Gartenausstellung in Worpswede

Statement gegen den trüben Alltag

Keramik und Schmuck in Worpswede: Ingrid Ripke-Bolinius und Cornelia Frahm laden zur gemeinsamen Gartenausstellung ein
14.08.2020, 20:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine von der Decken
Statement gegen den trüben Alltag

Cornelia Frahm (links) und Ingrid Ripke-Bolinius präsentieren am Wochenende gemeinsam ihre Goldschmiede- und Keramik-Arbeiten.

Sabine von der Decken

Worpswede. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Weil dieses Jahr der Keramikerin Ingrid Ripke-Bolinius so einiges abforderte, stellte sie ihren Jahresplan um und lädt nun zu einer Ausstellung in ihren Garten am Albert-Schiestl-Weg 12 in Worpswede ein. Alle Keramik- und fast alle Kunsthandwerkermärkte wurden für dieses Jahr abgesagt. „Das ist doch unsere Existenz“, macht die Kunsthandwerkerin deutlich. Der Herausforderung, neue Wege zu beschreiten und andere Vermarktungskonzepte entwickeln zu müssen, stellt sich die Worpsweder Keramikerin mit einem neuen Online-Shop und mit der an diesem Wochenende stattfindenden Gartenausstellung. Ihr Berufsleben sei in diesem Jahr auf den Kopf gestellt worden, weil so viele Veranstaltungen abgesagt worden seien.

Ganz ähnlich geht es der Goldschmiedin Cornelia Frahm, die in Bleckede an der Elbe lebt und arbeitet. Normalerweise hätte sie ihre Arbeiten in diesem Jahr bereits auf sieben Märkten gezeigt. Aktuell sind es gerade mal zwei Ausstellungen: Eine davon fand in ihrem eigenen Garten statt, die nächste ist an diesem Wochenende in Worpswede bei Ingrid Ripke-Bolinius.

„Als Kontrapunkt gegen die perspektivlose und depressive Zeit“ gestaltete Ripke-Bolinius für die Ausstellung unter freiem Himmel Variationen ihrer Formensprache mit fröhlichen Farben. Gelb, orange und rot leuchten den Besuchern bereits beim Betreten des Gartens die für Ripke-Bolinius typischen Schultergefäße entgegen. Ihrer in Anlehnung an die Natur entsprungene Formensprache ist sie treu geblieben, die für Künstler und Freischaffende schwierige Zeit aber animierte sie zu starker Farbigkeit. Sie drehte, verformte und setzte zusammen, bis weiche, runde, fließende und sehr farbintensive, an tropische Fische erinnernde Gefäße entstanden. „Es ist wieder ganz anders, aber ich bin erkennbar“, erklärt sie. In ihren Arbeiten spiegele sich ihr Inneres und zeige sich nach außen.

„Hauptsache wir können überhaupt etwas machen“, sagen sich die beiden Künstlerinnen. Wegen Corona findet die Gemeinschaftsausstellung von Keramikerin und Goldschmiedin unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen in diesem Jahr nur unter freiem Himmel statt. Für die Worpsweder Keramikerin ist ihre eigene, spontan auf die Beine gestellte Ausstellung erst die dritte Ausstellung in diesem Jahr. Normalerweise hätte sie bereits auf 15 Märkten ihre Gefäße gezeigt.

Bei einem Spaziergang an der Elbe wurde die Idee zur Gartenausstellung geboren. Und so ist auch Cornelia Frahm glücklich, ihren Schmuck, den sie mit 2000 Jahre alten Glasperlen, Korallen und 900er-Gold gestaltet, nun wieder präsentieren zu können. Der satte Goldton verstärkt nicht nur die Farbe der alten Korallen, sondern auch die Farbigkeit der Jahrtausende alten Perlen.

Frahms Spezialität ist die Verbindung von Gold und Silber. Vorbilder, nach denen sie arbeitet, habe sie nicht, sagt sie. Ihrem Schmuck wird trotz alledem eine archaische Ausstrahlung nachgesagt. „Die Formen sind modern“, kontert die Goldschmiedin, deren Schmuckgestaltung ganz im Hier und Jetzt angesiedelt sei, wie sie betont, obwohl sie alte Materialien verwende. Dass die Künstlerin Farbe liebt, spiegelt die Auswahl der Materialien deutlich. Die von ihr angewendeten Techniken sind traditionell und durch Sägearbeiten und Zieselierungen bestimmt. Cornelia Frahm verwendet dafür nur wenige Werkzeuge und wenig Chemie. Um den Goldabbau nicht mit zu unterstützen, legiert sie für ihre Schmuckstücke altes Gold.


Für diesen Sonnabend und Sonntag, 15. und 16. August, lädt Ingrid Ripke-Bolinius mit der Gastausstellerin Cornelia Frahm nach Worpswede zur Gartenausstellung in den Albert-Schiestl-Weg 12 ein. Geöffnet ist jeweils von 11 bis 18 Uhr.

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