Neue Kita in Worpswede

Jung und Alt unter einem Dach

In der Gemeinde Worpswede ist jetzt die Kita „Quartier am Wald“ offiziell eingeweiht worden. Das Besondere daran: Die Einrichtung befindet sich unter einem Dach mit einem Seniorenpflegeheim.
22.11.2019, 19:07
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Von Sabine von der Decken
Jung und Alt unter einem Dach

Singpaten und Kinder sangen zur offiziellen Eröffnung der Kita Quartier am Wald. Mit dabei Marion Stein, Stefan Schwenke, Joachim Schuch und Kunstpädagogin Judith Bieler (von links).

von der Decken

Worpswede. „Es ist eine wunderbare Gelegenheit, intergenerativ zu arbeiten“, schwärmt Joachim Schuch, Einrichtungsleiter des SOS-Kinderdorfes Worpswede, über das Mehrgenerationenprojekt von Kita „Quartier am Wald“ und Seniorenpflegeheim. Denn die sind im neuen Worpsweder Baugebiet unter einem Dach vereint. Bürgermeister Stefan Schwenke bezeichnete das Projekt während der offiziellen Einweihungsfeier der Kita „Quartier am Wald“ als eine wegweisende Einrichtung, die es so bislang im ländlichen Raum nicht gegeben habe. Auch für Kitaleiterin Marion Stein ist die offizielle Einweihung etwas Besonderes.

Als Träger sei das SOS-Kinderdorf stark daran interessiert, ganzheitliche Angebote für Familien anzubieten und Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen, erklärte Joachim Schuch das Engagement des SOS-Kinderdorfs. Aus diesem Ansatz resultierte das im Baugebiet „Quartier am Wald“ umgesetzte Mehrgenerationenprojekt. Obwohl die räumliche Trennung von Jung und Alt durch die Unterbringung unter einem Dach aufgehoben sei, reiche die Nähe allein nicht aus, sondern müsse gestaltet werden, sagte Joachim Schuch mit deutlichen Worten. „Das gibt es nicht umsonst.“ Für ein gutes Miteinander der Generationen müsse man arbeiten.

Seit August bietet die Kita mit Elementar- und Krippengruppe 35 Kindern Platz, um als Ort des Forschens, Entdeckens, der Kunst, Bewegung, Fürsorge, Pflege, Beteiligung und Austausch zu fungieren und den Wert der Kindheit zu unterstreichen, so Schuch. Mehrmals pro Woche treffen sich Senioren und Kinder, bei gemeinsamen Kunstprojekten im „Atelier“ und dem Generationen verbindenden Singpatenprogramm Canto elementar. Die offizielle Einweihung der neuen Kindertagesstätte war Anlass, erste Ergebnisse des Miteinanders von Kindern und Senioren zu demonstrieren.

Noch ist die Kindertagesstätte stark mit der Planung zukünftiger Aktionen beschäftigt und Kinder wie auch Senioren müssen sich ihren neu geschaffenen „Raum erobern“. Um die privaten Räume beider Generationen zu schützen, mietete die Kita für intergenerative Aktionen das „Atelier“, eine der Kita gegenüberliegende Wohnung, an. Hier findet Begegnung und Dialog zwischen den Generationen statt. Aufgrund der räumlichen Nähe gibt es Begegnungen auf allen Ebenen, sei es beim Essen holen, beim Schnack über den Gartenzaun oder den regelmäßigen Besuchen, die die Kinder den Senioren abstatten. Mit Bedacht wurde die Außenfläche des Kindergartens so positioniert, dass Senioren ungehindert auf das Spielgelände blicken können und Kinderlachen ihren Alltag bereichert. Schon jetzt, so Joachim Schuch, könnte die Kita aufgrund des großen Interesses zwei bis drei weitere Gruppen einrichten.

Bereits vor acht Jahren hatte Sönke Steffens, Inhaber der Worpsweder Seniorenresidenz, den Plan für ein generationenübergreifendes Projekt im Kopf. Mit Bau des Quartiers am Wald, Kita unter der Trägerschaft des SOS-Kinderdorfs und einer Seniorenresidenz mit Hotelcharakter, konnte dieser Plan nun in veränderter Form realisiert werden. „Wir sind erwartungsvoll“, sagt Steffens, der auf viele gemeinsame Aktivitäten hofft. Vorstellen kann er sich gemeinsames Kochen, Essen und Backen in Anlehnung an das Leben in der früheren Großfamilie. „Was Kinder machen, können Senioren auch“, fasst er das Verbindende zwischen den Generationen zusammen. Immer, betont er, finde der Kontakt im „geschützten“ Raum unter Aufsicht statt. Ein festes Konzept gebe es noch nicht. Es werde sich nach und nach entwickeln. Für die Senioren erhofft sich Sönke Steffens mehr körperliche und geistige Beweglichkeit. Bei Kindergartenkindern und ihren Eltern soll der Kontakt zu den Senioren zu einer größeren Akzeptanz der älteren Generation führen.

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