Aktion sorgt für Empörung in Worpswede Kahlschlag am Hammeweg

Der Gewässer- und Landschaftspflegeverband Teufelsmoor hat entlang des Hammewegs in Richtung Neu Helgoland Bäume und Büsche radikal zurückgeschnitten. Einige Worpsweder kritisieren die Aktion.
23.02.2020, 19:14
Lesedauer: 2 Min
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Von Lars Fischer

Worpswede. Ein „entsetzliches Bild“ gebe der Hammeweg in Worpswede ab, findet Matthias Erich. Der Worpsweder hatte beobachtet, wie dort Bäume beschnitten und Büsche am Wegesrand herausgerissen wurden. Das entfernte Material sei dann einfach „ins dahinterliegende Gebüsch geschmissen“ worden. Verantwortlich für die Arbeiten ist der Gewässer- und Landschaftspflegeverband (GLV) Teufelsmoor. Dessen Geschäftsführer Andreas Burfeind hat sich nach der Beschwerde selbst vor Ort ein Bild gemacht und kommt zu dem Schluss: Ja, es sehe „wild“ aus, aber es sei ein völlig normaler Rückschnitt, der letztlich kein Frevel, sondern eine notwendige Pflegemaßnahme sei.

Man habe in dem GR-Gebiet (gesamtstaatlich-repräsentatives Naturschutz-Großprojekt) eine Eiche fällen müssen, die nicht mehr standfest war, sowie ein oder zwei Birken aus denselben Gründen entfernt. Ansonsten seien vor allem Weiden zurückgeschnitten und teilweise ebenfalls abgesägt worden. Tatsächlich sei es dabei Maßgabe, das Astwerk vor Ort vergehen zu lassen, statt es abzutransportieren. Nach Burfeinds Angaben fiel der Rückschnitt vor allem deswegen radikal aus, weil der GVL an dieser Stelle zuletzt vor rund zehn Jahren aktiv war. Letztendlich sei es „aktiver Naturschutz“, denn man wolle gerade in diesem Gebiet die möglichst unverstellte Weite der Landschaft erhalten.

Für Matthias Erich stellt sich das anders dar: Er hat den Eindruck, als ob jemand am Weg nach Neu Helgoland „ohne Sinn und Verstand gewütet“ habe. Er hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises, den Nabu und die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) informiert, die das Thema gleich aufgegriffen hat. Jochem Semken, Vorsitzender der UWG, wandte sich seinerseits ebenfalls an den Kreis. Er fragt: „Wie wollen wir der Bevölkerung und den Nutzern des GR-Gebiets vermitteln, dass man bestimmte Wege wegen der Tierwelt nicht begehen darf und dass wir hier dem Naturschutz oberste Priorität einräumen, wenn man dann diesen Kahlschlag zulässt?“ Es gebe jetzt kaum noch Deckung für Vögel und Wild, auch sei der Windschutz für Spaziergänger so nicht mehr vorhanden.

„Grundsätzlich kann es aus Gründen des Naturschutzes sinnvoll sein, Gehölze aus der Hammeniederung zu entfernen“, antwortet Malte Wintjen, Sprecher der Naturschutzbehörde. So werde die Offenheit der Landschaft erhalten - für die Wiesenbrutvögel oder als Wuchs-Orte seltener und geschützter Pflanzenarten. Das sei in den vergangenen Jahren auch in verschiedenen Bereichen des GR-Gebiets mit Fördermitteln des Landes Niedersachsen und der EU im Auftrage des Landkreises geschehen. „An Gewässern und auf Flächen im näheren Umfeld des Weges befinden sich weiterhin umfangreiche Gehölzsäume, die Insekten und Brutvögeln im nächsten Frühjahr einen Lebensraum bieten werden“, gibt Wintjen zu bedenken, der außerdem bestätigt, dass die Arbeiten mit den Vorschriften des Naturschutzgebiets Hammeniederung vereinbar seien. „Eine Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde war nicht erforderlich, weil es sich um zulässige Pflege- und Verkehrssicherungsarbeiten handelt.“

Matthias Erich gibt sich damit nicht zufrieden. Er sagt, es „schmerzt mich und macht mich wütend, egal wie viele eventuelle ,Naturschutzgedanken' dahinter stecken mögen. Aber dann sind diese entweder nicht mehr zeitgemäß vor dem Hintergrund der Klimadebatte und dem anzustrebenden achtsamen Umgang mit unserer Umwelt - oder aber recht verwinkelt.“

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