Interview mit Bill Mockridge „Ich mache weiter, solange es Margie erlaubt“

In „Hurra, wir lieben noch“ steht der Schauspieler Bill Mockridge zusammen mit seiner Frau Margie auf der Bühne. Sie erzählen dort die Geschichte ihrer Ehe.
27.02.2020, 11:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Pfeiff

Herr Mockridge, Ihr erstes gemeinsames Bühnenprogramm mit Ihrer Gattin Margie Kinsky, mit dem Sie beide am 7. März in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck zu sehen sein werden, trägt den Titel „Hurra, wir lieben noch“. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Bill Mockridge: Wir wurden vom Buchverlag „Random House“ angefragt, ob wir nicht ein Buch über unsere 35-jährige Ehe und unsere sechs Kinder, die zum Teil ja auch sehr bekannt sind, schreiben wollen – und das haben wir dann gemacht. Das heißt: Margie hat ihre Version der Ehe aufgeschrieben, und ich habe die Wahrheit ergänzt (lacht). Das Buch ist sehr witzig und auch sehr erfolgreich geworden (Anmerkung der Redaktion: Die Veröffentlichung der ersten Auflage erfolgte im September 2017), woraufhin wir uns entschlossen, auch gleich eine entsprechende Bühnenshow nachzulegen.

Es ist aber keine Lesung?

Wir erzählen unsere Geschichte entlang des Buches. Wie wir uns kennengelernt haben, die erste Wohnung, das erste Kind – aber auch, wo die Probleme liegen, worüber wir uns dauernd streiten und so weiter. Letztlich geht es darum, was eine Ehe zusammenhält oder eben auch auseinander bringt. Wir spielen dabei keine Figuren – und es ist auch kein Theaterstück –, sondern sind einfach Bill und Margie auf der Bühne. Wir interagieren auch mit unserem Publikum, ermitteln zum Beispiel auch jeden Abend das älteste Ehepaar im Saal und so weiter. Erst kürzlich hatten wir ein Ehepaar im Publikum, das bereits 70 Jahre zusammen ist – unglaublich. Viele Paare merken ja, wenn die Kinder aus dem Haus sind, dass sie sich eigentlich gar nichts mehr zu sagen haben, dass sie ihre Beziehung letztlich nur noch über die Kinder definiert haben. Margie und ich nutzen diese Gelegenheit eben, um uns wieder neu ineinander zu verlieben und auch ein wenig an frühere Zeiten anzuknüpfen: Wir unternehmen wieder vieles, was wir auch früher schon gemacht haben und genießen es, gemeinsam zu reisen und jeden zweiten Abend gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

Sehen Sie sich auch ein wenig als Motivationstrainer oder Ratgeber für Paare in vergleichbaren Alters- und Lebenssituationen?

Schon, das steht aber nicht im Vordergrund und es ist keinesfalls ein pädagogischer Abend, sondern letztlich Standup-Comedy. Nach manchen Shows hören wir aber durchaus Sätze wie „Eigentlich wollten wir uns trennen, aber nachdem wir von unseren Kindern die Karten geschenkt bekommen und Euch jetzt zugehört haben, versuchen wir es doch noch weiter zusammen.“ Wir spielen auf der Bühne ja nicht Friede, Freude, Eierkuchen und sind sehr verschiedene Leute: Ich bin ein ruhiger, stoischer Kanadier, Margie eine sehr temperamentvolle, sehr witzige und sehr meinungsstarke Römerin. Wie in vielen Ehen hat man da also zwei Leute, die sich zwar lieben, aber extrem unterschiedliche Temperamente haben. Da muss man einerseits lernen, das Temperament des Partners zu respektieren, andererseits aber auch, hin und wieder zu sagen: „Das geht mir gerade ziemlich auf den Sack, wie Du jetzt gerade bist“ – das muss auch möglich sein, und so lange die gegenseitige Verehrung und der gegenseitige Respekt spürbar bleiben, kann man sich sogar sehr stark miteinander auseinandersetzen. Mitunter sagen Leute nach dem Programm: „Wenn Bill und Margie das trotz ihrer ganzen Unterschiede hinkriegen, dann schaffen wir das doch auch.“

Laut Berichten über Ihre bisherigen gemeinsamen Auftritte begrüßen Sie ihr Publikum bereits vor Showbeginn persönlich im Foyer.

