Hallenbad Worpswede

Ein Schwimmbad ganz für sich alleine

Das Worpsweder Hallenbad kann seit dieser Woche für Exklusivbesuche von eineinhalb Stunden gemietet werden. Es gibt Kritik daran, die ersten Nutzer aber genießen das besondere Schwimmvergnügen in vollen Zügen.
16.03.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lars Fischer
Ein Schwimmbad ganz für sich alleine

Juno, Lea, Lilith und Bo Niendorf (von links) waren die ersten Gäste, die das Worpsweder Hallenbad ganz für sich hatten.

CARMEN JASPERSEN

Worpswede. „Endlich wieder schwimmen!“ Junos Augen leuchten mit denen von Schwimmbadleiter Amin Zeidan um die Wette. Der freut sich, dass er endlich wieder Gäste im Worpsweder Hallenbad begrüßen kann. Juno (9) und ihre Geschwister Bo (7), Lilith (6) und Nora (drei Monate) sind zusammen mit ihrer Mutter Lea Niendorf und Tante Julia Christoffers die ersten Besucher im Bad seit November. Und sie sind die ersten, die Becken und alles drumherum für eineinhalb Stunden exklusiv für sich haben. Das beeindruckt die Kinder durchaus und so ganz können sie es nicht fassen: „Das sollen wir ganz für uns alleine haben?“, fragt Lilith. Vor allem aber freuen sich die Geschwister aufs Toben im Wasser, und ihre Mutter meint, sie sei mindestens genauso gespannt, wie das ist, und nicht weniger aufgeregt als ihre vier Jüngsten. Der älteste Bruder Finn (16) ist nicht mitgekommen.

Streng genommen sind sie auch schon so einer zu viel, denn eigentlich ist das Bad für maximal fünf Personen aus höchstens zwei Haushalten freigegeben, aber da zählt Nora wohl einfach noch nicht mit. Überhaupt ist vieles an diesem Projekt, für das es im Vorfeld auch heftige Kritik gegeben hat, noch im Versuchsstatus. Die Idee, dass man das Hallenbad mieten kann, kommt aber an. Zeidan berichtet, die ersten 16 Zeitfenster in dieser Woche seien innerhalb weniger Minuten ausgebucht gewesen. In den sozialen Medien berichteten Interessenten, dass sie bei der telefonischen Anmeldung am Montag gar nicht durchgekommen seien. Und viele äußern Kritik am Preis von 30 Euro pro Haushalt – also im Höchstfall 60 Euro insgesamt – für eineinhalb Stunden Vergnügen. Das sei unsozial und „Schwimmen für Reiche“, finden sie.

Willkommene Abwechslung

Für Lea Niendorf geht die Rechnung auf, für sie ist die Abwechslung im Lockdown „ein Traum“. Viel billiger seien andere Unternehmungen für ihre Familie auch nicht, erzählt die fünffache Mutter. „Vor allem haben wir seit einem Jahr so ziemlich alles durch.“ Auch Julia Christoffers, die in Lilienthal lebt und normalerweise regelmäßig zum Aqua-Jogging nach Worpswede kommt, ist begeistert vom Angebot. „Das ist ein Highlight“, sagt sie und fragt: „Was soll man mit den Kids denn sonst noch machen?“ Zum Glück hätten alle, bis auf Nora natürlich, noch vor dem ersten Lockdown schwimmen gelernt. Die Idee, dass sie es wieder verlernt haben könnten, weisen die Mädchen und auch Bo weit von sich. Nach gefühlt drei Minuten in der Umkleide sind sie am Beckenrand angekommen und tauchen wie zum Beweis sofort ab in ihr exklusives Vergnügen. Dass sie auch wider Erwarten die Rutsche benutzen dürfen und für Nora das Planschbecken zur Verfügung steht, erhöht noch die Begeisterung.

Ihre Großtante macht sich allerdings schon Gedanken, was mit den Kindern ist, die coronabedingt keinen Schwimmunterricht bekommen konnten. Ein ganzer Jahrgang Nicht-Schwimmer, der irgendwann auch wieder an die Badeseen kommen wird, das sei eine beunruhigende Vorstellung. Eine Sorge, die sie beispielsweise mit der DLRG teilt. Auch der Worpsweder Schwimmbadförderverein mache sich so seine Gedanken, sagt der Vorsitzende Peter Glötzel. Er findet, alles was fürs Schwimmen und für das Bad gut ist, sollte man unterstützen. Die Kritik an der Preisgestaltung, in die sein Verein nicht miteinbezogen war, könne er durchaus nachvollziehen, aber die Öffnung sei dennoch ein „Lichtblick“. Er regt an, sich nach Sponsoren umzusehen, die es dann auch Familien mit geringem Einkommen möglich machten, wieder ins kühle Nass einzutauchen.

„Kurzsichtiger Shitstorm“

Dietmar Höhn, der aufseiten der Worpsweder Gemeindeverwaltung für das Hallenbad zuständig ist, ist von der massiven Kritik an der Badöffnung überrascht. Er spricht von einem „Shitstorm“ und findet diesen kurzsichtig. Alternativen zur Exklusiv-Nutzung sieht er im Moment nicht. „Das Bad ist offiziell weiter geschlossen“, betont er. Modelle zur eingeschränkten Nutzung wie im vergangenen Jahr seien aufgrund der aktuellen Verordnungen nicht denkbar. Letztendlich sei das neue Modell nur möglich, weil ein Betreiber eines niedersächsischen Fitnessstudios eben dieses erfolgreich eingeklagt habe. Vier Wochen hätten die Landesbehörden gebraucht, bis sie grünes Licht für Worpswede gaben. Den Preis habe man diskutiert, sich dann in einer Spanne von 30 bis 100 Euro für die niedrigste Möglichkeit entschieden. Die Betriebskosten für das sowieso defizitäre Bad kann das nicht decken, bestenfalls die Mehrausgaben für die nötige Desinfektion zwischen den Besuchszeitfenstern kämen so wieder rein.

Letztlich fahre man auf Sicht, sagt Höhn. Man müsse die Erfahrungen auswerten und schauen, wo man die derzeitige Regelung noch anpassen kann. Das soll am Montag passieren, bevor die Termine für die kommende Woche vergeben werden. Dann werden sich auch die Niendorfs wieder in die Telefonschlange einreihen. Denn sie sind sich – gerade wieder trocken nach den eineinhalb Stunden – einig: „Das war mega, das machen wir wieder!“

Info

Zur Sache

Buchungen immer montags

Seit dieser Woche bietet das Worpsweder Hallenbad, In de Wischen 11, Schwimmen nach Anmeldung an. Die Termine werden immer montags von 15 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 04792/ 10 14 vergeben. Es gibt zurzeit 16 Zeitfenster pro Woche, an allen Tagen außer montags für jeweils eineinhalb Stunden. Als Eintrittspreis hat die Gemeinde 30 Euro pro Haushalt festgelegt, es können maximal fünf Personen aus höchstens zwei Haushalten zusammen schwimmen gehen, sodass der Höchstpreis 60 Euro beträgt. Handelt es sich bei dem zweiten Haushalt ausschließlich um Kinder, müssen sie nicht extra bezahlen, zählen aber bei der Personenzahl mit. Im Bad müssen die Kontaktdaten hinterlegt werden und es gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Die Schwimmmeister stellen die Aufsicht hinter der Glasscheibe im Foyer sicher.

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