausstellung, steht symbolisch für Wiedergeburt, tiefgreifenden Wertewandel, Erwachen und geistiges Fortschreiten...“, schreibt Karin Bison-Unger. Gemäß dieser Symbolik werden die Künstler ihre Wege individuell fortsetzen. Bevor die Ausstellung „Der letzte Vorhang“ am 17. November eröffnet wird, stellen die Mitglieder die Räume der Kunst- und Filmbiennale zur Verfügung, die unter dem Titel „Kultur schafft Vertrauen“ am 25. Oktober mit Werken russischer Künstler eröffnet wird.

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