Interview mit Patrick Wellbrock

„Die Art und Weise ist einfach enttäuschend“

Er hat drei Jahre lang durchaus erfolgreich beim FC Worpswede gearbeitet, brachte den Verein zurück in die Bezirksliga und hat ein klasse Verhältnis zur Mannschaft. Trotzdem muss Patrick Wellbrock gehen.
17.03.2021, 08:48
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„Die Art und Weise ist einfach enttäuschend“
Von Tobias Dohr
„Die Art und Weise ist einfach enttäuschend“

Seine Zeit auf dem Weyerberg läuft demnächst endgültig ab: Stattdessen wird sich Patrick Wellbrock (rechts) dem TSV Bevern anschließen.

Guido Specht
Herr Wellbrock, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Trainerjob. Sie übernehmen zur neuen Spielzeit den TSV Bevern in der 1. Kreisklasse Rotenburg. Wie ist es dazu gekommen?

Patrick Wellbrock: Vielen Dank. Beverns Teammanager Torsten von Rönn hat mich kontaktiert und wir hatten einige gute Gespräche. Nach einem Treffen war dann schnell klar, dass wir zusammenkommen.

Was hat den Ausschlag für Bevern gegeben?

Bevern hat ein junges und ehrgeiziges Team, mit dem man in meinen Augen schon kurzfristig Erfolg haben kann. Einige Spieler kannte ich vorher, den Rest habe ich in einem Zoom-Meeting kennengelernt. Die Truppe macht einen positiven Eindruck. Außerdem sind die Rahmenbedingungen in Bevern großartig. Im Hintergrund wird viel organisiert, auch die Sportanlage ist toll. Da ich zudem in Gnarrenburg wohne und in Bremervörde arbeite, passt es logistisch gut für mich.

Sie sprechen den kurzfristigen Erfolg an. Was sind die Ziele für die neue Saison?

Die Erwartungshaltung ist auf jeden Fall so, dass wir oben mitspielen wollen. Durch den neuen Impuls, den der Verein gesetzt hat, wollen wir den nächsten Schritt machen. Diesen Anspruch hat auch die Mannschaft an sich selbst.

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Wie gut kennen Sie die neue Liga denn? Zuvor waren sie drei Jahre in der Kreisliga Osterholz und der Bezirksliga 3 unterwegs.

Das stimmt, aber ich komme ja ursprünglich aus dem Kreis Rotenburg. Hier kenne ich immer noch fast jeden Sportplatz und jede Menge Leute. Da kriegt man automatisch einiges mit. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wenn man nach Hause zurückkommt.

Aufgrund der aktuellen Lage ist ja noch unklar, wann und wie es im Amateurfußball überhaupt weitergeht. Gab es angesichts der speziellen Corona-Situation Zweifel, eine neue Stelle anzutreten?

Nein, überhaupt nicht. Im Moment ist ja das ganze Leben auf eine gewisse Art und Weise speziell. Vielmehr überwiegt die Vorfreude, wenn es nach der langen Zwangspause endlich wieder losgeht. Bis zum Start der neuen Saison dauert es ja sowieso noch eine Weile, sodass ich hoffe, dass wir dann unter normalen Umständen loslegen können.

Man merkt Ihnen die Vorfreude auf die neue Aufgabe deutlich an. Gab es nach der intensiven Zeit und dem überraschenden Ende beim FC Worpswede nicht die Idee, eine Pause einzulegen?

Ehrlich gesagt hatte ich keinen klaren Plan. Eine Pause war schon eine Option, auch selber ein bisschen kicken oder weitere Trainerlizenzen zu erwerben, wären Möglichkeiten gewesen. Ich wollte einfach etwas machen, was mir richtig Spaß macht und ich glaube, dass ich da die richtige Entscheidung getroffen habe.

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Auch in Ihren drei Jahren als Coach beim FC Worpswede haben Sie einige richtige Entscheidungen getroffen. Im zweiten Kreisliga-Jahr haben Sie die Mannschaft zurück in die Bezirksliga geführt und dort vor dem Lockdown einen soliden Saisonstart hingelegt. Wie blicken Sie auf die Zeit am Weyerberg zurück?

