Gutachten zum Schießstand Waakhausen Toxische Befunde

Ein hoher Zaun um den Schießstand ist nur eine der Sofortmaßnahmen, die das lang erwartete Gutachten zu Waakhausen nahelegt. Tenor des 150-Seiten-Papiers: Von dem Areal gehen akute Gefahren aus.
26.02.2021, 19:00
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Von Lars Fischer

Worpswede. Schon die ersten Vorabinformationen aus dem Gutachten zum Schießstand Waakhausen, die der Landkreis Osterholz im November veröffentlichte, waren alarmierend. Am Freitag hat nun der Kreis mit etlichen Monaten Verzögerung die endgültige Fassung der sogenannten Gefährdungsabschätzung zur Umweltbelastung veröffentlicht. Dass eine Sanierung unumgänglich sei, war bei allen Konflikten um die Anlage auch bislang schon unstrittig und wird nun untermauert. Denn die Ergebnisse der Untersuchungen sind eindeutig: Das Gelände weist einen „teilweise extrem erhöhten Schadstoffgehalt“ auf.

Auf 90 Prozent der rund 220.000 Quadratmeter umfassenden Gesamtfläche der Schießsportanlage wurden Belastungen nachgewiesen, die bereits zu schädlichen Verunreinigungen im Boden sowie im Oberflächen- und Grundwasser geführt haben, urteilt der Gutachter Lars Levermann der Bremer Firma Umtech. Verantwortlich dafür sind vor allem, wie erwartet, Bleirückstände aus der Munition, ebenso Arsen, Antimon und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (Pak). Die zugrunde gelegten Prüfwerte werden in der Spitze um das 136-Fache überschritten.

Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass neben der Bodenbelastung bereits auch ein Grundwasserschaden eingetreten sei. Die Ergebnisse der Untersuchungen des Wassers in den Torfschichten zeige „extrem signifikante Belastungen durch Blei“ auf, was darauf schließen lasse, dass das Rückhaltevermögen der Böden größtenteils überschritten sei. „Natürliche Schadstoffminderungsprozesse werden hier auch langfristig nicht zu tolerierbaren Schadstoffgehalten führen“, heißt es.

Zudem warnt Levermann ausdrücklich davor, die Gräben um das Gelände für die Landwirtschaft zu nutzen: „Eine Verwendung des Wassers des Landwehrgrabens und des Viehlander Grabens zur alleinigen Bewässerung von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen oder einer Befüllung von Wassertrögen für Nutztiere sollte vor diesem Hintergrund unterlassen werden.“

Zaun um die Anlage

Auch ein Risiko für Menschen auf der Anlage ist laut Gutachter als „durchaus gegeben zu bewerten“. Bei Kleinkindern reiche der Schadstoffgehalt an der Oberfläche aus, um mit einer geringen aufgenommenen Bodenmenge Vergiftungserscheinungen auszulösen. Für Erwachsene beurteilt er die Belastung zwar als unbedenklich, aber man könne nicht grundsätzlich ausschließen, dass sich auf dem Areal auch kleinere Kinder aufhielten. Deshalb wird empfohlen, das gesamte Gelände gegen unbefugtes Betreten mit einer Zaunanlage zu sichern. „Das alleinige Aufstellen von Warnschildern wird als nicht ausreichend erachtet.“

Am „Sicherungsbauwerk“, der sogenannten Wurst, in der belastete Böden bei der letzten Sanierung 2007 eingelagert wurden, wurde aktuell zwar „kein unmittelbar handlungsbedürftiger Schaden festgestellt“. Dennoch sei anzunehmen, „dass die Dichtigkeit des Bauwerkes infolge der festgestellten Verformungen und der damit verbundenen Materialbeanspruchungen nur noch eingeschränkt gegeben sein wird“. Daher rät das Gutachten dringend dazu, auch hier erneut tätig zu werden. Die Entscheidung darüber, welche Maßnahmen vom Betreiber verlangt werden, treffen allerdings die Kreisbehörden. Zunächst wird das Gutachten am 10. März im Ausschuss für Umweltplanung und Bauwesen beraten.

Aber schon jetzt mahnt die Firma Umtech an, weitere Untersuchungen zu veranlassen: Im unmittelbaren Umfeld der Waakhauser Anlage seien die Verunreinigungen noch nicht ermittelt worden, obwohl es dort landwirtschaftliche Nutzungen gebe. Eine solche Nutzung aber sei, wenn sich herausstelle, dass sich auch diese Flächen noch im Depositionsbereich befinden sollte, gar nicht zulässig. Es sei zudem nicht auszuschließen, „dass mit Schadstoffen angereicherte Pflanzen durch die am Standort vorhandene Tierwelt aufgenommen werden und somit ein entsprechender Schadstofftransfer über die Nahrungskette erfolgt“.

Sanierungsziele legt das Gutachten nicht vor, aber Levermann macht deutlich, dass die Wiederaufnahme des Schießbetriebs auf den Skeet- und Trapständen sowie am „Kipphasen“ die Situation weiter verschlimmern würde. Auch nach möglichen Sanierungen müssten Einträge von Bleischrot ausgeschlossen werden, einen zukünftigen Betrieb mit Eisenmunition hält er für denkbar. Auch die Kugelstände müssen saniert werden, könnten aber seiner Ansicht nach weiter betrieben werden.

Weitere Informationen

Das Gutachten stellt auf 150 Seiten – zuzüglich mehr als 40 Anlagen – das Verfahren ausführlich dar. Sämtliche Dokumente sind im Kreisinformationssystem unter www.landkreis-osterholz.de einsehbar.

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