Das hat sich schon bei der ersten Vorstellung einfach so ergeben: Wir begrüßen die Leute, machen schon mal Selfies, unterschreiben in Büchern, sprechen mit den Leuten – und wenn wir dann um 20 Uhr auf die Bühne gehen, kennen wir unser jeweiliges Abendpublikum schon ein bisschen und wissen, wie die Leute drauf sind, ob es beispielsweise Parkplatzprobleme gab oder ob alle sauer sind, weil es gerade regnet und so weiter. In der Pause und nach der Show sind wir natürlich ebenfalls im Foyer. Das ist witzig und einfach schön, und spätestens am Ende des Abends haben wir jeden im Publikum einmal persönlich begrüßt und uns für das Erscheinen bedankt. Der ganze Abend ist also eine hautnahe Begegnung mit Bill und Margie.

Sie waren fast 25 Jahre lang regelmäßig als „Erich Schiller“ in der „Lindenstraße“ zu sehen. Wie empfinden Sie das Ende dieser Serienlegende, das im März erfolgen soll?

Ich finde es natürlich auf der einen Seite sehr schade, dass ein solches Stück Fernsehgeschichte jetzt zu Ende geht, hatte auf der anderen Seite bei den jüngsten Folgen, die ich gesehen habe, aber auch das Gefühl, dass das Format einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Ich gucke aktuell sehr viel bei Netflix und Amazon Prime; die dortigen Erzählweisen empfinde ich einfach als zeitgemäßer als das, was Hans W. Geißendörfer in den 1970er-Jahren erfunden hat. Jetzt kommt halt eben was Neues. So ist es halt immer in unserem Beruf: Du machst irgendwas fertig, dann schließt sich eine Tür – aber wenn Du ein kreativer Mensch bist, entdeckst Du auch immer eine neue Tür und neue Welten, die dahinter liegen.

Daran scheint es Ihnen nicht zu mangeln, obwohl Sie bereits 2012 ein Buch mit dem Titel „Je oller, je doller – so vergreisen Sie richtig“ veröffentlichten. Wie lange wollen Sie noch auf Bühnen oder vor Kameras stehen?

Wir werden bis zum Ende des Jahres erstmal unser aktuelles gemeinsames Programm spielen, bevor das langsam ausläuft. Dann habe ich ja immer noch mein Soloprogramm, dessen Titel Sie gerade nannten und ja auch noch meine eigene Fernsehshow mit dem Titel „Mord mit Ansage“, die mir sehr große Freude bereitet. Vielleicht spiele ich im kommenden Jahr auch noch Theater in Düsseldorf oder Berlin, man wird sehen. Ich habe vor, in meinem Beruf weiter zu machen, solange es meine Frau erlaubt – ich höre auf, wenn Margie mir sagt: „Bill, jetzt wird’s peinlich“.

Das Interview führte Christian Pfeiff.

Info

Zur Person

Bill Mockridge

erlernte sein Schauspielhandwerk in den 1960er-Jahren an der National Theatre School of Canada in Montreal und zeigte sich nach einer Tournee im Jahre 1970 so begeistert von der deutschen Theaterszene, dass er Deutschland zu seiner Wahlheimat erklärte. Hier traf er auch auf seine spätere Ehefrau Margie Kinsky, die Mockridge auch beim Aufbau des Bonner Improvisationstheaters „Springmaus“ unterstützte. Das seit 1983 verheiratete Paar hat sechs gemeinsame Söhne, die ebenfalls allesamt in kreativen Medienberufen tätig sind.

Info

Zur Sache

„Hurra, wir lieben noch“

Am 7. März gastieren Bill Mockridge und Margie Kinsky in der Stadthalle mit ihrem gemeinsamen Bühnenprogramm „Hurra, wir lieben noch“. Ticketssind auch beim OSTERHOLZER KREISBLATT, Telefon 0 47 91 / 30 34 35, sowie unter weser-kurier.de/ticket und unter 04 21 / 36 36 36 erhältlich. Das Programm beginnt offiziell um 20 Uhr, bereits ab 19 Uhr wird das Schauspielerpaar im Foyer der Halle zugegen sein.

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