Fußball-Bezirksliga Lüneburg

Gerd Buttgereit übernimmt zur neuen Saison den FC Worpswede

Der FC Worpswede richtet sich neu aus. Der Fußball-Bezirksligist will künftig vor allem die eigene Jugend fördern und Magnet für junge Talente aus der Region sein. Und das mit einem neuen Trainer.
11.01.2021, 08:55
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gerd Buttgereit übernimmt zur neuen Saison den FC Worpswede
Von Dennis Schott

Worpswede. Das Gespräch hat nicht lange gedauert. Als am Donnerstagnachmittag das Handy von Patrick Wellbrock klingelte, war Raimund Bölke, der 1. Vorsitzende des FC Worpswede, am anderen Ende der Leitung, um ihm mitzuteilen, dass der Verein über die Saison hinaus mit einem anderen Trainer plane. „Viel mehr hat man mir eigentlich nicht gesagt“, erklärte Patrick Wellbrock. Und viel mehr will der Coach des Fußball-Bezirksligisten zu seinem nahenden Ende eigentlich auch nicht sagen. Er macht aber kein Geheimnis daraus, dass die Entscheidung überraschend für ihn kam.

So schlecht lief es für Patrick Wellbrock mit dem FC Worpswede nämlich nicht in den vergangenen drei Spielzeiten. Dem zweiten Platz in der ersten Saison und dem Verbleib in der Kreisliga Osterholz folgte im zweiten Jahr ebenfalls der zweite Rang, allerdings berechtigte der coronabedingt zum Aufstieg in die Bezirksliga Lüneburg. Dort kassierte der Neuling nach bislang nur vier absolvierten Spielen lediglich eine Niederlage und holte immerhin fünf Punkte.

Lesen Sie auch

„Mit Patrick hat das auch überhaupt nichts zu tun“, unterstreicht Teammanager Andreas Rüter. Innerhalb der Sparte sei man aber immer mehr zu der Überzeugung gelangt, sich neu aufzustellen zu wollen, ein anderes Konzept als bisher zu verfolgen. Ein Konzept, das vor allem auf die Jugend setzt, junge Spieler aus dem Verein und der Region. „Wir haben das Konzept dem Vorstand vorgetragen, und der hat es abgesegnet“, erklärt Teammanager Rüter.

Derjenige, der die Neuausrichtung vorantreiben soll, ist ein guter Bekannter: Gerd Buttgereit, der bereits am Freitag auf der vereinseigenen Homepage vorgestellt wurde. Der DFB-Elite-Lizenzinhaber lief zu aktiven Zeiten selbst für die 1. Herren auf, war deren Teammanager und trainierte die U15 des Vereins. Danach übernahm er die 1. Herren des SV Lilienthal-Falkenberg, war Co-Trainer bei der 1. Frauenmannschaft von Werder Bremen, Trainer beim Landesligisten TSV Etelsen und ist aktuell U19-Coach des Niedersachsenligisten JFV Ahlerstedt/Ottendorf/Heeslingen. „Es ist hochinteressant im Leistungsbereich zu arbeiten“, sagt der 54-Jährige. Allerdings wird ihm die Belastung auf Dauer zu viel. „40 Minuten zum Training fahren, und das dreimal die Woche, dazu die Spiele an den Wochenenden in ganz Niedersachsen – das ist nicht wenig“, sagt Buttgereit. Zudem macht dem Unternehmer Corona ordentlich zu schaffen. Da kam dem 54-Jährigen der Anruf aus Worpswede kurz vor Weihnachten nicht einmal ungelegen. Die Nähe zum Verein, emotional wie örtlich, sowie das Konzept überzeugten den kommenden FCW-Coach. „Ich wollte mich mit dem JFV sowieso im Januar besprechen, wie es weitergehen soll. Die Arbeit dort macht Spaß, aber der Aufwand ist zu groß“, sagt Buttgereit. Eine Veränderung musste her. Gleichwohl: Trainieren will der erfahrene Coach auch in Worpswede drei Mal die Woche.

Lesen Sie auch

Es klingt schon durch: In Gerd Buttgereit bekommen die Worpsweder einen ehrgeizigen Trainer, der sich zudem im Kreis Osterholz und darüber hinaus gut auskennt. Sein Engagement ist eng mit dem Dreijahresplan verwoben, den der Verein umsetzen möchte. Das beinhaltet im ersten Schritt die Konsolidierung in der Bezirksliga und im zweiten das Ziel, „oben mitzuspielen und vielleicht auch um den Aufstieg“, erklärt Andreas Rüter. Ein Muss sei dies aber nicht, sagt Worpswedes Teammanager weiter. Eher ein Wunsch. Er ist sich jedenfalls sicher, mit der Verpflichtung von Gerd Buttgereit, der das Team auch im Falle eines Abstiegs in der Kreisliga übernehmen würde, neue Impulse setzen zu können. „Wir hatten über mehrere Trainer gesprochen, aber Gerd zählte von Anfang an zu den Favoriten“, verrät Andreas Rüter.

Lesen Sie auch

Die Reaktion von Kapitän Mario Bolduan fällt dagegen verhalten aus – um es wohlwollend auszudrücken. „Ganz ehrlich: Das ist der FC Worpswede, wie er leibt und lebt. Es ist fast schon typisch, dass elementare Dinge beschlossen werden, ohne die Mannschaft oder den Mannschaftsrat einzubinden“, stellt er klar. Und weiter: „Angeblich ging das wegen Corona nicht. Aber das ist eine faule Ausrede. Das hätte man definitiv besser kommunizieren können.“ Zudem kämen ihm solche Sätze wie „auf die Jugend setzen“ wie aus dem „Glückskeks-Kalender“ vor. „Ich weiß auch nicht, ob dieser Dreijahresplan per se nur mit Gerd Buttgereit umsetzbar ist“, fügt er hinzu.

Mario Bolduan findet, dass die Arbeit von Patrick Wellbrock vom Verein nie wirklich wertgeschätzt worden sei und die Trennung auch auf einem belasteten Verhältnis zwischen beiden Parteien beruhe. „Da gab es ja schon ein paar Vorfälle. Man kann schon sagen, dass da ein unüberbrückbarer Graben entstanden ist“, so Bolduan. Vor diesem Hintergrund sei die Trennung sogar vernünftig. Nur die Art und Weise stimme nicht. Wie es für ihn weitergeht? „Momentan ist Fußball für mich so weit weg. Damit beschäftige ich mich gar nicht. Aber wenn der Verein in Zukunft mehr auf die Jugend setzt, dann denke ich mir natürlich meinen Teil“, verrät der Routinier. Andererseits müsse man dem neuen Trainer trotz einiger Vorbehalte die Chance geben, seine Pläne vorzustellen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+