Baupläne für Magerwiese in Worpswede

Verzockt

Will Worpswede seine Magerwiese gegen alle Proteste doch bebauen, müsste man sich den Vorwurf gefallen lassen, den Umweltschutz nicht ernst zu nehmen. Auch ein herber Imageverlust, kommentiert Lars Fischer.
30.01.2021, 16:08
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Von Lars Fischer

Das ist aus Sicht der Gemeinde wirklich dumm gelaufen: Mehr als 50 Jahre lag die Wiese in Worpswede, die einst als Spielplatz gedacht war, brach, und just in dem Moment, wo man sie als Bauland vermarkten will, ändert sich die Gesetzeslage, und schwupps ist aus der Brache ein schützenswertes Biotop geworden. Die Anwohner reiben sich die Hände, denn sie wollen die Bebauung nicht und hätten der Gemeinde das Land sogar zum Bodenrichtwert von 92 Euro pro Quadratmeter abgekauft. Die aber lenkte nicht ein und wollte lieber meistbietend versteigern. Zum Vergleich: In voll erschlossenen Neubaugebieten sind wesentlich kleinere und von daher deutlich begehrtere Grundstücke in Worpswede zuletzt für Quadratmeterpreise um 130 Euro über den Tisch gegangen.

So aber haben die Nachbarn gut 110.000 Euro gespart und behalten doch, was sie wollen: ihre Wiese, die sie so weiternutzen dürfen wie bisher. Oder doch nicht? Mit einer Ausgleichsmaßnahme wären die Baupläne theoretisch weiter machbar, allerdings lassen die Kosten den angestrebten Profit für die klamme Gemeindekasse schrumpfen. Selbst den immer zu Unrecht verunglimpften Milchmädchen kommt langsam der Verdacht, dass man sich hier verzockt haben könnte. Zumal man auch beim Planungsgutachten, das in der bisherigen Fassung unbrauchbar ist, noch einmal nachlegen müsste. Neben der nicht vorhandenen Bürgernähe, die die Verwaltung in dieser Sache schon offenbart hat, müsste sie sich dann aber außerdem den Vorwurf gefallen lassen, den Umweltschutz nicht ernst zu nehmen. Und das auf einer Fläche, die Vorbildcharakter für den Niedersächsischen Weg haben könnte. Für den Erholungsort Worpswede wäre eine solche Entwicklung überdies auch ein herber Imageverlust.

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