Es war eine sehr ereignisreiche, aber auch anstrengende Zeit, die viel Kraft, Herzblut und Leidenschaft gekostet hat. Wir mussten nach dem Abstieg in die Kreisliga in gewisser Weise einen Neuaufbau schaffen, haben aber schnell eine positive Entwicklung angeschoben. Wir haben erfolgreichen und ansehnlichen Fußball gespielt.

Gab es denn ein besonderes Highlight in dieser Zeit?

Wir haben einige richtig gute Spiele gezeigt und auch hohe Siege eingefahren. In der Kreisliga war das aber auch mein Anspruch. Ein besonderes Spiel war allerdings der 5:1-Heimsieg gegen den SV Lilienthal-Falkenberg in der Aufstiegssaison. Das war an meinem Geburtstag und ich hatte doppelten Grund zur Freude. Auch wenn es sich komisch anhört, hatte übrigens auch die Corona-Zeit positive Effekte für unser Team.

Inwiefern?

Wir hatten im vergangenen September viele Fälle in unserer Mannschaft und nur noch einen kleinen Kader zur Verfügung. Trotzdem haben wir Unentschieden gegen starke Gegner wie Heeslingen und Sottrum geholt, obwohl ich gegen Erstgenannte sogar selber auflaufen musste. Das hat so keiner von uns erwartet und uns als Einheit noch weiter zusammengeschweißt.

Sie sprechen das besondere Verhältnis zur Mannschaft an. Wie würden Sie das beschreiben?

Wir haben wirklich eine super Beziehung und die Mannschaft ist mir total ans Herz gewachsen. Aber auch die Arbeit mit dem Trainerteam war wirklich super. Ob mit Sven Ohlrogge oder Timo Wesemann, das hat einfach gestimmt. Die gute Zusammenarbeit zwischen Trainern und Spielern war wirklich toll. Das hat großen Spaß gemacht.

Trotz der guten Stimmung im Team und der sportlichen Erfolge wurden sie im Januar telefonisch darüber informiert, dass man beim FCW zur neuen Saison nicht mehr mit ihnen plant. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe und sorgte vielerorts für große Überraschung. Wie beurteilen Sie die Geschehnisse mit ein wenig Abstand?

Die Entscheidung wurde ja nach dem Bekanntwerden genug diskutiert. Ich denke heute genauso darüber, wie ich es damals getan habe. Grundsätzlich ist es völlig in Ordnung, dass der Verein mit einem neuen Trainer arbeiten möchte. Die Art und Weise ist aber einfach enttäuschend und auch ein wenig respektlos.

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Was genau stört Sie am Vorgehen des Vereins?

Es gab keinen vernünftigen Austausch, nur das besagte Telefonat. Wenn man in einem vernünftigen Gespräch gemerkt hätte, dass man nicht zusammenkommt, dann wäre das okay. Wir wurden aber vor vollendete Tatsachen gestellt, Gründe sind nicht genannt worden. Daher ist die Entscheidung auch nicht nachvollziehbar. Wir haben das Team vor drei Jahren in einer schwierigen Situation übernommen und gemeinsam etwas aufgebaut. Sportlich kann man uns keinen Vorwurf machen, und das trotz vieler verletzter Spieler. Außerdem war das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht, mein Ziel war mit Blick auf das Potenzial im Team von Anfang an die Aufstiegsrunde.

Auch das Team wirkte von der Entscheidung nicht gerade begeistert. Mario Bolduan bemängelte, dass die Mannschaft nicht miteinbezogen wurde.

In meinen Augen hätte man der Mannschaft und dem Trainerteam zumindest einmal das Wort gönnen sollen. Schließlich ist es ja die Aufgabe des Vereins, im Sinne der Mannschaft zu handeln.

Hat sich denn mittlerweile noch mal einer der Verantwortlichen bei Ihnen gemeldet und über die Art und Weise geredet?

Nein, das ist nicht passiert und das finde ich schade. Ich möchte jetzt aber auch nicht weiter nachtreten, schließlich hatte ich hier eine erfolgreiche Zeit.

Theoretisch wären Sie bei einer Fortsetzung der Saison auch noch der verantwortliche Trainer. Wäre das ein Problem?

Nein. Zur Mannschaft stehe ich weiterhin im Kontakt und das Verhältnis ist wie gesagt klasse. Daher würde ich die äußeren Umstände im Falle eines Falles ausblenden. Ich würde mir einen schöneren Abschluss sogar wünschen.

Das Interview führte Jan-Henrik Gantzkow.

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