Künstler unter sich Gemalte Lieder, gesungene Bilder

Maler trifft Musiker: Die beiden Worpsweder Frank Bergund und Brian Parrish sind Kreativpartner. Erste Ergebnisse ihrer Kooperation stellt Bergund in seiner neuen Ausstellung in der Alten Molkerei vor.
26.03.2019, 23:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Müllberge schwappen über den Ozean, der Horizont verdunkelt sich, und eine Stimme wiederholt immer wieder den Satz "We will wait". Die Stimme gehört Brian Parrish, die Bilder in dem über siebenminütigen Video stammen von Frank Bergund. Der Clip zu Parrish' neuem Song "Time & Tide" ist die erste Gemeinschaftsproduktion der beiden Worpsweder Künstler, die erst mal wenig zu verbinden scheint.

Parrish ist Rockmusiker und seit den 60er-Jahren in verschiedenen Genres aktiv. Nach Worpswede kam der gebürtige Engländer eher zufällig – seine jetzige Ehefrau Angela lebte dort. Bergund ist im Künstlerdorf geboren und fest mit dem Kulturzentrum Alte Molkerei verwachsen. In den 90er-Jahren begann er zu zeichnen und kam dann zur surrealen Malerei. Getroffen haben sich die beiden in der Music Hall, die für sie ein Anziehungspunkt ist. Bergund engagiert sich dort ehrenamtlich und ist mindestens ebenso begeistert von Musik, wie Parrish in Worpswede seine Liebe zur Malerei entdeckte.

Dennoch liegt die Zusammenarbeit nicht direkt auf der Hand, auch wenn in Bergunds Atelier in der früheren Molkerei, das gleichzeitig auch seine Galerie ist, meist Musik läuft. Es sind eher frühe Elektronik-Meisterwerke von Tangerine Dream oder Klaus Schulze, die er beim Malen hört. Aber auch die stark surrealistischen Cover der frühen Schulze-Alben aus den 70er-Jahren haben ihn inspiriert. Edgar Froese, Kopf von Tangerine Dream, war seinerzeit eng mit Salvator Dalí verbunden – auch hier schließen sich Kreise.

Von der Zeichnung über Ölbilder ist der 52-Jährige zur Fotografie gekommen. Seine jüngsten Arbeiten nehmen eigene Aufnahmen zur Basis, die er allerdings solange am Computer bearbeitet, bis auch sie zu surrealen Fantasielandschaften werden. Oft ist ein Stück Worpsweder Wolkenhimmel darin versteckt. Auch weitere Details aus dem Künstlerdorf tauchen immer mal wieder an unerwarteten Stellen auf. Zeitgleich entwickelte Brian Parrish das Konzept für sein nächstes Album "Shadowman", dem Titel folgend sein bislang dunkelstes Werk, wie er selber sagt. Einzelne Songs wie das Titelstück, das er als "Geisterlied" beschreibt und das eine Zustandsbeschreibung aktueller Krisen ist, oder "Time & Tide" hat er bereits aufgenommen und sie Bergund gegeben, damit der dazu Bilder erarbeiten kann. Für das Video haben die beiden einen dritten Worpsweder Künstler gewonnen: Der Musiker Blue Weaver hat es bearbeitet und geschnitten.

Auch bei dieser Kooperation gab es keine Vorgaben, jeder folgte seinen Ideen und war am Ende überrascht, wie nahe er damit bei dem ist, was sein Gegenüber entwickelt hat. So gibt es auch bereits ein Konzertplakat für Parrish' nächsten Auftritt in der Music Hall und einen Entwurf fürs CD-Cover. Aber für Frank Bergund hat die Zusammenarbeit auch eine Bedeutung über die entstehenden Werke hinaus. Er vermisst einen kreativen Austausch in dem Künstlerdorf, den er in früheren Jahren in der Alten Molkerei erlebt hat, und fragt sich angesichts von 140 Künstlern im Ort: „Wo stecken die eigentlich alle?“

Brian Parrish findet, sein Kreativpartner sei ein Rock'n'Roll-Maler. Oder in seinen Worten: „Das Leben ist ein Gitarrensolo: Es kommt auf die Performance an!“ Beiden ist klar, dass sie nicht die ersten Künstler sind, die auf so eine Kooperation gekommen sind. Aber sie wollen sie verbinden mit dem Potenzial Worpswedes, von dem sie finden, es sei nicht ausgereizt. „Hier ist eben immer ein bisschen mehr Flair als in Grasberg oder Gröpelingen“, findet der gebürtige Engländer. Und auch der Ur-Worpsweder will zeigen, dass sein Dorf mehr als immer nur Paula und Vogeler zu bieten hat. Wohin die Kooperation die Seelenverwandten noch führen wird, ist ihnen selber nicht klar. Zunächst zeigt Bergund seine aktuellen Bilder, im Mai stellt Parrish neue Songs vor.


Seine Ausstellung unter dem Titel „Surreale Wahrnehmung“ eröffnet Frank
Bergund am Sonnabend, 30. März, ab 16 Uhr in seinem Atelier im Kunstzentrum Alte Molkerei an der Osterweder Straße 21 in Worpswede. Geöffnet ist dort montags bis sonntags zwischen 11 und 18 Uhr. Brian Parrish tritt am Sonnabend, 25. Mai, ab 20 Uhr in der Worpsweder Music Hall auf und stellt dabei schon erste Songs aus seinem nächsten Album " Shadowman " vor.

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