Ingrid Ripke-Bolinius

Keramikerin mit dem Blick über den Tellerrand hinaus

Die eigene Arbeit ist das eine, das Wirken für das Kunsthandwerk in Worpswede insgesamt das andere. Beides zeichnet Ingrid Ripke-Bolinius aus, die seit 30 Jahren als Keramikerin im Künstlerort tätig ist.
15.04.2019, 05:26
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Sabine von der Decken
Keramikerin mit dem Blick über den Tellerrand hinaus

Ingrid Ripke-Bolinius feiert 30 Jahre als Keramikerin in Worpswede.

von der Decken

Worpswede. Heute gehört Ingrid-Ripke-Bolinius zu den „alten“ Worpswedern, vor 30 Jahren aber, als sie ihr Praktikum in der Töpferei von Ursula Kohne begann, war sie Neuling unter den Worpsweder Kunsthandwerkern. „Ja, 30 Jahre“, sagt Ingrid Ripke-Bolinius und lacht. Heute ist sie Mentorin und Motivatorin, die Wissen an die junge Generation der Kunsthandwerker weitergibt.

Drei Umzüge innerhalb von Worpswede machte die Keramikerin bis sie im Albert Schiestl Weg ihren Traum von Wohnen und Arbeiten unter einem Dach verwirklichte. Sie startete in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, auf dessen Dachterrasse sie ihren Rohstoff lagerte. Danach zog sie mit ihrer Werkstatt in eine ehemalige Schmiede. Arbeitete sie in den ersten Jahren mit Steinzeugton und bevorzugte erdige Farbtöne, inspirierte sie der Wechsel in das lichte, offene Haus im Albert Schiestl Weg zum Materialwechsel hin zu Porzellan. Immer schon habe sie dieses Material im Blick gehabt, aber sich erst mit dem Umzug umorientiert.

Von Anfang an gehörte Ingrid Ripke-Bolinius zu den Organisatoren des Worpsweder Kunsthandwerkermarkts, der in diesem Jahr ebenfalls sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Und dann hob sie vor sechs Jahren noch die Tage des Kunsthandwerks aus der Taufe. Grund dafür ist ihr großes Interesse an und Verantwortungsgefühl für den Künstlerort, dessen Entwicklung und auch an der Entwicklung der Kunst- und Kunsthandwerkerszene. Vier Jahre lang war sie aus diesem Grunde beratende Bürgerin im Ausschuss für touristische Entwicklung.

Von Anfang an drehte Ingrid Ripke-Bolinius alle Stücke auf der Töpferscheibe. Durch Zusammensetzen und Verformen entwickelte sie dabei eine ganz eigene Formensprache und -vielfalt. Im Laufe der Jahre und mit dem Wechsel zum Porzellan wurden ihre Formen immer feiner und zarter. Die steinzeitliche Formensprache und die daraus resultierende Trichterbecherform inspirierten sie im vergangenen Jahr zu quadratischen Gefäßen, die nach dem Drehen auf der Scheibe quadratisch geformt werden. Seit einigen Jahren ist es schlicht weißes Biskuitporzellan, das sie mit grafisch-malerischen Elementen bemalt wie auch mit Motiven altjapanischer Holzschnitte.

Und von Anfang an war Ingrid Ripke-Bolinius klar, dass sie nicht allein von Worpswede existieren kann. Von Mai bis Oktober besucht sie seit drei Jahrzehnten bundesweit und im europäischen Ausland Kunsthandwerker- und Keramikermärkte. Das damit einhergehende Gefühl des Über-den-Tellerand-hinaus-Schauens empfindet die Worpsweder Keramikerin als eine große Bereicherung. „Ich finde es total spannend“, sagt sie über den Austausch mit den Kollegen. Es habe sich dadurch ein gutes kollektives Verhältnis zwischen den Kunsthandwerkern gebildet – statt Konkurrenzkampf. In der Kunsthandwerkerszene ist sie fest verankert.

War Worpswede vor 30 Jahren ein Künstlerort für Kenner, hat sich der Ort im Laufe der Jahre touristisch verändert, so die Beobachtung der Worpsweder Keramikerin. Künstler und Kunsthandwerker vermissen zunehmend ein kunstinteressiertes Publikum. Ingrid Ripke-Bolinius' Besucher aber kommen gezielt, um die Keramiken der Worpsweder Kunsthandwerkerin zu sehen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+