The Rascals kommen nach Hüttenbusch

„Lass doch mal in den Keller gehen“

Seit 1962 gibt es - mit Unterbrechungen - The Rascals. Bassist Jürgen Freitag war fast die ganze Zeit dabei. Jetzt kommt er mit der Bremer Rock'n'Roll-Legende nach Hüttenbusch.
20.08.2020, 13:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Lars Fischer
„Lass doch mal in den Keller gehen“

Jürgen Freitag ist Bassist und Bandleader von The Rascals. Die heutige Besetzung ist eine Art All-Star-Band der Bremer Beat- und Rock'n'Roll-Geschichte.

Heinz-Werner Vesting
The Rascals haben sich 1962 gegründet. Waren Sie von Anfang an dabei?

Jürgen Freitag: Nein, nicht ganz. Ich bin als 17-Jähriger 1964 dazugekommen. Mein Vorgänger am Bass war wohl etwas unzuverlässig, und so fragte mich die Band, ob ich einsteigen wolle. Das war für mich keine Frage, denn natürlich kannte ich die Rascals und fand sie toll. Ich hatte schon mit 14 meine erste Band gegründet, meistens haben wir da noch für Mitschüler gespielt. Mit 15 hatte ich meinen ersten Auftritt in der Glocke, damals mit einer Skiffle-Band.

Aber eigentlich war klar, Sie wollten lieber rocken, oder?

Ich liebte den Rock'n'Roll schon damals. Ich bin mit Elvis und „Tutti Frutti“ von Pat Boone aufgewachsen. Ich wusste gar nicht, was die da sangen, aber das war egal. Ich habe einfach mitgemacht. Ich habe immer vor unserem alten Radio gesessen – das war fast noch so ein Volksempfänger aus dem Krieg – und habe mit viel Mühe versucht, Radio Luxemburg reinzubekommen. Das lief nur mit Zischen und Rauschen, aber ich habe jeden Abend die neuesten Rock'n'Roll-Songs da hören können. Fats Domino, Bill Haley oder Little Richard fand ich wahnsinnig inspirierend, und so habe ich dann auch Gitarre und später Bass spielen gelernt.

Wie waren die ersten Auftritte?

Die Rascals spielten regelmäßig im „Schuppen 17“ in Uphusen. Da fuhren dann die ersten Rocker mit ihren Motorrädern vor. Das war schon faszinierend, und wir Musiker hatten immer eine besondere Stellung. Wenn wir reinkamen, waren wir die Größten! Es gab viele Auftritte bei „Schultanzabenden“, besonders beliebt war da immer das Kippenberg-Gymnasium, denn das war damals noch eine reine Mädchenschule! Und in der Lila Eule spielten wir auch nachmittags, quasi zum Tanztee. Da ging die Schlange vor der Tür manchmal bis zum Sielwall. Wir sind dann auch nach Hamburg gefahren und haben die Beatles gesehen. Später haben wir dann selber im Starclub gespielt.

Gab es persönlichen Kontakt?

Zu den Beatles nicht, aber zu Jerry Lee Lewis. Der spielte im selben Laden wie wir, er nachmittags und wir abends!

Sie haben auch viel „auf dem platten Land“ in der Umgebung Bremens gespielt.

Ja, viele Landgasthöfe stellen sich um. Rock'n'Roll war in, da war die Bude immer voll. Das änderte sich erst, als der Beat aufkam. Da haben wir noch eine Zeit lang mitgemacht, aber dann haben wir gemerkt, das ist nicht so ganz unser Ding. Dann kamen verschiedene Einschnitte: Bundeswehr, Beruf, Heirat, die ersten Kinder. Ende der 60er-Jahre haben sich die Rascals dann aufgelöst.

Wann und wie fing es wieder an?

