25 neue Plätze in Worpswede

Kita in gemieteten Mobilbauten

Die Gemeinde Worpswede steht unter Druck: Sie muss bis zum Herbst mindestens 25 neue Kita-Plätze schaffen. Dafür komme nur eine Anmietung von Mobilbauten infrage, beschloss der Sozialausschuss.
18.03.2021, 19:16
Lesedauer: 3 Min
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Von Lars Fischer
Kita in gemieteten Mobilbauten

Eine naturpädagogische Ausrichtung soll die zukünftige Kita weiterhin verfolgen.

BUND Bremen

Worpswede. Kaufen oder mieten – an dieser Frage hat der Worpsweder Sozialausschuss sich fast eineinhalb Stunden aufgerieben. In einer mitunter kontroversen Sondersitzung fand sich mit Gesa Wetegrove (SPD) zwar nur eine Fürsprecherin für einen Kauf von Mobilbauten zur Erweiterung des Kindergartens am SOS-Kinderdorf, diese aber vertrat ihr Anliegen mit großer Vehemenz. Letztendlich war ihr Einsatz für die nachhaltigere Variante zur Anmietung zwar inhaltlich überzeugend, aber angesichts des Zeitdrucks erfolglos. So entschied es jedenfalls die Mehrheit der Mitglieder, die mit Ausnahme Wetegroves geschlossen dem Vorschlag der Verwaltung zur Anmietung folgte.

Gemeinde unter Druck

Deutlich wurde in der Debatte vor allem eines: Die Gemeinde steht unter Druck. Es gibt eine Warteliste für Kita-Plätze, die laut Gesetz vorgehalten werden müssen, und diese wächst. Anfangs war, wie berichtet, von 25 Kindern die Rede, für die es nach derzeitigem Stand nach den Sommerferien noch keinen Platz gibt. Mittlerweile sei der Bedarf auf 30 Mädchen und Jungen angewachsen, berichtete Abteilungsleiter Ingo Kranz auf Nachfrage. Insofern sei die Verwaltung enorm dankbar, dass das SOS-Kinderdorf zugestimmt habe, seinen Kindergarten Dat Butjerhus ab Herbst um eine Gruppe für 25 Kinder zu erweitern, so Bürgermeister Stefan Schwenke.

Kinderdorf-Leiter Joachim Schuch machte deutlich, dass dieses Angebot für seine Einrichtung eine große Herausforderung darstelle: Zum einen müsse die geplante Übergangslösung mit den Mobilbauten so konzipiert sein, dass sie einem gleichzeitigen, langfristigen Ausbau des Hauses nicht im Wege stehe. Zum anderen sei das Zeitfenster extrem eng, und ob es tatsächlich zum Beginn des Kindergartenjahres ab September klappen kann, wollte er nicht versprechen. „Wir sind froh, wenn wir es in diesem Jahr schaffen“, sagte Schuch und dämpfte damit die Erwartungen.

Wetegrove nicht überzeugt

Blieb die Frage nach den Eigentumsverhältnissen: Schwenke machte unmissverständlich deutlich, dass eine Mietlösung alternativlos sei. Denn nur dazu sei das SOS-Kinderdorf bereit. Sollte gekauft werden, müsse die Gemeinde selber tätig werden und dass bedeute „erheblichen Mehraufwand“, der sich vor allem auch zeitlich niederschlage. Verzögerungen könne man sich aber nicht leisten, so der Tenor der Argumentation. Damit wollte Wetegrove sich nicht zufriedengeben, sie hielt dagegen, dass in jedem Fall eine Baugenehmigung und identische Vorarbeiten wie etwa Fundamente nötig seien. Die Verwaltung verwies darauf, dass sie – anders als das Kinderdorf – dabei ans Vergaberecht gebunden sei und die Arbeiten ausschreiben müsse. Diese Zeit habe man schlichtweg nicht.

Und auch wenn der Ausschuss Gesa Wetegrove grundsätzlich darin zustimmte, dass ein Kauf von Mobilbauten in Holzrahmenbauweise „sympathischer“ und nachhaltiger als eine Miete von Metallcontainern sei, gab es auch wirtschaftliche Bedenken. Tatsächlich sind die Kosten für die Anschaffung mit etwa 170.000 Euro fast identisch mit den Mietkosten für die angedachten dreieinhalb Jahre. Allerdings, so argumentierte die Verwaltung, seien die Folgekosten nicht absehbar. So einfach ließen sich die Container nicht umsetzen und an einem Folgestandort seien ebenfalls wieder Vorarbeiten nötig.

Naturpädagogische Ausrichtung

Darüber hinaus sei nicht absehbar, wofür die Bauten dann genutzt werden sollen und ob sie dazu überhaupt taugen, denn die Lösung am SOS-Kinderdorf funktioniere nur, weil etwa sanitäre Einrichtungen und Küche im bestehenden Gebäude mit genutzt werden könnten. Als „Solitär“ seien die Container aber davon abgeschnitten und nicht nutzbar, mahnte auch der CDU-Abgeordnete Stefan Thölken, der sich selbst beruflich mit solchen Baukörpern beschäftigt: „Wir hätten dann teuer erkaufte Räume und könnten sie nicht nutzen.“ Stefan Schwenke machte zudem klar, dass ohne konkrete Pläne zur Nachnutzung die Finanzaufsicht des Landkreises einem Kauf ohnehin nicht zustimmen könne. Wetegrove fand hingegen, der Kreis werde wohl kaum gegen ein Vorhaben votieren können, dass der Pflichtaufgabe einer Kommune – also dem Vorhalten von ausreichenden Kita-Plätzen – entspreche.

Eine überraschende Wende gab es beim einzigen Tagesordnungspunkt an diesem Abend dennoch: Nachdem das niedersächsische Schul-Landesamt den ursprünglichen Ratsbeschluss, die neue Gruppe als Waldkindergarten zu konzipieren, eine Absage erteilt hatte, sei der Anschein erweckt worden, dass damit jegliche naturnahe Konzeption vom Tisch sei, sagte Joachim Schuch am Rande der Sitzung. Dies sei aber nicht so, und so erklärte er sich damit einverstanden, dass in die ursprüngliche Vorlage eine Ergänzung eingearbeitet wurde, die weiterhin eine naturpädagogische Ausrichtung der neuen Gruppe vorsieht. Damit war dann auch Gesa Wetegrove einverstanden, ebenso mit allen weiteren Details, nur von der Mietoption wollte sie sich partout nicht überzeugen lassen. Damit bleib sie aber letztlich allein auf weiter Flur.

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