Worpswede

Jubiläumsausstellung zum 800. Geburtstag

Zahlreiche Aktionen begleiten den 800. Geburtstag von Worpswede. Die Jubiläumsausstellungen zeigen Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern des Ortes.
16.07.2018, 21:42
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Von Peter Groth
Jubiläumsausstellung zum 800. Geburtstag

„Kinder von Aleppo“ heißt Franziska Hofmanns vor zwei Jahren auf Leinwand entstandenes Werk, das auf einem Stadtplan gründet.

Gemeinde Worpswede

Worpswede feiert den 800. Geburtstag. Künstlerinnen und Künstler begleiten das Jubiläum mit zahlreichen Aktionen und Ausstellungen – aus gutem Grund, denn ohne die Kunst wäre Worpswede zwar ein Ort mit langer Geschichte, aber ein Dorf ohne überregionale Aufmerksamkeit. Nach der Kaleidoskop-Reihe in den Häusern des Museumsverbundes, dem Ausstellungsprojekt „Ausnahmezustand“ der Künstlerhäuser im ehemaligen Hotel Eichenhof und anderen Präsentationen zum Jubiläum sind jetzt zwei weitere Ausstellungen in der kommunalen Galerie Altes Rathaus und in der Galerie Cohrs-Zirus eröffnet worden. Sie zeigen ausschließlich Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern des Ortes.

In den vier Kaleidoskop-Ausstellungen fanden bis auf den Fotografen Rüdiger Lubricht keine aktuell in Worpswede tätigen Künstler Berücksichtigung. Diesem Manko soll jetzt die von der Bremer Kunsthistorikerin Liliane Skalecki kuratierte Schau „Worpswede 800 – Aufbruch“ im Alten Rathaus abhelfen. 14 Kunstschaffende hat sie ausgewählt, sie haben das Wort „Aufbruch“ sehr frei und eigenwillig interpretiert. Die Bandbreite reicht dabei von so politischen Arbeiten wie einem von Menschen überfüllten Boot des Bildhauers Christoph Fischer und einer Mischtechnik von Franziska Hofmann, die vor dem Hintergrund des Stadtplans von Aleppo ein zutiefst verstörtes Mädchen malte, bis hin zu einer humorvollen Interpretation – Stefan Ringeling hat eine weiße Galeriewand mit den Schatten dreier abgehängter Bilder sowie eine Ansichtskarte „Greetings from the Panama Canal“ hinterlassen.

Übergang und Neuanfang

Aufbruch – das können wie in Sabine Böhmes Acrylbildern Menschenmassen auf dem Weg zur goldenen Stadt sein, das kann wie in Eva Brexendorfs Ölbild „Vision“ die Reise Paula Modersohn-Beckers nach Paris interpretieren oder wie in „Bootsbruch“ von Ines Waldbrunn eine archaisch wirkende Darstellung eines Kahns in schwer zu definierender Umgebung zeigen.

Aufbruch bedeutet aber auch den Übergang eines Menschen vom Leben in den Tod, wie ihn Angela Steinbeck malte. In dem farbmächtigen Ölbild „Torsi“ erinnert der gerade 80 Jahre alt gewordene Uwe Häßler an seine Aufbruchszeit als Bildhauer, in den „Springer“ titulierten und mit Farbspritzern übersäten Acrylbildern Birte Hölscher an Jungen, die voller Übermut in einen Fluss zwischen Hochhäusern springen. Jörg Steinbeck reiht in seiner Mischung aus Collage und Malerei die großen Maler wie van Gogh, Picasso oder Schiele, die für Neuanfänge stehen.

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Weit unkonventioneller in Technik und Aufbau sind die Beiträge von vier weiteren Künstlern. Christina Huizenga entwarf einen Objektkasten mit zwölf Schädeln von Rehen und einer Umrandung aus Hirschfell, das den in der Jägerei benutzten Begriff des Aufbruchs spiegelt, Marie S. Ueltzen bestickte und bemalte eine sehr große Leinwand aus Jute mit der Szenerie der Fütterung eines jungen Kuckucks – hier schwebt Mary Poppins über den vermeintlichen Vogeleltern, die ihren Bastard sattkriegen wollen. David Didebulidze fordert die Betrachter seiner aus Künstler-Utensilien bestehenden Rauminstallation zu einem ganz persönlichen Neubeginn auf – sie sollen malen und so Joseph Beuys' Leitwort „Jeder Mensch ist ein Künstler“ folgen. Viktoria Diehn entwickelt schließlich eine aus mehreren Bildern und Fundstücken bestehende „Worpsweder Elegie“, in deren Zentrum ein Metallgatter und ein von Andreas Pirner geschossenes Foto der zerbrochenen Mackensen-Eiche stehen.

Die Galerie Cohrs-Zirus widmet ihre Jubiläums-Ausstellung dem 89-jährigen Bildhauer Waldemar Otto. Zahlreiche kleine Bronzen aus nahezu allen Schaffensphasen, bislang kaum gezeigte Skulpturen aus den 1960er Berliner Jahren sowie eine größere Anzahl von Reliefs mit Bacchantinnen-Motiven flankieren hier neueste Arbeiten des Künstlers.

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Neueste Arbeiten – das sind Schachfiguren aus Silber und aus Bronze. Das komplette Figurenpersonal hat Otto in zwei verschiedenen Größen modelliert, die bronzenen Exemplare mal mit Patina, mal ohne Patina fertigen lassen. Dazu entwarf er intarsierte Spielkästen aus Edelholz, die in der Ausstellung auf Möbeln des Wiener Jugendstil-Künstlers Joseph Hoffmann effektvoll platziert sind – da möchte man dann sofort eine Partie spielen.

Weitere Informationen

Galerie Altes Rathaus, Bergstr. 1. Bis 26.8. Di. bis Fr. 14-18 Uhr, sonnabends und sonntags 11-17 Uhr. Galerie Cohrs-Zirus, Bergstr. 33. Bis 26.8. Fr. 14-18 Uhr, sonnabends und sonntags 11-13, 14-18 Uhr. Am Donnerstag erscheint in dieser Zeitung ein Worpswede-Jubiläumsdossier.

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