Wir haben über all die Jahrzehnte immer den Kontakt gehalten. Auf einem meiner Geburtstage, das muss so um 2008 herum gewesen sein, habe ich gesagt: „Lass uns doch mal in den Keller gehen!“ Ich hatte ja mit den Mushroams und der Soulband Shakespeares immer weiter Musik gemacht und im Keller stand eine komplette Anlage bereit. Wir haben dann einfach mal unsere Paradenummer „Great balls of fire“ angestimmt, das ging noch ganz gut. Zwei, drei Jahre später haben wir dann wieder angefangen, uns regelmäßig einmal im Monat zu treffen und ein paar Stücke mehr zu versuchen. Zu den alten Rascals sind ein paar neue Musiker dazugekommen, vor allem habe ich dann Bläser in die Band geholt. Das hat uns so einen Push gegeben, dass wir gedacht haben: Damit können wir wieder auftreten.

Wollten sie einen neuen Sound?

Wir haben unser Ding gemacht und die alten Rock'n'Roll-Titel so verfeinert und auch ein bisschen fetziger macht. Wir haben Bläser in Stücke integriert, die ursprünglich gar keine hatten, und einen Chor dazu. Der erste Auftritt war dann in der Bremer Waldbühne, die war rappelvoll. Beim nächsten Mal haben wir dort dann gleich drei Tage hintereinander gebucht. Da hat jeder gesagt, was ist das denn für ein Blödsinn? Aber alle Shows waren ausverkauft.

Es geht dabei aber um mehr als nur die Songs von damals?

Ja, wir haben einen Moderator dazu geholt, der die Geschichten dazu erzählt, und der die Leute gut mitnimmt. Gleichzeitig zeigen wir viele Videos auf der Leinwand hinter uns. Vor zwei Jahren ist dann Jochen Laschinsky, der frühere Sänger der Mushroams, dazugestoßen. Das hat uns noch mal einen Kick gegeben, sodass wir auch etwas jüngere Generationen mit ansprechen können. Wir spielen ein paar Stücke von den Rolling Stones und ein Beatles-Medley und haben so die Zeitspanne, die wir abdecken, noch mal ein bisschen verlängert. Aber es bleibt eine Rock'n'Roll-Show – dazu kehren wir immer wieder zurück.

Gibt es Stücke, die Sie selber nicht mehr hören können und spielen mögen?

Von diesen Sachen, die ich ja nun mein Leben lang spiele, nicht eines! Manchmal erlebe ich das bei Mitmusikern; und hier und da kürzen wir auch mal etwas, aber spielen wollen wir immer alles. Man hat sich jahrelang krumm gemacht, hat das gespielt, was die Leute hören wollten, die Hitparade rauf und runter. Jede Woche musste man was Neues lernen, wir haben uns dumm und dösig geprobt, um immer aktuell zu bleiben. Wenn wir jetzt etwas Neues machen, dann tut mir jedes Stück weh, das wir dafür weglassen müssen. Alles, was wir spielen, spielen wir mit so viel Begeisterung und Hingabe, als ob wir es gerade frisch eingeübt hätten. Das wird auch nicht vergehen.

Das Interview führte Lars Fischer.

Info

Zur Person

Jürgen Freitag (73)

ist hauptberuflich Apotheker. Seit er 14 ist, spielt der Bremer als Bassist in diversen Bands, unter anderem bei The Mushroams, The Shakespeares und Gnomes. Seit 2012 tritt er wieder mit The Rascals auf, die usprünglich von 1962 bis 1968 bestanden.

Info

Zur Sache

Auftritt in Hüttenbusch

Ihre Rock'n'Roll-Show präsentiert die Bremer Band The Rascals am Sonnabend, 22. August, ab 20 Uhr bei einem Open Air am Schützenhof in Hüttenbusch. Durch den Abend führt Jörg Sonntag, Urgestein des legendären Bremer Beat-Clubs. Nach dem ausverkauften Auftritt im vergangenen Jahr im Schützenhof spielt die zwölfköpfige Formation nun unter freiem Himmel und unter Beachtung der üblichen Abstands-und Hygieneregeln. Einlass ist am Konzertabend bereits ab 18 Uhr, sollte das Wetter nicht mitspielen, gibt es überdachte Sitzgelegenheiten. Karten zum Preis von 20 Euro sind direkt im Schützenhof erhältlich (Telefon 04794/ 950 41) oder beim Veranstalter unter 0176 23 45 44 34.

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